Weiden, 4th July 1900

Max Reger to Emil Krause

Object type
Letter
Date
4th July 1900 (source)
Sent location
Weiden
Source location

Senders
  • Max Reger
Recipients

Incipit
Sehr geehrter Herr Professor!
Heute früh erhielt ich Ihren freundl. Brief u. beeile mich denselben […]

Regesta
bedankt sich für den biografischen Artikel in der Zeitung • es ist ihm klar, dass man, wenn man in der Öffentlichkeit steht, auch mal kritisiert wird • versichert, dass op. 39 aus Liebe zu den Texten entstanden sei • »Wenn Sie vielleicht glauben, daß ich blindlings darauflos komponiere, so täuschen Sie sich; ich bin mir meiner künstlerischen Ziele sehr wohl und äußerst klar bewußt, und ist es absolut kein Herumtappen im Nebel! « • sendete Meinungen anderer Musiker über seine Soloviolinsonaten, weil er dachte, dass ihn das interessiere – nicht als Brüskierungsversuch • steht in regem Kontakt mit jungen tüchtigen Musikern, die sich intensiv mit seiner Musik befassen und »mit Tadel gar nicht geizen«
Remarks

Bei Hase Köhler fälschlicherweise Martin Krause als Empfänger angegeben

Referenced works

Publications

Max Reger, Briefe eines deutschen Meisters. Ein Lebensbild, hrsg. von Else von Hase-Koehler, Leipzig 1928, S. 73 (dort fälschlich Martin Krause als Empfänger genannt)

1.

Weiden, bayerische Oberpfalz, Allee 22, 4. Juli 1900.

Sehr geehrter Herr Professor!
Heute früh erhielt ich Ihren freundl. Brief u. beeile mich denselben zu beantworten.
Besonders meinen verbindlichsten Dank für Biographie N 21!
Nun zum übrigen Theil Ihres Briefes: daß jeder, der in die Öffentlichkeit dich begibt, sich der Kritik aussetzt, ist ja doch so klar! Und wenn ich Ihnen s.z. schrieb wegen op 39, daß nicht die Liebe zur Arbeit sondern Liebe zu den schönen Texten mich bewog, die Chöre zu schreiben, so war das absolut keine Gegen Kritik, schon aus dem Grunde nicht, das Gegenkritiken gewöhnlich ebenfalls öffentlich gemacht werden – u. ich Ihnen das nur ganz bescheiden mitteilte! Wenn Sie vielleicht glauben, daß ich „blindlings“ drauflos komponiere, so täuschen Sie sich; ich ich bin mir meiner künstlerischen Ziele sehr wohl u. äußerst klar bewußt u. ist es absolut kein Herumtappen im Nebel!
Ferner wenn ich mir gestattete, Ihnen mitzutheilen, daß Geiger mir über die Soloviolinsonaten dies u. das schrieben, so war das nicht meine Ansicht über die Sonaten – sondern diejenige von recht guten u mir absolut nicht befreundeten Geigern. Und lag mir eine Brüskierungsabsicht vollständig ferne; ich dachte, es könnte Sie vielleicht interessieren, was andere über diese Sonaten sagen.
Gewiß erkenne ich Kritik an; u. bin ich der Letzte, der Reklame für seine Kompositionen macht; doch habe ich hier keine Freunde, die mich etwa lobhudelten! Mit einigen jüngeren aber sehr begabten u. außerordentlich tüchtigen Musikern stehe ich in regem Briefwechsel – allein gerade diejenigen sind die ersten, die, nachdem sie sich schon seit langem intensiv mit meinem Schaffen beschäftigt haben, mir gegenüber mit Tadel gar nicht geizen.

Es tut mir leid, daß Sie meine Karten so auffaßten.
Mit vorzüglichster Hochachtung
Ihr ergebenster
Max Reger.


1
Emil Krause Max Reger. Eine Studie in Neue Zeitschrift für Musik 67. Jg. (1900), Nr. 14, S. 165ff.
Object reference

Max Reger to Emil Krause, Weiden, 4th July 1900, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01000176.html, last check: 20th June 2024.

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