Weiden, 8th June 1901

Max Reger to Martin Boelitz

Object type
[to be verified]
Date
8th June 1901 (source)
Sent location
Weiden
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missing

Only known from: Transcript, Max-Reger-Institut/Elsa-Reger-Stiftung, Karlsruhe | Ep. As. 814 (Druck aus Hase-Koehler)


Senders
  • Max Reger
Recipients

Incipit
Sehr geehrter Herr!
Vorerst die Bitte, mir freundlichst vergeben zu wollen, wenn ich […]

Regesta
dankt für Zusendung des Gedichtes Die Naiven [recte: Die Nonnen] • macht in diesem Gedicht einige Änderungsvorschläge, um es vertonbar zu machen • stößt sich vor allem an der Phrase »Hundert Glocken«: »Denken [Sie] eine solch tristan-übersinnlich-religiös sinnliche Stimmung – die kann man nicht mit hundert beginnen!«
Remarks

Bei „Die Naiven“ handelt es sich wohl um einen Übertragungsfehler; gemeint ist das Gedicht „Die Nonnen“ (später vertont als op. 112)

Referenced works

Publications

(auszugsweise und mit leichten Textänderungen) Max Reger, Briefe eines deutschen Meisters. Ein Lebensbild, hrsg. von Else von Hase-Koehler, Leipzig 1928, S. 89

1.

Weiden, bayerische Oberpfalz, Allee 22
8. Juni1901.

Sehr geehrter Herr!
Vorerst die Bitte, mir freundlichst vergeben zu wollen, wenn ich erst heute Ihnen verbindlichsten Dank sage für die liebenswürdige Sendung Ihres wundervollen Gedichtes: Die Naiven.1 Mein so langes Schweigen hatte seinen Grund nur in der gradezu grausigen Arbeitsüberladung, an welcher ich seit langer Zeit leide. Ich hoffe, Sie werden mir nun vergeben.

Nun zu Ihrem Gedicht! Im Voraus: bitte meine Aussetzung nur als ein Zeichen meines großen Interesses für dasselbe zu nehmen. Die Dichtung gefällt mir außerordentlich – nur zwei Sachen bitte ich dringendst zu ändern: Sie schreiben: Hundert helle Glocken etc. Mir erscheint es nun „stimmungsvoller“, wenn die Glocken nicht „hell“ sind — sondern mehr „traumhaft verschleierten“ Klang haben – ferner das Wort „Hundert“! Ich bitte dieses ebenfalls zu ändern! Als Anfangswort ist solch’ ein „brutal nüchterner“ Begriff 100, der zu sehr zu Witzen herausfordert, nicht geeignet zum Componieren! Bitte also dringendst statt Hundert helle – Glocken – etwas anderes zu setzen! Glocken bleibt – nur Hundert u. helle ändern!
Ebenso später: 100 junge […] ich bitte hier ebenfalls den Begriff 100 unbedingt zu ändern! Die Zahl 100 geht hier ebenfalls nicht zu2

Ich bitte dringendst mir diese 2 Änderungsvorschläge nicht übelnehmen zu wollen; diese meine Vorschläge entspringen nur meinem so großen Interesse für Ihre Dichtung! Denken [Sie] eine solch tristan-übersinnlich-religiös-sinnliche Stimmung – die kann man nicht mit hundert beginnen!

Ich bitte Sie nun diese 2 Stellen freundlichst ändern zu wollen (Es ist ja Alliteration nicht unbedingt notwendig!) Sehr verbunden wäre ich Ihnen wenn Sie die Freundlichkeit hätten mich baldmöglichst mit den 2 Änderungen zu erfreuen!

Mit den besten Grüßen u. der Bitte um recht baldige freundliche Nachricht.

Ihr ergebenster
Max Reger

Bitte Herrn Straube bestens zu grüßen! Besten Dank im Voraus für freundliche Änderung.


1
Daraus werden 1909 Die Nonnen op. 112. Beim Titel handelt es sich möglicherweise um einen Übertragungsfehler.
2
Hier ist in der Abschrift eine Lücke. Möglicherweise ist wiederum zu ergänzen: „componieren“.
Object reference

Max Reger to Martin Boelitz, Weiden, 8th June 1901, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01009256.html, last check: 13th July 2024.

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