Weiden, 28th October 1899

Max Reger to Georg Göhler

Object type
Letter
Date
28th October 1899 (source)
Sent location
Weiden
Source location

Senders
  • Max Reger
Recipients
Dr. G. Göhler
Leipzig
Täubchenweg 10 I

Incipit
Hochgeehrter Herr Dr!
Es freut mich sehr, daß der ja rühmlichst bekannte Riedelverein […]

Regesta
dankt für Annahme der Widmung eines Chores [aus Drei Chöre op. 39] durch den Riedelverein • bittet um Mitteilung, welchen Chor er widmen darf • charakterisiert die Werke als »ruhige, beschauliche Musik« • übersendet die Manuskripte der Partituren und bittet, da er keine Abschriften hat, diese wieder zurückzusenden • freut sich über den Wunsch des E., P. Homeyer möchte op. 27 [= Choralphantasie über »Ein’ feste Burg ist unser Gott«] aufführen • bezeichnet [die Choralphantasie] »Freu’ dich sehr, [o meine Seele]« als für das Publikum »nicht so gleich verständlich« • äußert Selbstkritik wegen seiner Klavierstücke op. 24 [Six Morceaux] und op. 26 [Sieben Fantasiestücke]; gesteht, in diesen Werken »manchmal etwas „populärer“« geschrieben zu haben, um, nach Bruch mit Augener, bei deutschen Verlagen Erfolg zu haben • gesteht: »Mir ist es nicht gegeben, mit Erfolg auf den Geschmack des Publikums reflektieren zu können« • lobt den Idealismus seines neuen Verlegers Aibl • bekundet, dass sein op. 32 [Sieben Charakterstücke] »ein recht harter Brocken« sei, der »eiserne „Fäuste“« erfordere • informiert, dass sich die Orgelsonate op. 33 und die Choralphantasie über »Wie schön leucht’t uns der Morgenstern« »op. 40« [später: op. 40 Nr. 1] im Druck befänden • kündigt Zusendung von op. 35 und op. 37 in fünf Wochen an • bezeichnet seine Cellosonate op. 28 als »arge Geschichte«, die »wohl manchen etwas vor den Kopf stoßen« werde
Remarks

Reger widmete Göhler und dem Riedelverein schließlich den Chor Schweigen op. 39 Nr. 1

Referenced works

Publications

Der junge Reger. Briefe und Dokumente vor 1900, hrsg. von Susanne Popp, Wiesbaden 2000 (= Schriftenreihe des Max-Reger-Instituts, Bd. XV), S. 454f.

Beiträge zur Musikwissenschaft 24/4 (1982), S. 278f.

1.

Weiden, bayerische Oberpfalz,
Allee 22, 28. Okt. 1899.

Hochgeehrter Herr Dr!
Es freut mich sehr, daß der ja rühmlichst bekannte Riedelverein die Dedikation eines Chores annehmen will u. spreche ich Ihnen besonders meinen verbindlichsten Dank aus. Besonders freut es mich, daß Sie die Widmung ebenfalls acceptieren. Ich sende Ihnen nun in diesem Briefe die Chöre [op. 39]; es sind 3 Stück u. bitte ich Sie, selbe gütigst durchzusehen u. auszuwählen, welchen Chor ich dem Riedelverein widmen darf. Geistliche Stücke sind es allerdings nicht; doch glaube ich hoffen zu dürfen, daß die gewählten Texte Ihren Beifall finden werden. Es ist ruhige, beschauliche Musik u. bitte Sie, also nur auszuwählen. Da ich leider keine Abschriften von den Partituren habe (hier ist kein Copist) so muß ich Sie bitten, mir die drei Partituren wieder zurücksenden zu wollen, damit ich sie dann in Druck geben kann. Muß dann erst noch die Stimmen ausschreiben! Daß Sie wünschten, Herr P. Homeyer möchte mein op 27 in Ihrem Konzerte spielen, freut mich ganz außerordentlich; nehmen Sie hierfür meinen herzlichsten Dank entgegen; vielleicht findet es sich später einmal! Ich würde es mir zur größten Ehre schätzen, wenn gerade in einem Ihrer Konzerte ein Orgelwerk von mir zur Aufführung käme!
op 30 (“Freu dich sehr”) ist zwar für das große Publikum fürs erste Mal nicht so gleich verständlich; ich glaube aber hoffen zu dürfen, daß es Ihnen bei näherer Bekanntschaft ebenso entsprechen wird als op 27.
Wenn Sie meine bei Forberg erschienenen Klaviersachen ansehen, so werden Sie leider finden, daß da Stücke dabei sind, die von mir besser »ungeschrieben« geblieben wären. Ich muß da ganz offen sein. Nachdem ich voriges Jahr mit meinem englischen Verleger (Augener) gebrochen hatte, so mußte ich mit deutschen Häusern anknüpfen – u. daß Sie die Schwierigkeiten kennen, bin ich überzeugt; mir stand fast gar nichts zur Hilfe bei u. so versuchte ich in op 24 u. 26 manchmal etwas “populärer” zu schreiben – u. ist dies leider mir nicht gelungen. Mir ist es nicht gegeben, mit Erfolg auf den Geschmack des Publikums reflektieren zu können – u. werde ich mich nie mehr dazu herbeilassen, nur dem Augenblickserfolge zu liebe von meinem “Ideal” abzugehen. Gott sei Dank habe ich nun auch in der Firma J. Aibl einen Verlag gefunden, der in idealem Sinne denkt. Darf ich Sie bitten, mir mitzutheilen, wie Ihnen meine Kompositionen gefallen? Ich wäre Ihnen für gütige Mittheilung Ihres hochgeschätzten Urtheiles sehr dankbar.
Mein op 32 ist ein recht harter Brocken! Es gehören sich da eiserne “Fäuste” dazu, um die Stücke bewältigen zu können; hoffentlich gefällt Ihnen das Werk.
Wenn die Lieder erschienen sind, sende Sie Ihnen sogleich zu. (op 35/37) Im Druck ist auch eine Orgelsonate op 33; nur ist op 40 eine Phantasie für Orgel über: [„]Wie schön leucht’t uns der Morgenstern“ Sobald alle diese Sachen erschienen sind, werde mir erlauben Ihnen dieselben sofort zuzusenden.
Besten Dank auch, daß Sie die neuen Lieder op 35/37 mit besprechen wollen; in 5 Wochen dürften selbe in Ihrem Besitz sein (erscheinen früher als op 33/34)
Meine Cellosonate op 28 (G moll) ist ebenfalls eine arge Geschichte; sie ist sehr schwer u. wird wohl manchen etwas vor den Kopf stoßen; doch es war mir sehr ernst dabei u. hoffe ich, daß das Werk mit der Zeit doch so aufgefaßt wird, wie ich es gemeint habe.
Meinen herzlichsten Dank wiederholend u. mit der Bitte um gelegentliche Rücksendung der 3 Partituren u. um Ihr hochgeschätztes Urtheil (auch über meine anderen Werke!)

Ihr
mit hochachtungsvollstem Gruße
ergebenster
Max Reger

Nach dem 31. Okt. werden Sie wohl mehr Zeit haben, hoffentlich haben Sie sich nicht überanstrengt!

Object reference

Max Reger to Georg Göhler, Weiden, 28th October 1899, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01009792.html, last check: 20th June 2024.

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