Elisabeth Jacoby
Correspondence, Dedicatee
- Correspondence, Dedicatee
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1.
1.1.
Elisabeth Jacoby wurde am 28. Dezember 1847 als jüngstes von vier Kindern des Arztes Immanuel Ruben und seiner Ehefrau Adelheit (geb. Heine) in Hamburg geboren. Sie war verheiratet mit dem Kaufmann Siegmund Jacoby (1829–1893), mit dem sie in der Klopstockstraße 19 in Altona wohnte. Elisabeth Jacoby spielte gastweise in dem von Robert Bignell (1863–1919) geleiteten Streichorchester-Verein, dessen Geschäftsführung sie auch innehatte. Außerdem nutzte Bignell die Räumlichkeiten zum Unterrichten.1Ihr Haus war ein beliebter Treffpunkt für Musiker in Hamburg, auswärtigen Künstlern bot sie Logis. Elisabeth Jacoby, die sich als Mäzenin betätigte, verstarb am 7. Januar 1928. Sie ist auf dem jüdischen Friedhof Bornkampsweg in Hamburg-Bahrenfeld bestattet (Grabnummer 131).
1. Reger-Bezug
Reger hat die musikalische und gastfreundliche Kaufmannsgattin Elisabeth Jacoby vermutlich über Robert Bignell kennengelernt. Der holländische Geieger war 1 kollegial mit den Reger-Interpreten Henri Marteau und Frida Kwast-Hodapp verbunden war. Gemeinsam mit Kwast-Hodapp führte Bignell verschiedentlich Reger-Werke in Altona auf (im Januar 1908 Regers Violinsonate op. 84, das Klaviertrio op. 102 im März 1909). Reger selbst konzertierte erstmals am 3. Februar 1908 im Rahmen des 8. Konzertes der dortigen Philharmonischen Gesellschaft im Hamburger Convent-Garten. Bei der Aufführung des Brandenburgischen Konzerts Nr. 5 von Johann Sebastian Bach unter der Leitung von Max Fiedler spielte Reger den Klavierpart. Außerdem begleitete er die Sängerin Lula Mysz-Gmeiner beim Vortrag von vier Liedern aus opp. 35 (Nr. 4), 55 (Nr. 11) und 88 (Nr. 2 und 3). Ferner dirigierte Reger seine Hiller-Variationenop. 100. Nach dem Konzert gab der Kaufmann Freiherr Heinrich von Ohlendorff in privates Bankett zu Ehren Regers.2 Möglicherweise zählte bereits hier auch Elisabeth Jacoby zu den Gästen. Auf jeden Fall besuchte sie die Aufführung von Regers Violinkonzert op. 101 durch Henri Marteau ein Jahr später am 18. Januar 1909 im großen Saal der Hamburger Musikhalle. Nach dem Konzert kam es zu einem persönlichen Zusammentreffen mit Reger, wie sich dem ersten Brief Regers an Jacoby vom 23. Januar 1909 entnehmen lässt: “Ich glaube, Sie haben die so netten Leute [Ehepaar Beckerath] schon kennengelernt (an dem Abend nach meinem Violinkonzert mit Marteau)”3 Regers Brief antwortet auf ein verschollenes Schreiben Jacobys, in dem sie Reger offenbar zu sich nach Hause einlud im Hinblick auf das bevorstehende Hamburger Konzert vom 25. Februar, in dem Reger als Liedbgegleiter von Gertrud Fischer-Maretzki sowie als Klavierpartner von Andreas Hofmeier bei den Beethoven-Variationenop. 86 auftrat. Reger bedankte sich für das Angebot mit der Ankündigung einer Widmungskomposition. Bei zwar formeller Anrede (“Hochverehrte, gnädige Frau”), ist der Brief so vertraut und humorvoll gehalten, dass von einer schon länger bestehenden Bekanntschaft auszugehen ist. Ein Brief vom 30. Dezember 1910 mit einer Konzerteinladung nach Kiel ist mit “Ihr alter Reger”4 unterschrieben. Die Korrespondenz aus dem Jahre 1911 ist nur lückenhaft erhalten, lässt sich aber durch Postauslieferungsbücher rekonstruieren. So hat Reger im Juni 1911 300 Mark für Frau Jacoby angewiesen und im November seine Frau 3 Pakete an sie verschickt.5 Auch Elsa Reger stand in brieflichem Kontakt zu Elisabeth Jacoby. Wie familiär das Verhältnis zwischen den beiden Frauen war, zeigt nicht nur der Inhalt des überlieferten Schreibens, in dem es unter anderem um sehr persönliche Dinge wie Regers Gesundheitszustand geht, sondern vor allem die Anrede “Liebe Mutter Jacoby!”6 Dass nicht nur Reger und seine Frau bei ihren Hamburg-Besuchen gewohnheitsmäßig im Hause Jacoby logierten, sondern Reger auch Freunde dorthin mitbrachte verdeutlicht ein Brief Regers an seinen Freund Philipp Wolfrum aus dem Jahr 1911, in dem er ihn einlud, ebenfalls mit zu seiner “alten Freundin” zu kommen.“Ich steige immer da ab, und sind wir da glänzend aufgehoben; die alte Dame von 68 Jahren ist sehr musikalisch, und können wir da jeden Ulk treiben”7 Sein Versprechen Elisabeth Jacoby ein Werk zu widmen, erfüllte Reger noch 1909 mit den Drei Duetten für Sopran und Alt mit Klavierbegleitung op. 111a.
Object reference
Elisabeth Jacoby, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_pers_00069.html, version 4.0, 18th December 2025.
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