Karl Heinrich Barth
Dedicatee
- Dedicatee
- –
1.
1.1.
Karl Heinrich Barth, geboren am 12. Juli 1847 in Pillau, Samland, erhielt seinen ersten Klavierunterricht von seinem Vater. Ludwig Steinmann setzte diesen Unterricht 1856 bis 1862 in Potsdam fort. Seine weitere pianistische Ausbildung übernahm hauptsächlich Hans Bronsart von Schellendorff in Weimar, Hans von Bülow am Stern’schen Konservatorium in Berlin und für kurze Zeit Carl Tausig; sie alle gehörten zum engsten Kreis um Franz Liszt. Kompositionsunterricht erhielt Barth von Adolf Bernhard Marx und Carl Friedrich Weitzmann. Seine Tätigkeit als Lehrer begann er 1868 am Stern’schen Konservatorium in Berlin, von 1871 bis 1921 unterrichtete Barth ununterbrochen an der Königlich Akademischen Hochschule für ausübende Tonkunst, später Hochschule für Musik in Berlin, an die ihn Joseph Joachim, der Direktor der Hochschule, berufen hatte. 1881 wurde ihm der Professorentitel zuerkannt. 1910 trat Barth als Direktor der Klavierabteilung der Hochschule an. Aus Barths Unterricht gingen einige der bedeutendsten Pianisten des Jahrhunderts hervor, darunter Artur Rubinstein, Wilhelm Kempff und Heinrich Neuhaus. Barth wirkte auch als Klavierlehrer des Kronprinzen und der Kronprinzessin von Preußen und diente 1877 als Hofpianist des preußischen Kaisers Friedrich III. Gegen Ende des Jahrhunderts war Barth zu einem der gefürchtetsten und angesehensten Professoren Berlins geworden. Barths Schüler erzählten, dass sein Unterrichtsstil streng war und dass er hohe Erwartungen an seine Schüler stellte. Wilhelm Kempff erinnert sich an den »alten ostpreußischen Riesen« mit einem unglaublich hohen Anspruch — »nichts ging an seinem Ohr vorbei«1 — und einer Art, seinen Unmut zu zeigen, die Studenten zum Weinen brachte, wenn sie sein Atelier verließen. Aufgrund der Altersgrenze für Beamte musste er 1921 nach Vollendung seines hundertsten Semesters in den Ruhestand treten. Max Marschalk übte in der Vossischen Zeitung heftige Kritik an der seines Erachtens unehrenvollen Verabschiedung des großen alten Mannes der Berliner Pianistik. Auch als Solist und Kammermusiker hatte Heinrich Barth großen Erfolg, vor allem in England. Mit dem Geiger Heinrich Karl Hermann de Ahna und dem Cellisten Robert Hausmann bildete er ein Klaviertrio, das weithin bekannt und gefeiert wurde. Während seiner gesamten Konzerttätigkeit führte Barth häufig die Werke von Johannes Brahms auf, den er persönlich kannte. Sein Spezialgebiet wurden Brahms' Klavierkonzerte, Kammermusik und Solowerke. Im Rahmen der Konzerte des Trios spielte er im Januar 1883 die Berliner Erstaufführung des Klaviertrios C-Dur op. 87. Die Brahms-Kammermusik mit Klavier war in den dreißig Jahren des Bestehens des Klaviertrios ein fester Bestandteil der Konzerte. Ab 1878 reiste Barth zu Konzerten nach Großbritannien, anfangs oft mit Joseph und Amalie Joachim. In diesem Jahr spielte er die Händel-Variationen. 1880 führte er das d-Moll-Klavierkonzert und die Paganini-Variationen auf. 1881 erklang in London in einem Konzert mit Robert Hausmann die e-Moll-Cellosonate von Brahms, und im November 1883 spielte Barth das zweite Klavierkonzert von Brahms in einem Samstagskonzert im Crystal Palace. Als Brahms starb, vertrat Barth das Konservatorium bei der Beerdigung. Bei den Festspielen im Beethoven-Haus Bonn 1897, die in jenem Jahr als Gedenkveranstaltung für Brahms stattfanden, spielte Heinrich Barth die Händel-Variationen. Zu Zeiten Kempffs und Rubinsteins hatte er seine Konzerttätigkeit weitgehend eingestellt, aber Kempff erinnerte sich, dass »man von ihm sagte, er könne eine Reihe von sechs Konzerten geben, ohne einen einzigen Ton unter dem Klavier fallen zu lassen«2. Eduard Hanslick rezensierte sein Debüt in Wien 1881: »Die echt germanische, kraftstrotzende Erscheinung dieses blondvollbärtigen Künstlers mochte in ängstlichen Gemütern die Besorgniß erregen, er werde vielleicht das Clavier zusammenschlagen. Um so angenehmer war man überrascht, als Herr Barth ein überaus zartes, elegantes und geschmackvolles Spiel entfaltete, das, ohne weichlich zu werden, doch gerade durch seine Mäßigung und ruhige Anmut gefiel.«3 Barth wurde auch als jemand beschrieben, der sich ganz Beethoven und Bach widmete, so wie es die Kritiker über Joachim schrieben. In einem Artikel über Barth aus dem Jahr 1909 wurde betont, dass er »beim Spielen jeden Gedanken an sich selbst zu verlieren, seine eigene Persönlichkeit der des Komponisten unterzuordnen scheint — besonders, wenn er die Werke von Beethoven und Bach spielt«4. Heinrich Barth etablierte seine Karriere als Solist, Kammermusiker und Lehrer in ganz Europa. Er starb am 23. Dezember 1922 in Berlin.
1. Reger-Bezug
Reger schrieb nach einem Konzert des Trios an Adalbert Lindner: »Nun sind hier endlich die Solistenkonzerte zu Ende. Gestern Barth, De Ahna, Hausmann von der königliche[n] Hochschule der Musik zu Berlin. Der Vortrag war aber auch sehr akademisch zugeschnitten. Trocken, sehr trocken. Ich habe die Fdur Romanze von Beethoven schon besser gehört«.1 Reger widmete an Heinrich Barth die Ausgewählten Orgel-Choralvorspiele von Johann Sebastian Bachs bearbeitet für Klavier.
Object reference
Karl Heinrich Barth, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_pers_00230.html, version 4.0, 18th December 2025.
Information
This is an object entry from the RWA encyclopaedia. Links and references to other objects within the encyclopaedia are currently not all active. These will be successively activated.