Waldemar Lütschg
Dedicatee
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1.
1.1.
Geboren am 16. Mai 1877 in St. Petersburg, erhielt Waldemar Lütschg Klavierunterricht von seinem Vater Karl Lütschg (1839–1899), einem deutschstämmigen Komponisten und Klavier-Professor am dortigen Kaiserlichen Konseravtorium. 1896 trat er als Solist im Klavierkonzert von Adolf Henselt erstmals öffentlich auf1 und gab dann Anfang 1897 als Clavierankömmling2 ein vielbeachtetes Debüt in der Berliner Singakademie mit Orchester, bei dem er unter anderem Schumanns Klavierkonzert a-Moll spielte.3 Lütschg entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren zu einem viel gefragten Konzertpianisten, der europaweit auftrat. Das Zentrum seines Wirkens und sein Lebensmittelpunkt blieben dabei Berlin.
Im November 1898 berichteten die Dresdner Nachrichten, dass Lütschg “mit dem Vortrag des Klavierconcerts in A-dur von Liszt die Gunst der Hörer im Sturme gewann. Eine großzügige Auffassung, ein klarer und schöner Anschlag, eine brillante Technik und ein musikalisches Spiel, das überall ein feines Empfinden verräth, fielen von vornherein auf. Liszt scheint dem jungen Künstler, dessen Vortragsart etwas Bravouröses an sich hat, besonders zu liegen, aber auch Chopin’s F-moll-Fantasie spielte er ganz entzückend, während das Mozart’sche Adagio nicht gerade glücklich gewählt war; es wirkte wie ein aus dem Ganzen herausgebrochener Torso und ließ ziemlich kühl. Warum eine derartige Reverenz vor einem Klassiker, wenn man in spezifisch Modernem Bedeutendes leistet? Man kann und braucht nicht Alles zu können, und daß Herr Lütschg zu den Auserwählten unter den Berufenen gehört, hatte er vollauf an Chopin und Liszt bewiesen. […] Der ganze Abend war getragen von herzlichem Beifall, und namentlich der Solist wurde durch zahlreiche Hervorrufe verdienter Maßen ausgezeichnet. Er wird, wenn uns nicht Alles täuscht, noch viel von sich reden machen.”4 1903 porträtierte die Berliner Zeitschrift Die Woche den jungen Pianisten im Rahmen ihres Specials »Junge Talente« und resümierte: “Er wird heute ohne Widerspruch den Ersten seines Faches zugerechnet.”5 Lütschg konzentrierte sich in seinen Klavierabenden, von denen viele im Berliner Beethovensaal und in der Singakademie stattfanden, oftmals auf Werke Beethovens, Liszts, Chopins, Schumanns und Brahms’. Seine starke Präsenz im Konzertleben der Stadt fand auch kritische Stimmen. In der Berliner Börsen-Zeitung etwa hieß es:“Wie viele seiner Collegen verbraucht er sich zu sehr im Berliner Concertbetrieb; anstatt in einem Jahre drei Concerte, sollte er alle drei Jahre ein Concert in Berlin geben.”6Lütschg wirkte in Berlin auch als Klavierlehrer7 und unterrichete 1902 erstmals vertretungsweise an der Berliner Musikhochschule.8 In der Saison 1905/06 war Lütschg Dozent am Chicago Musical College und unternahm eine USA-Tournee, die mit einem Gastspiel beim Boston Symphony Orchestra begann.9
1920 übernahm Lütschg an der Hochschule für Musik Berlin die Klavierklasse von Ernst von Dohnányi. Der seit 1871 am Institut lehrende Heinrich Barth hatte ihn, nicht zuletzt, da er sich als Schumann-Interpret einen Namen gemacht hatte, für diese Position vorgeschlagen, die seit von Dohnányis Rückkehr nach Ungarn 1915 vakant geblieben war. Laut Dietmar Schenk konnte Lütschg die in ihn gesetzten Hoffnungen jedoch “nur zum Teil” erfüllen: “In den zwanziger Jahren stockte seine pianistische Laufbahn, und die Misserfolge im Konzertleben beeinträchtigen seine Lehrtätigkeit. Trotzdem blieb Lütschg bis 1939 als Hochschullehrer tätig.”10 Wie einst sein Vater betätigte er sich zudem als Editor von Klaviermusik und gab bei Cotta je einen Band mit Ausgewählten Klavierwerken von Franz Liszt (ca. 1920) und mit Werken Russischer Klaviermeister (A. Borodin, M. Glinka, M. Mussorgsky, A. Rubinstein und P. Tschaikowsky; ca. 1927) in instruktiven Ausgaben heraus.
Über sein Wirken nach 1939 ist nichts bekannt. Waldemar Lütschg starb am 29. August 1948 in Berlin.
1. Reger-Bezug
Reger widmete Lütschg die im März/April 1903 entstandene Klavierbearbeitung von Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552 (Bach-B7), wobei ihm der Interpret möglicherweise eine Aufführung in Aussicht stellte. Dementsprechend schrieb Reger an seine Verleger Lauterbach & Kuhn in Leipzig: “Ich bitte Sie sehr, das Arrangement sofort in Druck zu geben, da Herr Lütschg die Bearbeitung baldmöglichst braucht, da er es für nächste Saison aufs Repertoire nimmt! […] Als Honorar bitte mir 100 M (Einhundert Mark) gut zu schreiben” (Brief vom 7. April). Eine Aufführung des Werks durch Lütschg ist jedoch nicht nachgewiesen. Zwar berichtete Rudolf Maria Breithaupt im Januar 1904 in der Zeitschrift Die Musik, zuvor in Berlin von Lütschg “zwei charakteristische Stücke von Reger” gehört zu haben, “die hochoriginell und voll interessanter Klavierformen” gewesen wären1, doch ist nicht dokumentiert, um welche Werke sich handelt.2 Im August ließ Reger Lütschg seine Opera 81 und 82 zukommen.3 Ob sich Reger und Lütschg auch persönlich begegnet sind, ist nicht bekannt.
Object reference
Waldemar Lütschg, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_pers_00247.html, version 4.0, 18th December 2025.
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