Horatio Parker

Gender
male
Profession
organist, professor
Birth
15th September 1863
Death
18th December 1919
MRI-Identifier
mri_pers_00833

Name
Horatio William Parker
Used Name
Horatio Parker

References to Reger
References to others

1.

1.1.

Horatio Parker 1916, Fotographie von Pirie McDonald (1867–1942). Library of Congress. Washington DC, USA.
Horatio Parker 1916, Fotographie von Pirie McDonald (1867–1942). Library of Congress. Washington DC, USA.

Horatio William Parker wurde am 15. September 1863 in Auburndale /Mass. geboren. Erst mit 14 Jahren erhielt er Klavier- und Orgelunterricht bei seiner Mutter Isabella Parker. Von 1880-1882 war Parker als Organist in Dedham/Mass. tätig. 1881 nahm er ein Kompositionsstudium bei George W. Chadwick auf, der erst im Jahr zuvor aus Europa , wo er bei Carl Reinecke und Salomon Jadassohn am Leipziger Konservatorium sowie bei Josef Rheinberger in München studiert hatte, in die USA zurückgekehrt war. Im ersten Studienjahr komponierte Parker an die 50 Lieder sowie einige Klavier- und Ensemblestücke. 1882 reiste er nach München, wo er auf Empfehlung Chadwicks ebenfalls bei Rheinberger Orgel und Komposition studierte. Hier entstanden erste größere Chor und Orchesterwerke. Ein Rezensent der Allgemeinen Zeitung befand anlässlich einer Aufführung der Ballade König Trojan für Soli, Chor, Orchester und Harfe, Parker sei “wohl der universellste und talentvollste der englisch-amerikanischen Colonie in der hiesigen Musikschule”.1Parker spielte auch den Orgelpart bei der Uraufführung von Rheinbergers Orgelkonzert op. 137 am 25. Januar 1885 im Münchner Odeonssaal.2 Im Sommer 1885 kehrte Parker in die USA zurück und ließ sich zunächst als Privatmusiklehrer in Boston nieder. Bereits im selben Jahr siedelte er nach New York über, wo er an Cathedral School of Saint Paul und an der St. Mary's School in Garden City, Long Island Musik unterrichtete. 1886 reiste er nochmals nach München, um seine ehemalige Kommilitonin Anna Pössl zu heiraten, mit der er vier Kinder hatte (drei Töchter sowie einen Sohn, der aber kurz nach der Geburt verstarb). 1887 übernahm Parker die Organisten- und Chorleiterstelle an St. Andrew's in Harlem. 1893 wechselte er nach Boston an die Trinity Church. 1894 wurde er ihm von der Yale University der Master of Arts ehrenhalber verliehen und er auf die dortige Battell-Professur für Musiktheorie berufen. Nach der Verleihung der Ehrendoktorwürde 1902 war Parker ab 1904 Dekan auf Lebenszeit der School of Music in Yale. Parker erhielt zahlreiche Auszeichnungen. 1889 wurde er zum Mitglied des National Institute of Arts and Letters ernannt, 1905 in die American Academy of Arts and Letters gewählt und 1915 zum Ehrenmitglied der Musik-Loge Phi Mu Alpha Sinfonia gekürt. Seine Oper Mona gewann 1911 den Kompositionswettbewerb der New Yorker Metropolitan Opera, für die Oper Faryland erhielt Parker 1915 den Preis der Federation of Musical Clubs in Los Angeles. Bereits seit Jahren gesundheitlich eingeschränkt, starb Horatio Parker am 18. Dezember 1919 in Cedarhurst, Long Island, New York auf der Durchreise in die Karibik an einer Lungenentzündung.

Parkers Œuvre umfasst 83 Werke mit Opuszahl. Der Schwerpunkt seiner Kompositionstätigkeit lag auf der orchester- oder durch ein Tasteninstrument begleiteten Chormusik. Neben einem umfangreichen Liedœuvre (Klavier- und Orchesterlieder) existieren zahlreiche Orchester- Kammer- und Klavierkompositionen, jedoch nur wenige Orgelwerke. Seine einzige Sinfonie entstand 1884 in München. Parkers wohl bekannteste Komposition ist die Symphonische Dichtung A Northern Ballad op. 46 von 1899. Zu seinen prominentesten Schülern zählen Charles Ives (1874–1954) und Roger Sessions (1896–1985).


1
u., »Die kgl. Musikschule«, in Zweite Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 196, München, Freitag 17. Juli 1885, S. 1.
2
Vgl. Rezension von »u« in Zweite Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 27, München, Dienstag 27. Januar 1885, S. 1.

1. Reger-Bezug

Im Winter 1912/13 hatte Parker ein Freisemester bewilligt bekommen und nutzte dieses für eine Europareise. Wie seinem Tagebuch zu entnehmen ist, traf sich Parker mit zahlreichen Komponistenpersönlichkeiten, so mit Ermanno Wolf-Ferrari, Max Bruch, Engelbert Humperdinck, Claude Debussy, Julius Röntgen, Jean Sibelius, Richard Strauss und auch mit Max Reger.1 Parker gehörte zu den Mitiniatioren der Progressive Music Series, einer beim Verlag Silver, Burnett & Co verlegten Lehrbuchsammlung zur Musikausbildung an allgemeinbildenden Schulen in den USA. Ganz offenkundig nutze Parker seine Besuchsreise, um die namhaften Komponisten zur Teilnahme an seinem Projekt zu bewegen. Wie erfolgreich er dabei war, zeigt der vierte Band der Buchreihe, der auf Schulkinder der achten Klasse ausgerichtet ist. Er enthält zahlreiche Originalbeiträge der von Parker konsultierten Komponisten, darunter zwei von Reger: Night ThoughtsWoO V/7 für Singstimme bzw. einstimmigen Kinderchor und Klavier nach einem Gedicht der amerikanischen Autorin Louise Ayres Garnett (1877–1937) sowie Good NightWoO VI/25 für gemischten Chor. 2. Ein dritter Beitrag Regers für das Schulbuchprojekt, The SnowWoO V/8 für zweistimmigen Kinderchor mit Klavierbegleitung nach einem Gedicht der amerikanischen Autorin und Kunstsammlerin Alice Van Leer Carrick (1875–1961), erschien erst 1931 posthum im fünften Band der Serie. Da auch der vierte Band erst 1915 publiziert wurde, also zwei Jahre nachdem Reger die Arbeit ausgeführt und sein Honorar erhalten hatte,3 ist nicht von einem späteren Entstehungsdatum auszugehen. Auch ist nicht bekannt, dass Reger und Parker nach dem Zusammentreffen wohl Mitte Februar 1913 nochmal in Kontakt gestanden hätte. Am 24. Februar 1913 informierte Reger seine Hauptverleger Bote & Bock über das amerikanische Schulbuchprojekt Parkers und bat »um möglichst baldige Antwort«, ob ihm die Erlaubnis erteilt würde, die Lieder »für das amerikanische Schulliederbuch nur zum 1. Abdruck […] zu überlassen, sodass also alle Rechte mir verbleiben resp. Ihnen, wenn Sie die Lieder erwerben wollen.« Da in dieser Sache kein weiterer Brief Regers an den Verlag überliefert ist, kann davon ausgegangen werden, dass Bote Bock dem Ansinnen entsprach, aber selbst kein Interesse an den Liedern hatte. Wahrscheinlich hat Reger Parker die fertigen Manuskripte vor dessen Rückreise in die USA persönlich überreicht.


1
Vgl. William K. Kearns, Horatio Parker, (1863–1919): His Life, Music, and Ideas, Metuchen 1990, S. 258, Fußnote 36.
2
The Progressive Music Series. For Basal Use in Primary, Intermediate, and Grammar Schools, Book Four (for eighth grade), hrsg. von Horatio Parker, Osbourne McConathy, Edward Bailey Birge und W. Otto Miessner, Boston u. a. 1915. – Night Thoughts findet sich auf S. 24f., Good Night auf S. 74. Das Gedicht wird dort Victor Hugo zugeschrieben.
3
Vgl. handschriftliche Eintragungen vom Verlag auf einem Separatabzug von Night Thoughts
Object reference

Horatio Parker, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_pers_00833.html, version 4.0, 18th December 2025.

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