Maria E. Orthen
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1.1.
Die Sopranistin Maria E. Orthen wurde am 26. März 1878 in Gielsdorf (Alfter) geboren. Sie wanderte vermutlich bereits als Kind mit ihren Eltern in die USA aus und lebte in Jersey City NJ. Erstmals namentliche Erwähnung findet sie 1893 in den New Jersey City News, wo berichtet wird, “Fraulein Orthen” habe “several solos” gesungen. Möglicherweise reiste sie 1901 nach Europa, denn auf einer Passagierliste vom 20. Juni 1901 ist eine Miss Maria Orthen für eine Passage von Rotterdam nach New York verzeichnet. 1Von 1906 bis 1908 studierte sie in Leipzig am Königlichen Conservatorium bei Marie Hedmondt Gesang. Am 10. März 1908 gab sie ihr Abschlusskonzert mit Liedern von Rudolf Hänsel.2Am 16. Oktober 1907 berichtete die Frühausgabe des Leipziger Tageblatts und Handelszeitung von Orthens Konzertdebüt mit einem Liederabend.3 Im Rahmen einer Besprechung des Liederabends vom 28. April 1908, bei dem Martha Orthen von Max Reger begleitet wurde (s.u.) unternahm der Rezensent des Dresdner Journals eine kritische Würdigung ihrer gesanglichen Eigenschaften: “Frl. Orthen ist eine begabte Sängerin, die eine zwar kleine aber angenehme Sopranstimme besitzt und über Empfindung und musikalische Intelligenz verfügt. Ihre Stimme ist in den Kopftönen vortrefflich gebildet, aber auch einseitig auf Kopfresonanz gestellt. Die Tongebung ist daher flach, auch ist die Artmung oberflächlich, der Ton nicht tief genug gestützt. Besonders verbesserungsbedürftig sind zum Teil die klingenden Konsonanten (vor allem das gutturale l)”4. Auch Arthur Smolian, der dasselbe Konzert besprach, wünschte Maria Orthen, dass “mit der weiteren Ausbildung ihres anmutigen Talentes […] sie ihren Charakter festigen”5 werde. Im Laufe des Jahres 1908 scheint Maria Orthen aber vereits wieder in die USA zurückgekehrt zu sein. Am 17. Januar 1909 konzertierte sie mit einem Brahms-Abend erstmals in der New Yorker Carnegie Hall.6
1. Reger-Bezug
Reger, der 1907 zum Universitätsmusikdirektor und Professor am Königlichen Konservatorium in Leipzig berufen worden war, wird die Studentin Maria Orthen vermutlich dort kennengelernt haben. Am 28. und 30. April 1908 gaben Reger und Orthen gemeinsame Konzerte in Dresden und Leipzig. Auf dem Programm standen neben Liedern von Franz Schubert, Johannes Brahms und Hugo Wolf auch Auszüge aus den im Jahr zuvor komponierten Liedopera von Reger. Aus den Sechs Liedernop. 104 sang Maria Orthen Mutter, tote Mutter (Nr. 3), Lied eines Mädchens (Nr. 4) und Warnung (Nr. 2) sowie aus den Schlichten Weisen op. 76, Band III das populäre Reiterlied (Nr. 34) (Reihenfolge des zweiten Konzerts am 30. April in Leipzig). Lied eines Mädchens musste auf Wunsch des Publikums in Leipzig wiederholt werden. Zu Max und Elsa Reger entwickelte sich ein persönliches Verhältnis. Wohl zum Abschied aus Deutschland schenkte Maria Orthen am 8. Juli 1908 dem Ehepaar Reger eine Portraitpostkarte mit der Widmung “Herr und Frau Prof. Max Reger in aller Hochachtung und Dankbarkeit”. Auch später scheint sich der Kontakt erhalten zu haben, wie eine undatierte auf Englisch geschriebene und an Elsa Reger adressierte Ansichtspostkarte aus New York zeigt, in der Orthen eine Deutschlandreise ankündigt.
Object reference
Maria E. Orthen, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_pers_01630.html, version 4.0, 18th December 2025.
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