Ulrich Steindorff
Lyricist
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1.
1.1.
Ulrich Steindorff wurde am 10. März 1888 als Sohn des Ägyptologen Georg Steindorff und seine Frau Elise, einer Schwester des Soziologen Franz Oppenheimer, in Berlin geboren. 1903 siedelte er mit seinen Eltern nach Leipzig über, wohin der Vater auf eine Professur berufen worden war. Nach dem Besuch des Königin-Carola-Gymnasiums studierte er von 1907–1908 in Leipzig und Kiel Rechtswissenschaft, später dann in Leipzig bis 1915 Nationalökonomie und Philosophie. 1909 heiratete er seine Frau Marguerite, mit der er als Übersetzer aus dem Englischen und Französischen zusammenarbeitete (u.a.Okakura Kakuzō, Das Buch vom Tee, Leipzig 1919, Rudyard Kipling, Schlichte Geschichten aus den indischen Bergen, Weimar 1914). Vor allem übersetzten die Steindorffs die Werke Mark Twains in Deutsche. Als Herausgeber verantwortete er deutsche Ausgaben von Novellen Guy de Maupassants und Maurice Hewletts, eine Sammlung altägyptischer Märchen sowie frühneuzeitliche und aktuelle Abhandlungen (Das philosophische Ehezuchtbüchlein des Johannes Fischart, Teubners Kriegstaschenbuch. Ein Handlexikon über den Weltkrieg) . Das literarische Werk Steindorffs umfasst vor allem Bühnenwerke (mehrere Dramen, die Tragödie Panthea [1911], die Komödie Frau Cardinal [1913] und das »deutsche Festspiel« Freiheit, die ich meine! [1913]), die aber bis auf Die Irren (Uraufführung 11. Dezember 1919 an der Tribüne in Berlin) teils aus politischen Gründen nicht gespielt wurden. Steindorff war bekennender Sozialist, was zum Bruch mit dem Vater führte (1916 literarisch verarbeitet in dem Drama Wundrams Auferstehung)1. 1909 veröffentlichte Steindorff seinen ersten Gedichtband, 1920 folgte Fahrt aus der Nacht. Ferner war er an der von Kurt Pinthius 1912 herausgegebenen Gedichtsammlung Neuer Leipziger Parnass beteilgt (wie auch Elsa Asenijeff und Walter Hasenclever). 1931 war Steindorff als Drehbuchautor an dem deutschsprachigem US-Film Kismet (Regie Wilhelm Dieterle) beteiligt, für Dämon der Meere (Regie Michael Curtiz) schrieb er im selben Jahr alleinverantwortlich den Filmscript. 1933 emigrierte Steindorff wegen seiner jüdischen Herkunft in die USA und ließ sich mit seiner Frau in Sherman Oaks (Kalifornien) nahe Los Angeles nieder. Dort verwendete er den Doppelnamen Steindorff-Carrington und übersetzte 1933 Münchhausens Abenteuer von Gottfried August Bürger und eine Auswahl von Beethoven-Briefen ins Englische. Ferner übersetzte er seine 1925 in Berlin herausgebene Anthologie ägyptischer Märchen für den amerikanischen Buchmarkt (Of Gods and Miracles. Wondrous Tales of the Ancient Egyptians, San José 1954). 1974 gab er unter dem Namen Ulrich S. Carrington eine Sammlung mit drei repräsentativen Erzählungen von Charles Sealsfield (Karl Anton Postl)über die USA heraus (The Making of an American: An Adaption of Memorable Tales, Dallas 1974). Steindorff starb am 21. Juni 1978.
1.2. As lyricist
Neben Regers Lied sind keine Vertonungen von Texten Steindorffs bekannt.
1. Reger-Bezug
Ein persönlicher Kontakt zwischen Reger mit Ulrich Steindorff ist zwar nicht belegt, es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass sich die beiden über Elsa Asenijeff (s.o.) in Leipzig kennenlernten. Asenijeff verkehrte ab 1908 mit Ehepaar Reger. 1909 erschien Steindorffs lyrischer Erstling Gedichte, im selben Jahr vertonte Reger daraus Frühlingsfeier.
Object reference
Ulrich Steindorff, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_pers_01923.html, version 4.0, 18th December 2025.
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