William Thomas Best

Gender
male
Profession
organist
Birth
13th August 1826
Death
10th May 1897
MRI-Identifier
mri_pers_02688

Name
William Thomas Best
Used Name
William Thomas Best

References to Reger
References to others

1.

1.1.

William Thomas Best (undatiert). – Beigabe zu  38. Jg., Vol. 652 (1. Juni 1897) –   .
William Thomas Best (undatiert). – Beigabe zu The Musical Times And Singing-Class Circular 38. Jg., Vol. 652 (1. Juni 1897) – .

William Thomas Best1 wurde am 13. August 1826 in Carlisle (Grafschaft Cumbria), Nordengland, geboren. Er begann in Liverpool zunächst ein Studium des Bauingenieurwesens, verfolgte dann jedoch eine Karriere als Konzertorganist und -pianist. Hierfür nahm er Unterricht bei Abraham Young (Klavier) und John Richardson (Orgel), betrieb aber vor allem ein intensives Selbststudium. In den frühen 1840er Jahren trat er seine erste Organistenstelle in Liverpool an der Pembroke Road Baptist Chapel an, ab 1847 war er an der dortigen Church for the Blind angestellt. 1846 begann seine Zusammenarbeit mit der Liverpool Philharmonic Society; beim Festival zur Eröffnung der Liverpool Philharmonic Hall im August 1849 wirkte er an der Orgel mit. Als “turning point”2 seiner Laufbahn erwies sich der Auftritt bei der Great Exhibition, der ersten Weltausstellung, 1851 in London. Best beendete seine Engagements in Liverpool, zog in die Hauptstadt und gab als gefragter Orgelvirtuose landesweite Recitals. Als Pianist trat er hingegen kaum noch auf. 1853 heiratete er die italienische Opernsängerin Amalia Catarina Fortunata Maria Linari und erhielt eine Anstellung als Organist im Royal Panopticon of Science and Art am Leicester Square, einem im opulenten viktorianischen Stil errichteten Ausstellungsgebäude, das ab März 1854 Innovationen aus Kunst und Wissenschaft präsentierte. Zu den Attraktionen gehörte auch, quasi als Vorform des Kinos, die Vorführung von märchenhaften oder historischen Bildergeschichten anhand von Dia-Projektionen, die von der Orgel illustriert wurden. Die Orgel war eigens für diesen Zweck in die Rotunde des Gebäudes um den Projektor herum gebaut worden.3 Doch bereits im Juni 1855 verließ Best im Dissens das Panopticon wegen der Programmvorgaben, die seiner Meinung nach zu einer für ihn nicht mehr tragbaren Verflachung des musikalischen Niveaus geführt hatten.4 Bereits ein Jahr später schloss der Veranstaltungsort seine Toren. 1855 bekleidete Best kurzzeitig Organisten-Ämter in St. Martin-in-the Fields und Lincoln’s Inn Chapel, bevor er schließlich von London nach Liverpool zurückkehrte und im August zum “Organist to the Corporation” der ein Jahr zuvor eingeweihten St George's Hall ernannt wurde. Best blieb der Konzertgesellschaft bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1894 treu.

In den 39 Jahren seines Wirkens in der St George's Hall gab Best wöchentlich anfangs zwei, später drei Konzerte, die zu einem “veritable Mecca not only of organ lovers, but of all those interested in music”5 avancierten. Best, dem eine neue Orgel der Firma Henry Willis zur Verfügung stand, konzipierte umfangreiche Programme, bei denen er Originalwerke mit Bearbeitungen aus allen Genres kombinierte. H. Heathcote Statham schrieb hierzu 1910: “To talk of Best’s „répertoire" would be absurd. His répertoire included everything worth playing that had ever been written for the organ, and everything in classical music that could be suitably arranged for it.”6 Dabei machte sich Best sowohl mit seinen Aufführungen der großen Orgelwerke von Johann Sebastian Bachs als auch mit Brillier-Stücken aus dem Opernrepertoire einen Namen. Neben seinen Auftritten in der George’s Hall unternahm er Tourneen durch ganz England, Schottland und Nordirland. Den Winter 1881-82 verbrachte Best aus gesundheitlichen Gründen in Italien und nutze die Gelegenheit für einige Konzerte in Rom. Einen Höhepunkt seiner Laufbahn stellten die zwölf Konzertabende dar, die er, bereits gesundheitlich stark beeinträchtigt, im Sommer 1890 zur Einweihung der neuen, aus England eingeschifften Orgel in der Town Hall in Sydney vor circa 4000 Besuchern gab.7

1871 erhielt Best auf eine Initiativbewerbung hin zusätzlich zu seiner Stelle in St George's Hall auch den Organisten-Posten an der 1871 eröffneten Royal Albert Hall, den er aber nach wenigen Jahren aufgrund seiner vielfältigen Verpflichtungen wieder aufgeben musste. Von 1871 bis 1891 wirkte er überdies bei den alle drei Jahre stattfindenden Händel-Festen in Crystal Palace mit,8 bei denen er u.a. als Solist in Händels Orgelkonzerten auftrat. Best war gefragter Orgelsachverständiger und weihte zahlreiche Orgeln ein, zuletzt jene in der Queen’s Hall in London (1893). 1872 wurde er zum “associate” der Philharmonic Society in London ernannt. Auch in seiner zweiten Liverpooler Zeit betätigte sich Best als Kirchenmusiker, so in der Parish Church in Wallasey (1860–ca. 1863), der Holy Trinity Parish Church Walton Breck (1863/64–1866) und der West Derby Parish Church (1879–1882).

Im September 1894 gab Best, der seine Ämter aufgrund größer werdender Herzprobleme nicht mehr ausüben konnte, sein letztes Konzert in Liverpool. Er starb dort am 10. Mai 1897 an den Folgen seiner Herzinsuffizienz.

Best trat seit ca. 1845 auch als Komponist in Erscheinung. Als sein Opus 1 erschien eine Fantasia für Orgel in Es-Dur bei Novello in London. Das Gros seines kompositorischen Schaffens mit rund 75 Einzelnummern entfällt auf Werke für die Orgel, darunter Sonaten Fantasien und Fugen, Konzert-Ouvertüren und Märsche. Darüber hinaus entstanden einige Klavierstücke, wie der Triumphal March op. 21 (ca. 1851) und die Festival Overture C-Dur (1875) – beide blieben unveröffentlicht – sowie zahlreiche Hymnen, Choralsätze und Anthems für den gottesdienstlichen Gebrauch, ferner Lieder, Chöre und Übungsstücke für Orgel.9 Zu seinen Lehrwerken gehören die vierteilige Modern School for the Organ (London 1853), 30 Progessive Studies for the Organ op. 33 (bda. 1859) The Art of Organ Playing (ebda. 1867/68) und das umfangreiche First Organ Book. An Elementary and Practical Guide for Students (ebda. 1883). Besondere Bedeutung erlangte Best jedoch als Herausgeber von Werken anderer Komponisten sowie als Bearbeiter. In diesen Bereichen war er wohl so produktiv wie kein zweiter Musiker seiner Zeit;10 das von Roger Dixon Tebbet erstellte Werkverzeichnis nennt weit mehr als 1000 Einträge.11 Maßgeblich sind vor allem seine Einrichtungen von Werken Georg Friedrich Händels und Felix Mendelssohn Bartholdys sowie die Edition von Orgelkompositionen Johann Sebastian Bachs in 21 Bänden.


1
Zur weiterführenden Literatur siehe: Roger Dixon Tebbet, Prince of Organists. W. T. Best (1826–1897) and the spirit of Victorian enterprise, 3 Bände (= Diss. University of York, 1992).
2
Prince of Organists. W. T. Best [1826–1897] and the spirit of Victorian enterprise, Band 1, S. 133.
3
Vgl. ebda., S. 158.
4
Der Zwist mit dem Management wurde teils öffentlich in der Presse ausgetragen. Best schrieb zu seiner Rechtfertigung dem Herausgeber der Zeitschrift Musical World: “I am induced to write a few lines respecting an authorized announcement in a weekly paper to the effect that „Mr. W. T. Best was dismissed from the situation as organist to the Panopticon for insubordination […] As regards the first part of the paragraph, the manager of this place of amusement […] desired me, in addition to my duties, to play an organ piece each evening at ten o’clock, after the business of the programme had been concluded, and while visitors were leaving the building, suggesting, oddly enough, that Mendelssohn’s „Wedding March“ would be an appropriate piece. This derogatory and unreasonable service I decline to perform, therby not suffering the art which I profess to be degraded, as well as preserving my own self-respect.” (zitiert nach ebda., S. 165).
5
William Leslie Sumner, Father Henry Willis, Organ Builder, and his Successors, London 1955, S. 24; zitiert nach ebda., S. 201.
6
H. Heathcote Statham, The Organ and its Position in Musical Art. A Book for Musicians and Amateurs, New York 1910, S. 220f.
7
Tebbet, Pince of Organists (wie Anm. 1), S. 282ff.
8
Das turnusmäßig erst für 1886 vorgesehene Fest wurde anlässlich Händels 200. Geburststag um ein Jahr vorgezogen und danach das dreijährige Intervall wieder eingehalten.
9
Siehe das Werkverzeichnis bei Tebbet (wie Anm. 1), Prince of Organists, Bd. 3, S. 12–74.
10
Vgl. ebda., Bd. 1, S. 235.
11
Vgl. ebda., Bd. 3, S. 75–259.

1. Reger-Bezug

Von einem persönlichen Kontakt zwischen William Thomas Best und Reger ist nichts bekannt. Im Sommer 1892 hatte Reger den Verleger George Augener im Hause seines Lehrers Hugo Riemann in Wiesbaden kennengelernt, woraus sich eine Geschäftsbeziehung entwickelte. Bei den “many pleasant hours”1, die Augener mit Reger in Wiesbaden verbrachte, scheint auch Best Gesprächsthema gewesen zu sein. Reger übernahm umgehend die von Best eingeführte Schreibweise mit zwei unterschiedlichen Tintenfarben für Notentext (schwarz) und Dynamik/Artikulation (rot) als Lesehilfe für den Notenstecher (siehe Regers Arbeitsweise) in die für den 2. August zur Übersendung an den Verlag angekündigte Stichvorlage von Drei Chöre op. 6. Außerdem schrieb er Augener am 12. September, er habe “für die Cäcilia […] ein Präludium und Fuge fertig.” (vgl. Brief Regers vom 12. September 1892 an George Augener). Best war der Herausgeber der bei Augener verlegten Orgelsammlung Cecilia. A Collection of Organ Pieces in Diverse Styles. Best nahm die Komposition aber nicht an, und Augener war zunächst an Regers neuen Kammermusikwerken interessiert. Die Ablehnung mit der Begründung “"für England zu seriös"” (Brief Hugo Riemanns vom 22. Oktober 1892 an den Verlag Peters) wird Reger vermutlich durch den deutschsprachigen Verleger Augener und nicht durch Best übermittelt worden sein.2

Mit Bests Bach-Editionen ist Reger spätestens Ende 1893 in Berührung gekommen. In der Stichvorlage zum Choralvorspiel Komm, süsser Tod WoO IV/3 findet sich als Schlussvermerk der Hinweis Regers, dass Dynamik- und Artikulationsbezeichnungen “in der Größe wie die Bachausgabe des Herrn Best” gestochen werden sollten. Für seine eigenen Bach-Bearbeitungen (siehe Bach-B1) verwendete Reger als Vorlage aber noch über diesen Zeitpunkt hinaus die bei Peters von Friedrich Conrad Griepenkerl und Ferdinand Roitzsch herausgegebenen Bände Nr. 2 und Nr. 4 mit Orgelwerken von Johann Sebastian Bach. Erst für die Bearbeitung von Präludium und Fuge BWV 552 (Bach-B1 Nr. 4), die im September 1896 entstand (siehe Entstehung), griff Reger auf den entsprechenden Band 2 der Best-Edition zurück und nutzte auch für seine Bearbeitung Bach'scher Choralvorspiele (siehe Bach-B4 und Bach-B5) größtenteils die entsprechenden Bände der Best-Ausgabe (Bde. 7, 11, 13, 15, 17) als Vorlagen.

Gegen Bests eigene Orgelkompositionen hatte Reger Vorbehalte. “Allerdings schreibe ich nicht in dem Stil von Best, Widor, Guilmant […]. Es darf Sie nicht beleidigen, daß ich auch den Namen Best mit anführte. In Deutschland, wo wir noch viele, viele Organisten ernsten Sinnes haben, ist eben ein derartiger Orgelstyl unmöglich”, ließ Reger seinen damaligen Verleger Augener wissen (vgl. Brief vom 26. November 1896 an George Augener).


1
Mr. George Augener, Interview in The Musical Herald, Nr. 631, 1. Oktober 1900, S. 291–294, hier S. 293.
2
Stattdessen gingen das Präludium und die Fuge als Nr. 1 in die im Oktober desselben Jahres fertiggestellte Sammlung Drei Stücke op. 7 ein, die Augener im Dezember 1893 publizierte.
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Object reference

William Thomas Best, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_pers_02688.html, version 4.1.0, 7th August 2026.

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