Weiden, 16th November 1898

Max Reger to Caesar Hochstetter

Object type
Letter
Date
16th November 1898 (source)
Sent location
Weiden
Source location

Senders
  • Max Reger
Recipients

Incipit
Mein lieber hochverehrter Herr Hochstetter!
Gestern Abend erhielt ich von No. 7 […]

Regesta
bestätigt Empfang der 50 Belegexemplare der Redenden Künste mit dem Reger-Artikel des E. • dankt für den Artikel • verspricht dem E. eine erneute Widmung • weist darauf hin, dass Augener ärgerlicherweise einige Werke noch nicht gedruckt haben, darunter die Opera 17 und 18 sowie die dem E. gewidmeten Klavierstücke op. 25 • geht umfänglich auf Schreiben des E. ein • befürchtet für den E., dass »das viele Stundengeben [...] kolossal abstumpft« • empfiehlt dem E., die Arbeit im Tonkünstlerverein Wiesbaden niederzulegen • dankt für weitere Postsendung des E., die einige Kritiken und Besprechungen enthält • betont, wie gut es ist, dass der Artikel des E. in drei Heften hintereinander erscheint – »die Leute werden dadurch gezwungen quasi von der Sache mehr Notiz zu nehmen als gewöhnlich« • freut sich, dass der neue Konservatoriumsleiter Eibenschütz andere Prinzipien an den Tag legt als sein Vorgänger [Albert] Fuchs • neue Kompositionen Phantasie und Fuge c-Moll (Richard Strauß gewidmet) und Cellosonate »fix u. fertig« • Strauß hat Reger an den Verlag Jos. Aibl empfohlen – wegen Honorarfragen gescheitert • Strauß empfahl Reger an den Verlag Rob. Forberg, der die Werke opp. 20, 24, 26, 27a [27], 27b [30] und 29 nehmen will und nach Honorarvorstellungen fragt, die Reger als sehr bescheiden beschreibt • Cellosonate ist Hugo Becker gewidmet, der schon eine Abschrift hat • ist sich unklar, wo die Cellosonate erscheinen kann • hat eine nicht zu veröffentlichende Hymne an den Gesang für das 60-jährige Stiftungsfest des Weidener Gesangvereins geschrieben, die noch diese Woche aufgeführt wird
Remarks

schließlich erschienen im Verlag Rob. Forberg alle genannten Werke außer op. 20 und op. 30, die ebenso wie op. 21 und op. 28 bei Jos. Aibl erschienen

Referenced works
  • Sonate g-moll op. 28
  • Cinq Pièces pittoresques op. 34
  • Aus der Jugendzeit op. 17
  • Fantasia and Fugue in C minor op. 29
  • Aquarellen op. 25
  • Fünf Humoresken op. 20
  • Six Morceaux op. 24
  • Hymne an den Gesang op. 21
  • Sieben Fantasiestücke op. 26

Publications

Agnes Michalak, Max Reger Charakterstücke für Klavier zu zwei Händen, Karlsbad 2007, S. 39

Der junge Reger. Briefe und Dokumente vor 1900, hrsg. von Susanne Popp, Wiesbaden 2000 (= Schriftenreihe des Max-Reger-Instituts, Bd. XV), S. 355–357

Max Reger, Briefe zwischen der Arbeit, hrsg. von Ottmar Schreiber, Bonn 1956 (= Veröffentlichungen des Max-Reger-Instituts, Heft 3), S. 30–32

1.

Weiden, bayerische Oberpfalz.
Allee 22, 16. Nov. 1898.

2.

Mein lieber hochverehrter Herr Hochstetter!
Gestern [Einschub: »Abends«] erhielt ich von No 7 der „R. K“ meine bestellten 50 Exemplare – u. soll es mein Allererstes sein, Ihnen nochmals ganz allerherzlichst zu danken für den Artikel! Sie haben mir dadurch nicht nur sehr, sehr große Freude gemacht – sondern auch mir durch den Artikel einen wesentlichen günstigen Stoß zu meinem Fortkommen gegeben – also allerherzlichsten, besten Dank dafür. Ich kann Ihre Güte nicht anders einigermaßen wieder gut machen als durch eine erneute Widmung – u. ist Ihnen also selbe von einem größeren Werke schon jetzt fest u. sicher versprochen [Cinq Pièces pittoresques op. 34]. Ich bitte also auch gleich im Voraus selbe gütigst zu acceptieren! Was nun die Ihnen gewidmeten Klavierstücke [Aquarellen op. 25] betrifft, so kommen selbe bei Augener heraus. Da aber Augener noch op 17 & 18 hat u. selbe noch der Veröffentlichung harren, so dürfte es also schon noch geraume Zeit dauern zu meinem größten Ärger u. Verdruß. Aber was wollen Sie machen! Gegen den hartköpfigen u. in seiner Art unglaublich brüsken Augener helfen alle Vernunftgründe nichts! Seien Sie also nicht mir böse, wenn das Ihnen gewidmete op 25 nicht sogleich erscheint. Schuld daran ist Augener!
Sehr freuen thue ich mich schon auf Ihre versprochene längere Epistel, zu Weihnachten – u. kann ich ja als total neutral und Unkundiger zur „künstlerischen“ Änderung Ihrer Familienverhältnisse noch nichts sagen. Ich weiß aber, daß Sie speziell stets rechtlich handeln u. denken u. wird es also schon so das Richtige sein. Daß Sie soviel zu thun haben ist eines Theils ja sehr hocherfreulich – aber andernteils wieder weniger. Ich fürchte immer, daß das viele Stundengeben und zwar besonders, wenn man es mit Ernst betreibt, kolossal abstumpft. Den Tonkünstlerverein lassen Sie bitte ganz ruhig fahren – es wäre die Undankbarste aller Aufgaben für Sie, diesem Verein als Vorstand nur ¼ Stunde jährlich zu opfern. Dazu ist Wiesbaden wieder zu klein, als daß ein Verein blühen könnte – u. dazu sind die einzelnen Mitglieder aufeinander viel zu neidisch, viel zu kleinlich neidisch auf den geringsten Erfolg, als daß selbst Ihnen es möglich wäre, die ganze Gesellschaft unter eine Haube zu bringen. Soeben bringt mir der Briefbote Ihre freundliche Sendung. Die Kritiken von Reimann & Smolian behalte ich hier – dagegen geht der Artikel von Ihnen mit diesem Briefe gleich wieder an Sie zurück, da ich jetzt ja selbst 50 Exemplare habe u. ich Sie doch nicht Ihres vielleicht einzigen Exemplares berauben will. Sie als der Autor müssen doch auch einige Exemplare haben. Besten Dank für freundliche Zusendung.
In gewisser Beziehung ist es sogar sehr angenehm daß Ihr Artikel in 3 Nummern erscheint – die Leute werden dadurch gezwungen quasi von der Sache mehr Notiz zu nehmen als gewöhnlich. Der Kostenpunkt ist nicht unbeträchtlich; ich erhalte aber das Heft für 35 Pf.
Sehr freuen thut es mich auch, daß Eibenschütz bei Leitung seines Conservatoriums ganz andere Prinzipien an den Tag legt als Fuchs! Letzterer war ja eigentlich total unfähig, ein größeres Institut leiten zu können. Fuchs nahm eben als Lehrer auf, wer kam – ohne je im Geringsten sich die künstlerischen Qualitäten der Leute anzusehen. Das war total falsch. Dann hatte Fuchs noch die unglückselige Manier, zu begleiten bei Gesang etc wie’s nur ging – u. da er das aber gewöhnlich sehr schlecht machte, so that das seinem künstlerischen Renommee großen Abbruch. Ich wünsche Ihnen u. Eibenschütz allen Erfolg; bitte, sagen Sie das Eibenschütz.
Nun zum Schlusse nochmals meinen besten herzlichsten Dank für Ihren Artikel, für die so warme Sprache u. überhaupt für Alles. Wie aber schon geschrieben kann ich meine große Schuld an Sie nur dadurch einigermaßen glatt machen durch die Widmung eines größeren Werkes [Cinq Pièces pittoresques op. 34]! Selbes wird balde folgen.
An neuen Kompositionen ist eine Fantasie & Fuge (Cmoll) [op. 29] großen Styls für Orgel (R. Strauß gewidmet) u. eine Cellosonate [op. 28] zu erwähnen. Alles fix u. fertig. R. Strauß hatte meine Werke an seinen Verleger Aibl bestens empfohlen; die Sache scheiterte an der Honorarfrage. Nun empfahl Strauß die Sachen an Forberg; dieser schrieb mir gestern, daß er op 20, 24, 26 (Pianofortewerke), op 27a, 27b u. 29 nehmen wollte – er bäte um meine Honorarbedingungen. Ich teilte ihm selbe mit; da selbe ich diesmal sehr bescheiden gestellt habe, so denke ich daß es diesmal etwas wird. Meine Cellosonate ist Hugo Becker gewidmet, u. hat er sie schon in Abschrift. Ich weiß noch nicht zu welchem Verlage ich gehe mit der Sonate. (vielleicht zu Breitkopf, nachdem ich jetzt Ihren Artikel in Händen habe.) Verleger haben wir ja genug!
Nun nochmals allerbesten Dank u. allerbeste herzlichste Grüße

Ihres
dankbarst ergebensten
Max Reger

In Eile, da ich diese Woche Aufführung (Chor u. Orchester habe) (Orchester aus Bayreuth.) 60jähriges Stiftungsfest des hiesigen Gesangvereins; ich schrieb eine „Hymne an den Gesang“ [op. 21] dafür. Werde dieses Werk aber nicht edieren, da es zu einfach ist. 5 Volkslieder für Männerchor [WoO VI/6] habe jetzt übertragen.
Herzlichsten Dank u. Gruß

Ihres
freundschaftlichst
ergebensten
Max Reger

Object reference

Max Reger to Caesar Hochstetter, Weiden, 16th November 1898, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01000137.html, last check: 18th May 2024.

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