München, 2nd November 1902

Max Reger to Carl Lauterbach und Max Kuhn, Lauterbach & Kuhn

Object type
Letter
Date
2nd November 1902 (source)
Sent location
München
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missing

Only known from: Transcript, Max-Reger-Institut/Elsa-Reger-Stiftung, Karlsruhe | Ep. As. 4764


Senders
  • Max Reger

Incipit
Meine sehr verehrten Herren!
Für Ihren frdl. Brief besten Dank! Zuerst das Geschäftliche! […]

Regesta
sendet zwei Verlagsscheine unterschrieben zurück • dankt für die 1620 M Honorar für [die Choralvorspiele] op. 67 – die zusätzlichen 120 hält er zurück für die nächste Honorierung • dankt für Übersendung der Korrekturfahnen zu [den Liedern] op. 68 • vergangene Anfeindungen seiner Ehe von beiden Familienseiten her • hat mit 9 Jahren vollständig den Organistendienst in Weiden versehen, ihm wurde nun aber in München nach Kindergottesdienst das Orgelspiel untersagt, »weil die Leute samt und sonders nicht mehr beten können, wenn ich Orgel spiele!« • kündigt an, bald an der nächsten Bach-Kantate zu arbeiten [BWV 50? oder BWV 9 Bach-H2?]
Remarks
Referenced works

Publications

Max Reger, Briefe an die Verleger Lauterbach & Kuhn. Teil 1 [1902–05], hrsg. von Susanne Popp, Bonn 1993 (= Veröffentlichungen des Max-Reger-Instituts, Bd. 12), S. 41–43

1.

München, Wörthstr. 20 I
02. XI. 1902.

Meine sehr verehrten Herren!
Für Ihren frdl. Brief besten Dank! Zuerst das Geschäftliche! Anbei finden Sie die 2 Verlagscheine unterschrieben; in dem Verlagschein über die Bachcantate ist ein Fehler, den ich mir erlaubte, zu ändern!
Bestens, herzlichst dankend bestätige ich Ihnen den Empfang der 1620 M Honorar für op 67; aber, 1500 M nehme ich nur an; ich habe daher 120 M extra gelegt und werden wir diese 120 M das nächste Mal verrechnen, d. h. eben abziehen; ein nochmaliges Zurücksenden halte ich für nicht notwendig, da wir doch in so engen Beziehungen stehen.
Besten Dank für Sendung der Lieder an Frau I. Walther–Choinanus; nehmen Sie mir folgende Bitte nicht übel! Bitte sehr: mich immer vorher benachrichtigen zu wollen, wenn Sie an jemand Werke von mir senden und über die betr. Persönlichkeit meine Ansicht zu hören! Ich kenne so viele unserer Künstler, welche sich die Noten zwar schenken lassen – aber nie etwas tun dafür! Und das möchte ich vermeiden! Also seien Sie über meine Bitte nicht böse; Sie wissen, wie selbe gemeint ist.
Die Korrekturen op 68 sind ebenfalls angekommen! Ich werde selbe balde vornehmen und gründlichst ansehen.
Nun zum letzten Briefe! Ja, es war unbegreiflichste religiöse Verblendung! Allein, wer wie ich eben Gelegenheit hat, die ungeheure Macht der Geistlichen auf die Laien kennen zu lernen – den wundert das nicht! ein überzeugter Katholik muß intolerant bis zu TZ sein, muß jeden Andersgläubigen verdammen, sonst ist er eben kein Katholik mehr!
Es ist nur für meine junge, tapfere Frau so schwer: zuerst erhob sich in ihrer Familie seitens der gräflichen und freiherrlichen Verwandtschaft ein so großes Geschrei, daß sie einen Bürgerlichen (und dazu noch Künstler) heiraten wollte – und zum Schluß ging es noch von Seite meiner Verwandten mit solcher Gehässigkeit los! Allein meine Schwester ist eben den Geistlichen so rettungslos verloren, daß da alle Worte zum Frieden umsonst sind rsp. waren. Meine Frau und ich taten alles um Frieden zu haben – aber es war unmöglich – jeden Rest von Selbstachtung kann man doch nicht hergeben und sich doch nicht bedingungslos auf Gnade und Ungnade den Händen der religiösen, härtesten Unduldsamkeit aussetzen! Sehen Sie, das ist's ja, was ich so oft sage: im bayerischen Volke schläft eine solche Summe von Intelligenz – aber der immer ärger werdende Druck der katholischen Kirche läßt diese Intelligenz nie erwachen!
Z. B: Ich habe mit 9 Jahren vollständig in Weiden den Organistendienst versehen! Nun habe ich vor circa 4 Wochen an 2 – 3 Sonntagen vormittags in den Kindergottesdiensten hier in der Haidhausener katholischen Kirche die Orgel gespielt – aus wahrer Sehnsucht, mal wieder Orgel spielen zu können – na – nun ist mir bedeutet worden, ich sollte das unterlassen, weil die Leute samt und sonders nicht mehr beten können, wenn ich Orgel spiele! Ist das nicht wundervoll? Ja, man lernt nie aus! So was sollte doch eigentlich in die Musikzeitungen!
Apropos: Im allerletzten Heft des Kunstwartes muß im kleinen Teil ein Aufsätzchen: „Die Regerianer“ sein; natürlich kann ich mir schon denken, wie der Aufsatz ist! Ich muß diesen Herren doch mörderlich schwer im Magen liegen! Vorläufig kann ich Ihnen nur sagen, daß đie Herren eine Abfertigung erhalten werden, wie man sich selbe gar nicht gepfefferter wünschen kann! Selbstverständlich schreibe ich diese Abfuhr nicht! Es wird meine liebe Frau und mich sehr, sehr, sehr freuen, wenn Sie, verehrtester Herr Dr. Kuhn, nun uns recht balde besuchen werden; bitte, schreiben Sie uns ja rechtzeitig Tag und Stunde Ihrer Ankunft und leisten Sie unserer freundlichen Einladung zum Mittagbrot bei uns Folge, was uns sehr freuen wird. Also bitte, nicht ablehnen! Nachmittags habe ich fast immer Zeit; nur Montag, Donnerstag von 2 3/4-4 1/4 und Mittwochs von 5-6 Uhr nicht! (Sonst immer frei!)
Ich werde nun so allmählich mit der 2. Kantate (Bach) [Bach-H2] beginnen!
Nochmals viel schönsten, besten Dank für Ihr uns so sehr erfreuen das Hochzeitsgeschenk und die Versicherung der wärmsten Freundschaft
Ihres mit schönsten Grüßen (auch von meiner lieben Frau) ergebensten Max Reger.

Object reference

Max Reger to Carl Lauterbach und Max Kuhn, Lauterbach & Kuhn, München, 2nd November 1902, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01005238.html, version 4.0, 12th May 2026.

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