München, 19th December 1902

Max Reger to Carl Lauterbach und Max Kuhn, Lauterbach & Kuhn

Object type
Letter
Date
19th December 1902 (source)
Sent location
München
Source location
DE,
Berlin,
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz,
Musikabteilung,
Mus.ep. Max Reger 128

Senders
  • Max Reger

Incipit
Meine sehr verehrten Herren!
Für freundl. Brief besten Dank! Also: Ich bin mit Vergnügen […]

Regesta
umfangreiche Vorschläge zum Vertrag zwecks Vorkaufsrecht • Finanzangelegenheiten • bietet den Vertrag auf Lebenszeit an
Remarks
Referenced works

Publications

Max Reger, Briefe an die Verleger Lauterbach & Kuhn. Teil 1 [1902–05], hrsg. von Susanne Popp, Bonn 1993 (= Veröffentlichungen des Max-Reger-Instituts, Bd. 12), S. 59–62

1.

München, Wörthstr. 20 I
19. XII. 02.

Meine sehr verehrten Herrn!
Für Ihren freundl. Brief besten Dank!
Also: Ich bin mit Vergnügen bereit, Ihnen das alleinige u. ausschließliche Vorkaufsrecht von 1. Jan. 1903 an gegen den von Ihnen vorgeschlagenen jährlichen Betrag von 4000 M zu geben; ich erlaube mir, Ihnen vorzuschlagen, daß der Vertrag am 1. Januar 1903 beginnt u. jeden 1. eines Monats Sie mir 300 M senden! Dabei muß ich ausdrücklich betonen, 300 M pro Monat – also 3600 M pro Jahr u. die restierenden 400 M (4000 – 3600 = 400) so lange mir [dreifach unterstrichen:] nicht auszubezahlen, bis die [dreifach unterstrichen:] sämmtlichen Kosten, die Sie jetzt durch die 2 Liederabende Heß, Bergen u. Dessoir haben, alle gedeckt sind! Gelt, Sie verstehen mich; solange nur 12 x 300 = 3600 M, bis durch die jährlich zu meinen Gunsten stehenden 400 M (4000 – 3600 = 400) alle jene obenerwähnten Kosten nebst den Zinsen für diese mir vorgestreckte Summe gedeckt sind! Das ist meine Bedingung!
Ferner wäre ich dann sehr verbunden, wenn Sie die monatliche Sendung von 300 M zu [= so] bewerkstelligen würden, daß die 300 M immer so am 28. oder 29. des Monats in meinen Händen sind. Dann: sollten Sie mir mal aus irgend welchen Gründen ein Werk nicht in Verlag nehmen wollen, dann habe ich das Recht, das betreffende Werk anderweitig zu verkaufen!
Dafür verpflichte ich mich, 1) Sie jederzeit sofort in Kenntnis zu setzen, wenn ich an einem Werk arbeite, 2.) selbstredend Ihnen allein jedes Werk zuerst zu senden, 3.) in meinem Fleiß nie zu erlahmen (was Sie wohl selbst nie bezweifeln werden) 4.) stets Ihnen nur solche Werke anzubieten, welche ich voll u. ganz gegen jede Kritik zu vertreten im Stande bin – d.h. stets nach bestem Wissen und Können zu arbeiten.
Was dann die einzelnen Honorare betrifft für die Werke, so glauben Sie – bitte sehr – meiner Versicherung, daß ich da die Preise so setzen werde, daß Sie nie nur im geringsten Grund haben zu sagen, daß ich unbescheiden bin – [fünffach unterstrichen:] im Gegentheil! Nun: ich habe Jos. Aibl Verlag München hier noch ein Orgelwerk op 56 versprochen, dasselbe an Hug u. Co, welches Orgelwerk für Hug u. Co diesen Monat noch abgeht [Opus 69] – dann von Hugo Wolf noch 5–7 Lieder für Singstimme mit Orgel zu bearbeiten [RWV Wolf-B2], dann mit Herrn Straube gemeinsam eine Pedalschule für Orgel [RWV Anhang B10] für Hug u. Co; NB. Die Werke an Aibl u. Hug sind versprochen, ehe wir uns überhaupt kannten!
Das sind alle meine Verpflichtungen, die noch ausständig sind, welche aber in Anbetracht meiner Schaffenskraft so belanglos sind, daß wir trotzdem den Vertrag von 1. Jan. 1903 an gültig machen können! NB. Ich betone, daß ich sonst keine Verpflichtungen habe!
Selbstredend ist es, daß ich 1000 x lieber einen solchen Vertrag mit Ihnen mache, als mit anderen Firmen; da ich Sie beide, meine sehr verehrten Herren bisher in bester, mir äußerst sympathischer Weise kennen gelernt habe!
Selbstredend bin ich davon fest überzeugt, daß bei der Coulanz, mit der Sie mir gegenüber treten, ein Vertrag auf Lebenszeit, ganz gut zu machen ist; ich gebe Ihnen dafür meine felsenfeste Versicherung, daß ich Ihnen nur Werke senden werde, welche ich ganz u. gar zu vertreten im Stande bin! Ich glaube, nun wäre alles in Ordnung!

Betreff des Erwerbes des Kahnt’schen Verlages – so glaube ich, daß das ein gutes Unternehmen sein wird in Anbetracht der Liszt’schen Werke! Aber à strengste Discretion, bitte sehr darum! Mit der „Neuen Zeitschrift für Musik“ ist’s so ne Sache – das Blatt ist sehr zurückgegangen u. bedarf es sehr, sehr sehr vieler langer andauernder Mühe, das Blatt wieder in die Höhe zu bringen! Ich verhehle Ihnen das nicht – bitte aber sehr um strengste Diskretion! Heßabend Leipzig am 27. Februar ist mir ebenfalls recht!
Dann: natürlich stelle ich die Arbeiten (d.h. Compositionen) für die Musikzeitungen dann auch ein – das war so wie so meistens „geistige Prostitution“, unter der ich genug gelitten habe! Hie u. da kann ich ja dann in irgend einer Musikzeitung irgend ein kleines Lied oder Klavierstück veröffentlichen, selbstredend nur mit der vorher bei Ihnen eingeholten Erlaubnis!
Für Ihre freundlichen Weihnachtswünsche allerherzlichsten Dank; Ihnen, sehr verehrter Herr Dr Kuhn nochmals gute Reise, recht schönste Weihnachtstage – u. falls Sie Neujahr noch in England sind – von meiner Frau u. mir die allerbesten Neujahrswünsche – da wir doch leider Ihre englische Adresse nicht wissen, nebst der Bitte, meine Frau und mich, Ihrer verehrten Fräulein Braut, bestens empfehlen zu wollen.
Ihnen, sehr verehrter Herr Lauterbach, werde ich ja noch extra zu Weihnachten u. Neujahr schreiben. Nicht wahr, Sie haben mich wegen des jährlichen Abzuges von 400 M von den 4000 M solange, bis die sämmtlichen Kosten (inclusive Honorar an Heß für beide Liederabende) u. Liederabende Hess, Bergen u. Dessoir verstanden – also nur 3600 M pro Jahr = à 300 M jeder Monat! Das ist meine Bedingung! (Und die Zinsen!)
Haben Sie bitte die Güte, mich recht balde zu benachrichtigen, ob Sie so damit einverstanden sind!
Und wegen der Honorare für die einzelnen Werke, so seien Sie versichert, daß ich selbe so stellen werde, daß Sie nie Gelegenheit haben werden, zu sagen: „ich wäre nicht bescheiden!“ (Im [vierfach unterstrichen:] Gegentheil!)
Nun schönste Grüße von meiner Frau u. mir
Ihr herzlichst ergebenster
Max Reger.

Bitte sehr um recht baldige Nachricht auf diesen Brief!
Musik- u. Theaterwelt No 49 Seite 399 2 Kritiken Beethoven-Saal (Dessoir u. Bruno Heinze-Reinholdt).

Object reference

Max Reger to Carl Lauterbach und Max Kuhn, Lauterbach & Kuhn, München, 19th December 1902, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01005253.html, last check: 13th July 2024.

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