München, 1st April 1904

Max Reger to Carl Lauterbach und Max Kuhn, Lauterbach & Kuhn

Object type
Letter
Date
1st April 1904 (source)
Sent location
München
Source location
DE,
Berlin,
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz,
Musikabteilung,
Mus.ep. Max Reger 179

Senders
  • Max Reger

Incipit
Meine sehr geehrten Herren!
Ich bestätige Ihnen voerst den Empfang der 290 M 8 Pf […]

Regesta
hat Honorarzahlung bekommen • Achtzehn Gesänge op. 75 werden von den E. noch im Druck zurückgehalten • verteidigt seine Lieder und verweist auf seine jüngsten Konzerterfolge (u.a. in Wien) • ruft seine geringen Honoraransprüche für die aufwändigen Arbeiten an Hugo Wolfs Werken ins Gedächtnis • ist umso enttäuschter, das die E. ihm die Penthesilea-Partitur in Rechnung stellten • ist sich sicher, mit seinen Werken bald rentabel zu sein (»Ich weiß sehr wohl, daß Sie jetzt an meinen Sachen nichts verdienen«) • vergleicht seine bescheidenen Honorare mit denen von Richard Strauss • ist verletzt, dass die E. vom »tot liegendem Kapitel« sprechen • hofft auf Erfolg von op. 76 [Schlichte Weisen], damit op. 75 gedruckt werden kann • verweist auf seinen Aufsatz aus Neuer Zeitschrift für Musik [Zum 1. April Schriften A5] • hat Brief der E. bekommen
Remarks

gelocht

Referenced works

Publications

Max Reger, Briefe an die Verleger Lauterbach & Kuhn. Teil 1 [1902–05], hrsg. von Susanne Popp, Bonn 1993 (= Veröffentlichungen des Max-Reger-Instituts, Bd. 12), S. 303–305

1.

[gedruckter Briefkopf:]
Max Reger
München
Preysingstrasse 1bI.

München, den 1. April 1904.

Meine sehr geehrten Herren!

Ich bestätige Ihnen vorerst den Empfang der 290 M 8 Pf bestens dankend!
Betreff der Lieder op 75! Sie irren Sich, wenn Sie glauben, daß Aibl meine 2. Klarinettensonate aus demselben Grunde (wie Sie bei op 75) so lange hat liegen lassen! Wie gesagt - es dürfte doch eine nicht mehr zu bestreitende Thatsache sein, daß nur sehr wenige junge Komponisten der Jetztzeit gerade im letzten Jahre in der Öffentlichkeit solche enormen Fortschritte gemacht haben wie gerade ich; es ist das absolut keine Arroganz, wenn ich dies schreibe - sondern eben nur Thatsache. Ferner, die Thatsache, daß sowohl Ansorge-verein in Wien wie R. Wagner-verein in Darmstadt für nächste Saison je einen ausschließlichen Regerabend planen, daß eine Reihe von sehr gescheuten Musikern meine Sache für absolut keine verlorene oder minderwertige halten - kurzum - der geradezu durchschlagende Erfolg meiner Lieder in Wien (von 6 Stück 3 wiederholt; ein 4. nicht, weil ich nicht wollte!) Das sind doch Sachen, die auch ein bißchen mitsprechen! Das Neue Wiener Tagblatt № 89 (Rubrik: Theater, Kunst u. Literatur) dürfte da auch für Sie doch recht angenehm zu lesen sein! - Natürlich bin ich einverstanden - daß Sie op 75 noch etwas liegen lassen! Aber - eines kann ich mir nicht versagen, Ihnen ins Gedächtnis zurückzurufen: als wir bei meiner Anwesenheit in Leipzig letzten Dezember besprachen, was ich für meine Arbeit betr. des Nachlasses von H. Wolf erhalten sollte, waren Sie beide über meinen Vorschlag von 150 M d. h. über die Bescheidenheit dieses Vorschlages - sozusagen sprachlos; Sie, sehr verehrter Herr Dr Kuhn, sagten: „das ist ja halb geschenkt!“ Nun, ich, der arme Komponist, der kein Vermögen hat, der nicht in der Lage ist, sich so viel ersparen zu können, daß ich ein einigermaßen sorgenfreies Alter habe - ich nahm nur 150 M, in der Ansicht, daß Sie mit den Hugo Wolf-Sachen sowieso große Auslagen hatten, die ich Ihnen nicht unnötiger Weise verteuern wollte! Jetzt, kann ich es Ihnen sagen: ich hatte s. Z. die feste Absicht (als ich die Sachen im letzten September u. August (Penthesilea-Partitur etc etc) arbeitete - überhaupt für diese sehr anstrengende Arbeit gar nichts zu verlangen, weil ich Ihnen damit einen Freundschaftsdienst erweisen wollte! Allein, als ich die Partitur der Penthesilea, an der ich so sehr viel arbeitete, doch mit 12 1/2 M bei Ihnen bezahlen mußte - da wurde ich anderer Ansicht! Nämlich ich habe z. B. alle Partituren (mit Heldenleben in je 2 Ex.) (alles von Richard Strauß) von den betreffenden Herren Verlegern gratis erhalten! An der Penthesilea arbeitete ich doch so viel an der Partitur. Nehmen Sie mir diese offene Mittheilung nicht übel! Ich wollte Ihnen damit nur sagen, daß ich Ihnen gegenüber stets mit wärmster Freundschaft gegenüber stehe - daß Sie es mir aber manchmal - gerade z. B. damit, daß ich die von mir bearbeitete Penthesilea Part. bezahlen mußte, - etwas erschweren; ich versichere Sie nochmal: es war s. Z. meine feste Absicht für die Arbeiten im August u. September 03 Hugo Wolf gar nichts zu verlangen, um Ihnen damit einen Freundschaftsdienst zu erweisen!
Ferner: ich weiß sehr wohl, daß jetzt an meinen Sachen noch nichts zu verdienen ist - allein Sie wissen wohl noch besser als ich, daß meine Sache doch durchdringt u. zwar sehr, sehr balde - daß ich in den letzten 2 Jahren in der Anerkennung der Zeitgenossen riesige Fortschritte gemacht habe - daß also das Kapital, das Sie jetzt - ohne wie Sie sagen jetzt die Zinsen zu erhalten - sich ohne Zweifel dereinst ganz ausgezeichnet rentieren wird u. muß; u. diese Zeit muß sehr balde kommen! Ich weiß sehr wohl, daß Sie jetzt an meinen Sachen nichts verdienen - deshalb begnüge ich mich mit Honoraren, von denen Sie selbst gesagt haben, daß Sie sehr wohl wüßten, daß diese Honorare nicht entsprechend der Güte meiner Werke seien!
R. Strauß bekommt für ein Werk 35000 M - Was schaffe ich für 35000 M. Für 35000 M erwerben Sie fast alles was ich im Laufe von 9 Jahren - oder 8 Jahren schaffe - u. wie meinen Sie wohl, daß man in circa spätestens 10 - 15 Jahren über das eine Werk für 35000 M von R. Strauß - u. all das für 35000 M was ich in 8-9 Jahren geschaffen habe u. Sie erworben haben - urtheilen wird - wird so manches, was ich da schrieb, vielleicht nicht höher eingeschätzt werden als das ein Werk von Strauß in Bezug auf wirklichen musikalischen Wert???
Ich klage gewiß nicht! Allein es schmerzt mich sehr tief, wenn Sie von tot liegendem Kapital betr. meiner Sachen an mich schreiben!
Ich hoffe sehr, daß diese meine Zeilen, Ihnen nur den einen Beweis liefern, wie selbstlos aufrichtig ich es mit Ihnen meine u. wie grenzenlos mein Idealismus ist! Also, deshalb keine Verstimmung nicht! Hoffentlich hat op 76 recht balde durchschlagenden Erfolg, daß Sie auch op 75 recht balde in Druck geben können!
Bitte, besorgen Sie Sich umgehendst, schleunigst14 (1904) der Neuen Zeitschrift für Musik u. lesen Sie, was ich da Seite 274 u. 275 geschrieben habe! Wenn Ihnen die Sache gut gefällt u. Sie Sich genügend ausgelacht haben - so bedenken Sie dann, daß ein tiefer Sinn der Sache zu Grunde liegt! Aber bitte umgehendst lassen Sie Sich die № 14 der Neuen Zeitschrift für Musik von Ihrem „Guntram“ holen!
Soeben erhalte ich Ihren frdl. Brief; vor Allem senden wir, mein lieber Herr Lauterbach, unsere herzlichsten Wünsche zur baldigsten, vollsten Genesung Ihrer sehr verehrten Frau Gemahlin! Hoffentlich können Sie uns recht balde recht gute Nachrichten senden! Die Verlagsscheine sende ich Ihnen im nächsten Briefe, wo ich Ihnen dann noch mehr sende, damit sich das doppelte Porto rentiert! Es ist ja bei unseren Beziehungen egal, ob Sie den Verlagsschein ein paar Tage früher oder später erhalten!
Nun wünschen wir Ihnen beiden noch recht schöne Ostern u. sind sehr begierig, was Sie zu meiner Sache in № 14 der Neuen Zeitschrift für Musik Seite 274, 275 sagen.
Mit den schönsten Grüßen Ihr Ihnen sehr aufrichtigst zugethaner
Max Reger.

Bitte, verstehen Sie diesen Brief richtig! Er soll Ihnen nur ein Beweis dafür sein, wie sehr aufrichtig ich es mit Ihnen meine!

Object reference

Max Reger to Carl Lauterbach und Max Kuhn, Lauterbach & Kuhn, München, 1st April 1904, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01008418.html, version 3.1.4, 24th July 2025.

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