Ed. Bote & G. Bock

Correspondence

Classification
Music Publisher
Settlement
Berlin

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1.

1.1.

Die Geschichte des Berliner Verlags begann am 27. Januar 1838 mit der Übernahme der Musikalienhandlung Fröhlich & Comp. durch deren Teilhaber Gustav Bock (1813–1863) und dessen Kompagnon Eduard Bote (ca. 1810–nach 1880). Letzterer schied bereits 1847 wieder aus dem Geschäft aus, das bis zur Übernahme durch Boosey & Hawkes 1996 in Familienbesitz blieb.

Zur Firmenpolitik Gustav Bocks, dem 1847 das Ehrenamt des Hofmusikalienhändlers verliehen wurde, gehörte auch die Pflege des allgemeinen Musiklebens der Stadt, etwa durch die Herausgabe jährlicher Tanzmusikalben sowie der wöchentlich erscheinenden Neuen Berliner Musikzeitung (1846–96). Weitere Standbeine waren Vokalmusik (auch mit Blick auf die Berliner Salons) sowie Kompositionen für Blasorchester, etwa von Giacomo Meyerbeer, dem damaligen Generalmusikdirektor der Königlichen Oper. Durch diese populären Sparten ließen sich unternehmerisch riskantere Bereiche wie etwa Bühnenmusik (mit Werken u.a. von Nicolai, Gounod und Offenbach) finanziell absichern.

Nach Gustav Bocks Tod 1863 übertrug seine Witwe die Verlagsleitung ihrem Schwager Emil Bock (1816–71), der das Sortiment internationaler ausrichtete, vor allem in Richtung Frankreich, aber etwa auch Ungarn und (über Anton Rubinstein) Russland; sein Nachfolger Hugo Bock (1848–1932) schloss 1873 einen Vertrag mit Ricordi über den exklusiven Verkauf und Leihmaterial-Vertrieb etwa der Bühnenwerke Giuseppe Verdis für Deutschland und Österreich. Der Kontakt zu Antonin Dvorak wurde durch Hugo Bock intensiviert, zu Peter Tschaikowsky “entwickelte sich eine fast herzliche Beziehung”.1

Hugo Bock (1. Reihe, 3. v. r.) im Kreise seiner Mitarbeiter 1908. – Abgebildet in , Berlin 1988, S. 30.
Hugo Bock (1. Reihe, 3. v. r.) im Kreise seiner Mitarbeiter 1908. – Abgebildet in 150 Jahre Bote & Bock. Musikverlag und Musikalienhandlung in Berlin 1838–1988, Berlin 1988, S. 30.

1
150 Jahre Bote & Bock. Musikverlag und Musikalienhandlung in Berlin 1838–1988, Berlin 1988, S. 24.

1. Reger-Bezug

Den bis dahin unterrepräsentierten Bereich zeitgenössischer Sinfonik erschloss sich das Unternehmen 1908 durch die Übernahme des Leipziger Verlags Lauterbach & Kuhn, bei dem auch zahlreiche Kompositionen Regers erschienen waren. Mit neuen Werken wie dem Klavierkonzert f-moll op. 114, der Lustspielouvertüre op. 120, dem Konzert im alten Stil op. 123, der Romantischen Suite op. 125 und den Vier Tondichtungen nach Arnold Böcklin op. 128 prägte Reger diese Sparte entscheidend mit. Gustav Bock (1882–1953), neben seinem Vater ein weiterer Ansprechpartner Regers im Verlag, trat im selben Jahr als Prokurist in die Firma ein und wurde zuständig für die juristische Absicherung der Verlagsverträge (sein Vater war Gründungsmitglied der GEMA). Sein jüngerer Bruder Anton (1884–1945) kümmerte sich um Werbung und moderne Unterhaltungsmusik (Revue, Film usw.). Die zeitgenössische ernste Musik wurde jedoch erst mit dem Verlagseintritt zweier Neffen Hugo Bocks, Kurt Radecke (1901–66) und Fritz Schiftan (1906–49), zu einem wichtigen Teil des Katalogs.

Verzeichnis der bei Ed. Bote & G. Bock erschienenen Werke Regers, Juni 1914.
Verzeichnis der bei Ed. Bote & G. Bock erschienenen Werke Regers, Juni 1914.

Das »Dritte Reich« beendete die Zusammenarbeit mit einigen jungen Komponisten (u.a. Egon Wellesz, Wladimir Vogel, Paul Dessau) und entzog der Firma nach und nach die Geschäftsgrundlage. Mit mehreren Schachzügen gelang es jedoch, den drohenden Bankrott abzuwenden: Der erblich kaum »belastete« Kurt Radecke wurde Teilhaber, und der befreundete Verleger Robert Lienau übernahm die Leitung der neu gegründeten Bote & Bock GmbH, unter deren Dach die Geschäfte weitergeführt wurden. Wesentlich zum wenn auch geringeren Umsatz trugen Regers Werke bei, die von seiner Witwe eifrig propagiert wurden.

Nach dem Krieg versuchte Bote & Bock zunächst mit der Neuauflage alter Bestseller wieder Fuß zu fassen – darunter auch Regers Mariä Wiegenlied op. 76 Nr. 52 mit seinen zahlreichen Fassungen. Als wichtigster Komponist (und musikalischer Berater) für den Verlag erwies sich Boris Blacher, der schon vor dem Krieg als Autor verpflichtet worden war und über den zahlreiche Zeitgenossen wie Rudolf Wagner-Régeny, Paul Dessau (erneut), Gottfried von Einem, Aribert Reimann und Isang Yun Aufnahme in den Katalog fanden. In den 1960er-Jahren übernahm mit Hans-Jürgen Radecke (geb. 1932) und Wolfgang Langheld (geb. 1941), einem Großneffen Hugo Bocks, die fünfte Generation Verantwortung für die Geschicke des Verlags. Ab 1980 erweiterte ein breites Kammermusik-Angebot das Repertoire. Nichtsdestotrotz wurde das Berliner Traditionsunternehmen 1996 von Boosey & Hawkes übernommen und am 31. März 2000 aufgrund sinkender Umsätze geschlossen.

Object reference

Ed. Bote & G. Bock, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_inst_00013.html, last check: 22nd April 2024.

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