Wiesbaden

Type
City
Today
Superordinate
Kingdom of Prussia
MRI-Identifier
mri_loc_00062

References to Reger
Performance venue, Place of residence

1.

Von Weiden bzw. Sondershausen kommend, wirkte für den 17-jährigen Reger 1890 der Wechsel in die ein internationales Publikum beherbergende Kurstadt am Rhein wie ein Schritt in eine größere Welt: “[…] glauben Sie, ich könnte in einer Stadt wie Wiesbaden, in einem Kreise verkehren, der die freiesten Ansichten auf sein Schild geschrieben[,] ohne mich unsterblich zu blamieren. Schlägt denn der Puls des Lebens in Weiden überhaupt!” 1 Mit Regers eigener Entwicklung war die Freude jedoch bald getrübt; bereits nach zwei Jahren ist zu lesen: “Ich habe mir so ein allgemeines Gefühl der „Wurschtigkeit“ beigelegt – denn Wiesbaden wird immer kleinstädtischer!” 2

Das Kurhaus und königliches Theater in Wiesbaden, Postkarte (gelaufen 1904), Verlag Stengel und Co., Dresden/Berlin.
Das Kurhaus und königliches Theater in Wiesbaden, Postkarte (gelaufen 1904), Verlag Stengel und Co., Dresden/Berlin.

Hinzu kam, dass Reger, der von seinen Eltern kaum finanzielle Unterstützung erhalten konnte und mit einem nur geringen Lehrauftrag am Konservatorium ausgestattet war, unter chronischer Geldnot litt und wahllos Privatschüler annehmen musste, die zu unterrichten er wohl in den meisten Fällen als lästige Fronarbeit und mitunter sogar als entwürdigend empfand. Durch etliche (Alkohol-)Eskapaden und öffentlich geäußerte Kritik an den örtlichen musikalischen Verhältnissen gesellschaftlich unmöglich geworden, galt Reger in Wiesbaden bald als Sonderling und augenscheinlich gescheiterte Existenz.3

Rheinstraße und  in Wiesbaden, Postkarte (gelaufen 1904), Carl v.d. Boogaart, Wiesbaden.
Rheinstraße und Ringkirche in Wiesbaden, Postkarte (gelaufen 1904), Carl v.d. Boogaart, Wiesbaden.

Die erzwungene Rückkehr nach Weiden 1898 erschien ihm wenig später als segensreich: “Wird Ihnen das ewige Weisheitpredigen alias Stunden geben an meistens total talentlose Leute nicht zuwider? Ich atme förmlich auf, hier davon befreit zu sein u. konnte in Folge dessen schon eine ganze Masse schreiben! Auch bin ich froh aus der Wiesbadener Athmosphäre [sic] der Scheelsucht, des Neides u. der Gehässigkeit, wie sie ja dort so schön wuchert, heraus zu sein u. behüte mich Gott, jemals in dieses musikalische Gomorrha zurückzukehren.” (Brief an Caesar Hochstetter)


1
Brief vom 12. Juni 1891 an Adalbert Lindner, in Der junge Reger, S. 101.
2
Brief vom 24. Oktober 1892 an Adalbert Lindner, in Der junge Reger, S. 126.
3
Vgl. etwa Georg Behrmann, »Erinnerungen an Max Reger 1890–1893«, und Fritz Fischer-Schlotthauer, »Erinnerungen an Jugendtage Max Regers«.
Object reference

Wiesbaden, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_loc_00062.html, version 4.1.0, 7th August 2026.

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