Paul Aron
Correspondence, Performer
1.
1.1.
Paul Albert Aron (zur weiterführenden Literatur siehe Agata Schindler, Artikel: Paul Aron, in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde) wurde am 9. Januar 1886 in Dresden als Sohn eines Kaufmanns geboren. Ersten Klavierunterricht erhielt er von seiner Mutter. Nach dem Abitur am Wettiner Gymnasium studierte er für vier Semester Jura in München. In dieser Zeit begann er ab Herbst 1905 Privatstunden in Klavier und Tonsatz bei Max Reger zu nehmen. Aron folgte Reger 1907 nach Leipzig und wurde am Leipziger Konservatorium außerdem Schüler von Robert Teichmüller.
1912 zog Aron nach Berlin und wirkte dort als Pianist (Solist und Begleiter). Nach dem Ersten Weltkrieg, den er im Sanitätsdienst und als Funker verbrachte,1 ließ er sich in Dresden nieder und arbeitete als Klavierlehrer zunächst am dortigen Konservatorium und dann ab dem Wintersemester 1930/31 an der Orchesterschule der Sächsischen Staatskapelle. Paul Aron spielte im Dresdener Kulturleben bei der Beförderung Neuer Musik eine bedeutende Rolle. 1920 gründete er die Konzertreihe “Klavierstück und Lied der Zeit” und im Jahr darauf den Zyklus “Neue Musik Paul A.”. Zwischen 1920 und 1931 wurden mehr als 50 Konzerte mit über 200 zeitgenössischen Werken teils als Uraufführungen veranstaltet. Zu den aufgeführten Komponisten, mit denen Aron zumeist auch in persönlichem Kontakt stand, gehörten Béla Bartók, Alban Berg, Arnold Schönberg, Alban Berg Ernst Křenek, Josef Suk, Karol Rathaus und Alois Hába. Aron trat selbst als Pianist auf und engagierte mit Szymon Goldberg, Stefan Frenkel und Licco Amar bevorzugt Konzertmeister namhafter deutscher Orchester als Partner, die zugleich, wie auch der Cellist Maurits Frank, als Kammermusiker zum Umfeld Paul Hindemiths gehörten und auf Neue Musik spezialisiert waren. Neben den prominenten Sängerinnen Grete Nikisch und Marta Fuchs gastierte auch das “Wiener Streichquartett” (später “Kolisch-Quartett”) in Arons Veranstaltungen. 1927 gründete Paul Aron gemeinsam mit dem Geiger Francis Koene und dem Cellisten Karl Hesse das Neue Dresdner Trio, mit dem er in Deutschland und den Niederlanden, Koenes Heimat, auftrat.
Bereits 1930 kam es gegen Aron und seine Veranstaltungsreihe, in der jüdische Künstler stark vertreten waren, zu Anfeindungen durch die nationalsozialistische Lokalpresse. 1931 entfielen die Subventionen durch die Stadt Dresden. Seiner Anstellung enthoben und mit Aufführungsverbot belegt, floh Aron 1933 zunächst in die Tschechoslowakei. Der Versuch, in Teplitz-Schönau (heute Teplice) eine Kapellmeisterstelle zu bekommen, zerschlug sich ebenso wie die Hoffnung, in Prag Aufführungsmöglichkeiten zu erhalten. In Königinhof (heute Dvůr Králové) leitete er das Belegschaftsorchester einer Textilfabrik, außerdem trat er – unter großen Gefahren auch noch in Deutschland – bei jüdischen Kulturveranstaltungen auf. Kurz vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Tschechoslowakei im März 1939 konnte Aron zunächst nach Kuba und dann 1941 weiter in die USA emigrieren. Hier war er vor allem als Klavierlehrer, Übersetzer und Bearbeiter tätig. 1954 gründete er mit dem Regisseur Morton Siegel das avantgardistische Opernensemble The Opera Players und führte zeitgenössisches Musiktheater u. a. von Darius Milhaud, Kurt Weill und Ernst Toch auf. Aber schon am 6. Februar 1955 erlag Paul Aron in New York einem Herzinfarkt.
1. Reger-Bezug
Paul Aron wurde im Herbst 1905 Regers Privatschüler. Das erste Zeugnis stellte Reger bereits am 23. Dezember nach nur zweimonatiger Unterrichtstätigkeit in den Fächern Note: Klavierspiel, Generalbaßlehre, Modulationslehre aus und bescheinigte dem Schüler “sehr großen Fleiß [und] derartige Fortschritte, […,] daß ihm der Unterzeichnende sehr dazu rathen kann, die Laufbahn eines Musikers zu ergreifen”1 In einem weiteren Zeugnis vom 4. April 1909 prophezeit Reger hellsichtig: “Herr Aron wird zweifellos einer unserer besten Pianisten werden; das »Zeug dazu« besitzt er in vollem Maße. Besonders ist er als Kammermusikspieler nur aufs Allerwärmste zu empfehlen. Kurzum: Ich war mit seinen pianistischen Leistungen so zufrieden, daß ich mit ihm verschiedentlich (Magdeburg, Leipzig, Hamburg, München, Altenburg, Plauen Dresden) die Schwierigsten meiner Werke für 2 Klaviere in Concerten vortrug […]”2 Erstmals waren Reger und Aron am 19. Februar 1907 in Karlsruhe als Klavierduo aufgetreten. Dort, wie auch in der bis Oktober 1913 reichenden gemeinsamen Konzerttätigkeit mit insgesamt 18 Konzerten, standen vor allem die Beethoven-Variationen op. 86 auf dem Programm. 12 dieser Konzerten entfielen allein auf die Jahre 1907 und 1908. Im Repertoire hatten Reger und Aron noch Introduktion, Passacaglia und Fuge h-Moll op. 96 (erstmals in Leipzig am 24. Januar) und eine Auswahl aus den Sechs Stücken für Klavier zu vier Händen op. 94 (München, 7. März 1907) hinzu. Am 28. Oktober 1909 spielten Reger und Aron zudem in Dresden die Sonate f-Moll für zwei Klaviere op. 34b von Johannes Brahms. Paul Aron war Regers einziger Schüler, mit dem er als Duettpartner auftrat, aber auch privat kam ihm eine Sonderstellung zu. Das Ehepaar Reger schickte ihm mit “vielen Empfehlung[en] an Ihre verehrte Frau Mutter” Urlaubsgrüße aus Kolberg (Ansichtskarte vom 13. September 1907)3 und lud ihn zu sich nach Hause zum Abendessen ein (Ansichtskarte vom 21. Dezember 1907) 4Vielfach wurde Aron für kleine Gefälligkeiten eingespannt, z. B. Botendienste, Besorgungen und Notenkorrekturarbeiten, dafür aber offenbar auch entlohnt bzw. mit Aufmerksamkeiten bedacht, beispielsweise mit Konzertkarten. Sich selbst bezeichnete Aron als “Sekretär, Kindermädchen etc. der verehrten Familie Reger”.5 Wie vertrauensvoll das private Verhältnis war, zeigt sich insbesondere daran, dass Aron während eines Klinik- und anschließendem Kuraufenthalts von Elsa Reger zwischen Februar und Juli 1908 Regers Haushalt besorgte und sich, unterstützt von der eigens aus Wien angereisten Sängerin Martha Ruben, um die Adoptivtochter Christa kümmert. Reger förderte Aron nicht nur durch postive Zeugnisse und Empfehlungsschreiben, sondern riet ihm 1912 aus Karrrieregründen zu dem Umzug nach Berlin und vermittelte den Kontakt zu seiner dortigen Konzertagentin Louise Wolff.Auch nach Regers Tod hielt Aron den Kontakt zur Familie. In regelmäßigen Feldpostbriefen an Elsa Reger bezeichnete der diese als “Vizemutter” an und unterzeichnete mit “dankbar getreuer Vizesohn”6. Während seiner Tätigkeit als Veranstalter seiner Dresdner Konzertreihen setzte er gelegentlich Lieder, Klavierstücke und Kammermusik von Reger auf das Programm.7
Object reference
Paul Aron, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_pers_00297.html, version 4.0, 18th December 2025.
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