Gottfried Kleinschmidt
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Gottfried Kleinschmidt wurde 17. August 1860 in Bochum geboren. Nach der Mittleren Reife erhielt er eine kaufmännische Ausbildung im Kohlebergbaubetrieb von Eduard Müllensiefer in Dortmund Marten. 1883 gründete er einen Kohlengroßhandel in Dortmund. 1889 siedelte er nach Frankfurt a. M. über, wo er Miteigner der “Vereinigten Frankfurter Reedereien” wurde, die sich auf den Transport von Steinkohle und Koks aus dem Ruhrgebiet in das Rhein-Main-Gebiet spezialisiert hatte. 1893 heiratete er Elly Müllensiefer, die Tochter seines ehemaligen Lehrherren. Aus der Verbindung gingen vier Kinder hervor: Gottfried (1893-1960), Franz (1895-1962), Margarethe (1899-1986) und Elly Sophie Bertra (1902-1945). Die Familie bewohnte in Eschenheim ein parkähnliches Anwesen mit Villa und ab 1912 auch einem Landhaus. Gemeinsam mit seinem ältesten Sohn Gottfried (genannt Friedel) baute er im Zuge der voranschreitenden Industrialisierung Frankfurts, zu der auch die Modernisierung der Wasserwege und Umschlagshäfen für Kohle und Petroleum gehörte, die Reederei zu einem Marktführer im süddeutschen Raum aus. 1935 wurde sie von der Reederei Haniel übernommen. Daneben war Kleinschmidt Teilhaber verschiedener Unternehmen im Bereich der Landwirtschaft und der Baustoffgewinnung. Zudem war er als Gutachter für die Frankfurter Handelskammer tätig. Er starb am 19. Dezember 1931 in Frankfurt a. M.
Gottfried Kleinschmidt war Mitglied der Nationalliberalen Partei und von 1911 bis 1919 Stadtverordneter in Frankfurt. Er gehörte dem Vorstand der städtischen Stiftung des “Allgemeinen Almosenkasten” an, arbeitete in mehreren Sozialausschüssen und wurde mit dem Ehrentitel eines Kommerzienrats ausgezeichnet. Gemeinsam gründeten seine Frau und er 1911 die “Gottfried-und-Elly-Kleinschmidt-Stiftung”, die Bedürftige in Eschersheim und Ginnheim unterstützte. Während des I. Weltkriegs unterhielten die Kleinschmidts in ihrem Privathaus 17 Pflegeplätze für Kriegsverwundete. Gottfried Kleinschmidt setzte sich insbesondere für seinen Wohnort Eschersheim ein und war im dortigen Vereinswesen aktiv, so auch im Gesangsverein Sängerlust. Außerdem trat er als großzügiger Stifter auf. Er unterstützte 1909 den Bau eines Kriegerdenkmals, 1910 die Errichtung eines Brunnens sowie den Erwerb der großen Glocke für die neu errichtete katholische Kirche St. Joseph.
1. Reger-Bezug
Reger lernte Gottfried Kleinschmidt über seine Frau Elsa kennen, die mit Kleinschmidts Frau Elly gemeinsam das Internat im Stift Keppel besucht hatte, woraus sich eine langjährige Freundschaft entwickelte. Reger war sowohl zusammen mit seiner Frau als auch allein mehrfach Gast der Familie Kleinschmidt, wenn ihn Konzerte nach Frankfurt a. M. führten. Die beiden Männer scheinen sich auf Anhieb sehr sympathisch gewesen zu sein. Hierfür spricht sowohl der launige Umgangston, der bereits im ersten Gästebucheintrag Regers (siehe hierzu Artikel zu Elly Kleinschmidt) anzutreffen ist, als auch die zwanglose Art des Dankesbriefs Regers nach einem Besuch im Jahr 1906 (siehe Brief an die Eheleute Kleinschmidt vom 6. Januar 1906). Offenbar hatte man behagliche Stunden verbracht und neben gutem Essen auch gemeinsam Grammophon-Platten angehört. Erwähnt ist der Oberst-Stapp-Marsch für Militärkapelle von Georg Pöll. Bereits im ersten Gästebucheintrag von 1904 hatte Reger militärische Ränge verballhornt, sodass davon auszugehen ist, dass die Männer sich humorig über ihre Militärzeit ausgetauscht haben, die für Reger nicht mit guten Erinnerungen verbunden war.
Object reference
Gottfried Kleinschmidt, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_pers_00449.html, version 4.0, 18th December 2025.
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