Weiden, 30th December 1891

Max Reger to August Grau

Object type
Letter
Date
30th December 1891 (source)
Sent location
Weiden
Source location
DE,
Meiningen,
Meininger Museen,
Sammlung Musikgeschichte/Max-Reger-Archiv,
Br 018/4

Senders
  • Max Reger
Recipients

Incipit
Sehr geehrter Herr Onkel!
Da Sie doch der Herr Vetter meiner Mama sind, so sind Sie […]

Regesta
sendet Neujahrsgrüße • versucht zwischen dem E. und seiner Mutter bei einem Streit zu vermitteln • berichtet, in Wiesbaden bereits »zum wohlbestallten Lehrer« am Konservatorium ernannt worden zu sein • findet lobende Worte für [Eugen] d’Albert (»ein wirklicher Musiker unter den Virtuosen«) • äußert hingegen Missfallen gegen den Wiener Virtuosen [Moritz] Rosenthal: »Lauter Oktaven u. wieder Oktavengeprassel Liszt & Liszt u. wieder Rhapsodie von Liszt« • spricht diesbezüglich von »Virtuosencharlanterie« • beklagt das Ende der Karriere von Bülow, Rubinstein etc. • fügt an: »Menter, Kleeberg etc. Carenno [Teresa Carreño] sind eben doch nur Frauen am Klavier, wenn auch die Carenno an Technik geradezu verblüffend ist« • erzählt. dass es seinem Lehrer Riemann gelungen sei, sein op. 1 (Violinsonate) bei Schott für 300 Mark unterzubringen • gesteht, dass Aufführungen des op. 1 schwer zu realisieren seien: »Brahms beherrscht jetzt die Konzerte – mit Recht, denn wir haben keinen, der ihm nur entfernt das Wasser halten könnte«
Remarks

die Violinsonate op. 1 erschien im Februar 1893 bei Augener

Referenced works
  • Sonate d-moll op. 1

Publications

Der junge Reger. Briefe und Dokumente vor 1900, hrsg. von Susanne Popp, Wiesbaden 2000 (= Schriftenreihe des Max-Reger-Instituts, Bd. XV), S. 113f.

1.

Weiden, den 30. Dezember 1891.

Sehr geehrter Herr Onkel!
Da Sie doch der Herr Vetter meiner Mama sind, so sind Sie doch so eine Art Herr Onkel von mir!
Zum neuen Jahre senden meine Eltern, Emma u. ich die besten Wünsche. Mama hätte schon selbst geschrieben; aber sie weiß, daß ihr Herr Vetter nicht gut auf sie zu sprechen ist – u. so schickt sie mich ins Treffen. Würden Sie die wirkliche Sachlage kennen, so würden Sie Mama gewiß nicht böse sein. Sie hatte so herzlich gewünscht Sie in Wien zu treffen – doch wurde es ihr unmöglich gemacht. Wir hoffen, Sie im nächsten Jahre gewiß bei uns zu sehen, um mit Ihnen über alles zu sprechen.
Ich bin nun in den Weihnachtsferien auf einige Tage von Wiesbaden nach Hause gefahren; bin bereits – lachen Sie nur nicht – zum wohlbestallten Lehrer am dortigen Konservatorium emporgestiegen – ich weiß aber nicht, ob ich schon das ernste würdevolle Gesicht zum „Professeur de musique aufsetzen kann.
In Wien werden Sie wohl ein sehr reges Konzertleben haben. Die heu-tigen Virtuosen gehen ja alle auch mal hin.
Haben Sie E. d’Albert gehört – das ist mal ein wirklicher Musiker unter den Virtuosen – dagegen hat mir Ihr wiener Virtuose Rosenthal oder Rosenkranz ganz u. gar nicht gefallen. Lauter Oktaven u. wieder Oktavengeprassel Liszt & Liszt u. wieder Rhapsodie von Liszt. Diese Virtuosencharlanterie [scharlatanerie/galanterie] niªt jetzt mal wieder schreckliche Dimensionen an. Bülow spielt nicht mehr, da er zu alt, Gedächtnis schwach wird; Rubinstein auch nicht mehr; Grünfeld ist auch nicht der Mann der Zukunft u. Menter, Kleeberg etc. Carenno sind eben doch nur Frauen am Klavier, wenn auch die Carenno an Technik geradezu verblüffend ist. Ich habe mich auch etwas in Komposition versucht u. ist es meinem Lehrer Dr. Riema› gelungen, den Chef der Firma Schott & Söhne für mich zu interessieren, so daß mein op 1 mir doch 300 M Honorar eintrug. Nun ich hof-fe, daß es mit der Zeit schon besser werden wird; freilich koªt Komposition über Komposition heraus, u. hat man mit Kammermusikwerken (Sonate für Klavier & Violine war mein 1. opus) wirklich Mühe, selbe überhaupt zur Auffüh-rung zu bringen. Brahms beherrscht jetzt die Konzerte – mit Recht, de› wir ha-ben keinen, der ihm nur entfernt das Wasser halten kö›te – u. dennoch findet er noch so viel Widerspruch! Nun habe ich mich aber mal gründlich verplaudert; so sind mal die Musi-kanten, kö›en nicht aufhören we› sie mal über Musik reden. Nehmen Sie nochmals die besten Wünsche u. Grüße entgegen von Ihrem ergebensten Max Reger. Es würde mir recht herzliche Freude machen von Ihnen ein Briefchen zu erhalten. Meine Adresse in Wiesbaden ist Wiesbaden Karlstraße 44 p.

Object reference

Max Reger to August Grau, Weiden, 30th December 1891, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01001021.html, version 4.0, 18th December 2025.

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