[undated]
unknown to unknown
1.
[…]
Nun wegen Cavalleria rusticana! Es ist hier 3mal gegeben worden, natürlich unter großem Beifall; aber glauben Sie mir, lang wird sich das Werk nicht halten u. mit der 2. Oper wird’s nichts werden. Werden mal sehen, ob ich recht habe.
Es ist eine tragische Operette. Sehr viel Tragisches drin u. noch viel mehr Geschraubtes!
Ich denke, daß sich das feinere Publikum nicht solange düpieren läßt.
Ich bitte Sie, in unserer wagnergeschwängerten, Chromatik, Enharmonik in sauerstoffhaltiger Menge enthaltenden Musikluft, kann es nicht wundernehmen, nun plötzlich ein Werk, das melodiös ist u. mag auch die Melodiösität zweifelhaften Charakters sein, das Werk geht durch, um aber bald zu verschwinden. Glauben Sie mir, der Erfolg ist zu früh gekommen – zu früh als daß er länger anhaltend sein könnte. Denken Sie nicht, daß ich vielleicht gar aus Mißgunst oder gar Neid so dächte. Von mir aus können Opern so viel als möglich geschrieben werden.
Aber was sollen wir in der Oper nach Wagner bringen? Sollen wir noch mehr Wagnern? Oder sollen wir auf die Prinzipien Webers etc zurück? Wann kommt einmal der Alexander, der diesen gordischen Knoten löst, aber kühn löst!
Vereinigung Wagner’s & Gluck’s das kann nur das Ideal der neuen Oper sein. Allein wer bringt’s so leicht fertig das nur um der Dramatik willen Dupierende (Wagner) mit dem Reinmusikalischen – aber doch höchst dramatischen (Gluck) zu verbinden.
Ich glaube, daß wir jetzt ein anderes Zeitalter in der Musik anzutreten haben. Die Anzeichen der Morgenröte mehren sich. Denn das Liszt-Berlioz’sche Programm mit all den Neuerern Rich. Strauß, Nicodé etc. ist ein im Grunde verfehltes, ein dem innersten Wesen der Musik gerade entgegengesetztes. Die Musik soll nicht wie bei der Programmmusik erst der Vermittlung eines dritten (Titel etc [Einschub: »genaue Analyse«]) bedürfen, um wenigstens allgemein verständlich [zu] sein. Die Musik soll an u. für sich als Ausfluß reinster Empfindung ohne allen reflektierenden Beigeschmack wirken.
Nun genug von dieser ästhetischen Betrachtung, ich sage so etwas selten heraus; höchstens spreche ich mit Riemann viel & viel darüber; wenn Gesellschaft ist, wie neulich Sonntag, die andern Herren haben mit der Unterhaltung der Damen zu thun, dann ziehen wir uns in seine Studierstube zurück, rauchen da u. plaudern ganz zwanglos über allerhand.
Sie sagen ja über meine Sonate, daß sie auf ganz neuen originellen Wegen [wandle]. Es freut mich, daß ich wenigstens einen neuen Anhänger der Sonate an Ihnen habe. Aber wie sie klingt, haben Sie keine Ahnung. Da muß man 1. Cords dazu haben u. 2. eine Guarneri mit riesigem Ton.
Das Adagio ist im beethovenschen Stile gehalten.
Langgezogene Melodie, zuerst vom Klavier, dann Violine, dann 2. Thema, dann Rückgang, 1. Melodie in d. Violine (ganz mit der G-Saite, äußerst sonor klingend mit Akkordgriffen als Begleitung im Klavier, die so im Rhythmus liegen
Violine.
(Baß) g f es d
plötzl. auf dem 7. Takt vor Schlußakkord Auftürmen fremder Arpeggien ff, allmählich sich zu Trillern zusammenziehend, Anfang des Thema mit Trillern drüber im Klavier nun die Violine in Des-dur, dann Rückgang über f7 und B+. 1. Melodie im Klavier (in 32steln figuriert) also nur Stimmung da, Violine wirft so kleine synkopische Seufzer hinein u. dan Schluß mit vielen Anfängen.
Finale 2/4 Takt – D moll.
Große Coda 1. Thema des 1. Satzes in der Violine (4 Oktaven) Kontrapunkt mit Trillern in jeder Hand im Klavier. Folgende Sache die bei liegt ist direkt 3 Takte vor Schluß.
Ich gebe hier den Schluß.
Schluß:
Violine 
M. Reger.
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unknown to unknown, [undated], in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01002864.html, version 4.0, 18th December 2025.
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