München, 22nd December 1902
Max Reger to Carl Lauterbach und Max Kuhn, Lauterbach & Kuhn
Berlin,
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz,
Musikabteilung,
Mus.ep. Max Reger 129 (1. Hälfte) und 216 (2. Hälfte)
- Max Reger
Meine sehr verehrten Herren!
Soeben erhalte ich Ihr Paquet mit den Exemplaren […]
Max Reger, Briefe an die Verleger Lauterbach & Kuhn. Teil 1 [1902–05], hrsg. von Susanne Popp, Bonn 1993 (= Veröffentlichungen des Max-Reger-Instituts, Bd. 12), S. 63–66
1.
München, Wörthstraße 20 I
22. XII. 02.
Meine sehr verehrten Herrn!
Soeben erhalte ich Ihr Paquet mit den Exemplaren von op 68, u. beeile ich mich, Ihnen verbindlichsten Dank zu sagen für freundliche Sendung derselben! Aber vor Allem: viel allerschönsten, herzlichsten Dank für so hervorragend schöne Ausstattung meines op 68, wofür ich Ihnen so verbunden bin, u. womit Sie mich so sehr erfreut haben!
Nachdem nun Herrn Dr Kuhn nach England abgereist ist, gestatte ich mir, mich an Sie, sehr verehrter Herr Lauterbach allein zu wenden u. sende Ihnen vor Allem meiner Frau u. meine herzlichsten besten Wünsche zu Ihrem Weihnachtsfeste; möchte das Fest für Sie ein recht fröhliches, harmonisches werden! Dies unser aufrichtigster Wunsch!
Nächsten Sonntag singt Herr Loritz hier 5 Lieder von mir; darunter „Morgen“ aus op 66. Ich sende Ihnen sofort nach Erscheinen alle Kritiken zu; am Montag singt Frau Walter–Choinanus ebenfalls 2 Lieder von mir; auch darüber erhalten Sie sofort alle Kritiken!
Nicht wahr, Sie sind damit einverstanden, mir betr. des Vorkaufrechts von den 4000 M pro anno – nur 3600 M zu senden, u. die restierenden 400 M pro anno so lange mir nicht zu senden pro Jahr bis die sämmtlichen Kosten der 2 Liederabende Hess, dann Bergen u. Dessoir vollständig abgetragen sind. In 3 Jahren ( 3 x 400 = 1200) werden wir wohl so ziemlich fertig damit sein! Ich bitte Sie dringendst, diese meine Bedingung freundlichst acceptieren zu wollen!
Und nehmen Sie nochmals die Versicherung, daß ich mit niemand lieber als mit Ihnen einen solchen Vertrag (N. B. wenn Sie wünschen auf Lebenszeit!) eingehe! Sodann brauche ich wohl nicht Ihnen noch extra zu versichern, daß ich Ihnen stets u. stets nur solche Werke senden werde, welche ich gegen jede – auch die schärfste Kritik – wohl zu vertreten im Stande bin! Seien Sie da in dieser Beziehung ganz unbesorgt!
Nun nochmals allerschönste Wünsche zu einem recht schönen Weihnachtsfest,
schönsten Dank u. herzlichste Grüße
Ihres freundschaftlichst ergebensten
Max Reger.
Meine Frau läßt sich Ihnen bestens empfehlen!
Bitte umwenden!
Eben traf Ihr freundlicher Brief ein, u. danke ich Ihnen verbindlichst für denselben. Ich brauche Ihnen wohl nicht extra noch die Versicherung zu geben, daß ich mit dem vollsten, rückhaltlosestem, ehrlichstem Vertrauen den Vertrag mit Ihnen eingehe! Der Vertrag beginnt mit dem 1. Januar 1903! Meine früheren Verpflichtungen sind alle abgearbeitet: nur Orgelwerk für Jos. Aibl Verlag u. die Orgelsache in Gemeinschaft mit K. Straube für Hug ist noch ausständig! Doch, Sie wissen ja: bei meiner Arbeitskraft, wo es sich in diesen beiden Fällen (Aibl u. Hug) eigentlich nicht um Originalcompositionen handelt), sind das 2 Arbeiten, die ich so nebenbei abmache!
Meine gesamte Arbeitskraft gehört von nun an nur Ihnen!
[von hier nur Abschrift:]
Darf ich mir nun noch die Anfrage erlauben, ob die monatliche Sendung von 300 M prä– oder postnummerando gemeint ist? Bitte, sehr, darüber um freundliche Nachricht!
Sehr erfreut bin ich, daß Sie betreff meines Vorschlages wegen der 400 M einverstanden sind! Selbe solange zurückbehalten à Jahr, bis sämtliche Kosten der Liederabende gedeckt sind!
Ihrer so unendlich liebenswürdigen Einladung während unseres Aufenthaltes in Leipzig Ihre Gäste zu sein, leisten meine Frau und ich gerne Folge – da es ja unmöglich ist, solche in solch liebenswürdiger Form gebotene Einladung abzulehnen, doch bitten meine Frau und ich sehr, ja gar keine Umstände unseretwegen zu machen! Wenn Sie auch nicht in Leipzig selbst wohnen, werden Sie jedenfalls brillante Verbindung nach Leipzig haben!
Gewiß haben Sie mit Ihrer Hoffnung, daß durch unseren Vertrag unsre gegenseitigen Beziehungen noch fester geworden sind, so sehr recht – ich muss Ihnen gestehen, daß ich erhöhte Schaffenskraft in mir verspüre, hervorgerufen durch das mich sehr beglückende Gefühl, in Ihnen solch ideal gesinnte Herren gefunden zu haben! Nun, aller menschlichen Voraussicht nach, werden Sie den Vertrag und die engen Geschäftsbeziehungen mit mir auch in pekuniärer Beziehung nie zu bereuen haben. – Ich bin sehr jung (29 Jahre) und kerngesund, sodaß wir wohl alle den „klingenden“ Erfolg meiner Kunst sicher noch erleben werden!
Nun nochmals allerschönsten Dank für Ihren liebenswürdigen Brief, die Bitte, meine Frau und mich den hochverehrten Ihrigen bestens empfehlen zu wollen, und nochmals die herzlichsten, besten Wünsche für ein recht schönes, fröhliches Weihnachtsfest für Sie anfügend (Und die Ihrigen)
Ihr allzeit herzlichst und aufrichtigst ergebenster
Max Reger
Wenn Sie mir den Vertrag erst nach Neujahr senden – das macht nichts – ich halte ihn schon von jetzt ab!
Herr Dr Kuhn ist entschieden der berufene Redakteur! Und noch eine Bitte: bitte mir die genaue Adresse des Herrn Arthur Smolian (Leipzig – ?) freundlichst mittheilen zu wollen, bis vielleicht 27. Dezember; der Herr ist Kritiker an irgend einer Zeitung, und ich kenne ihn von früher her! Seien Sie nicht böse, wenn ich Sie so sehr plage; viel schönsten Dank im Voraus.
Nochmals beste Grüsse und Wünsche Ihres ergebensten
Max Reger
Object reference
Max Reger to Carl Lauterbach und Max Kuhn, Lauterbach & Kuhn, München, 22nd December 1902, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01005256.html, version 4.0, 12th May 2026.
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