München, 11th October 1903
Max Reger to Carl Lauterbach und Max Kuhn, Lauterbach & Kuhn
Berlin,
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz,
Musikabteilung,
Mus.ep. Max Reger 168
- Max Reger
Meine sehr geehrten Herren!
Anbei sende ich Ihnen die Korrekturen d.h. den neuen Abzug […]
Max Reger, Briefe an die Verleger Lauterbach & Kuhn. Teil 1 [1902–05], hrsg. von Susanne Popp, Bonn 1993 (= Veröffentlichungen des Max-Reger-Instituts, Bd. 12), S. 220–222
1.
[Gedruckter Briefkopf:]
Max Reger
München
Preysingstrasse 1bI. München, den 11. Oktober 1903.
Meine sehr geehrten Herren!
Anbei sende ich Ihnen die Korrekturen d.h. den neuen Abzug der Trioschule [Bach-B8] zurück! Es fehlt nur sehr, sehr wenig, also neuer Abzug nicht nötig! Ich bestätige Ihnen den Empfang des op 71!
Nun zur Bearb. „vom Himmel hoch“ [WoO V/4 Nr. 1]! Von Ihrem Brief an Prof. Spitta hab’ ich Kenntnis durch Prof. Spitta selbst! Und nun kann ich Ihnen eine kleine Gardinenpredigt nicht ersparen! Wollten Sie doch meine Briefe genauer lesen! S.Z. als ich Ihnen die Bearbeitung sandte, hab’ ich Sie dringendst ersucht, sich umgehendst mit dem Verleger der Monatsschrift in Verbindung zu setzen u. Sie hatten die Bearbeitung am 28. Sept. in Händen! Ich schrieb Ihnen auch, daß Sie nicht an Prof. Spitta zu schreiben brauchen, sondern direkt an den Verleger der Monatsschrift Vandenhoeck u. Ruprecht, da, wie ich Ihnen ebenfalls schrieb, Herrn Spitta alles recht wäre, was Sie mit Vandenhoeck u. Ruprecht ausmachten; die Sache selbst war zwischen Spitta u. mir schon vor 1/2 Jahre vereinbart u. haben Sie dortmals schon brieflich Ihre Zustimmung gegeben! Leider, leider, leider setzten Sie Sich trotz meines so dringenden u. sogar mehrmaligem Ersuchen nicht gleich am 28. Sept. mit Vandenhoeck u. Ruprecht in Verbindung, sondern schrieben erst nach dem 5. Oktober an Spitta, (mit welchem Herrn schon alles in Ordnung war) u. nicht an Vandenhoeck u. Ruprecht! Nun, ist die Sache so, hätten Sie sofort am 28. Sept, wo ich die Sache so dringend machte u. Sie nochmals per Karte extra ersuchte, an Vandenhoeck u. Ruprecht geschrieben, so hätten die Verhandlungen zu einem günstigen Resultate führen müssen, da ich dann ebenfalls noch an Vandenhoeck geschrieben hätte; Sie ließen mich aber immer im Unklaren u. heute am 11. Oktober erst erfahre ich von Ihnen, daß Sie an Spitta geschrieben haben! Ich hätte es sicher vermitteln können, hätten Sie s.Z. sofort an Vandenhoeck u. Ruprecht Sich gewandt, daß Ihnen der Stich so billig als nur möglich gekommen wäre, ja ich hätte das gethan, Vandenhoeck für die Monatsschrift einige Notenbeilagen gratis zu liefern, um Ihnen da helfend zur Seite zu stehen!
Nun ist’s höchstwahrscheinlich überhaupt zu spät! Außerdem muß ich Ihnen noch das mittheilen, daß es Prinzip der Redaktion der Monatsschrift ist, nur solche Beilagen, die noch nirgends veröffentlicht sind, zu bringen; mir gegenüber resp. mir zu liebe hätte Spitta die Ausnahme gemacht, ein Werk als Beilage zu bringen, das in anderm Verlage erschienen ist!
Hier haben Sie den Beweis, daß Sie gut thäten meine Briefe genau zu lesen u. nach dem zu handeln, was ich Ihnen vorzuschlagen erlaube u. kann ich Ihnen nicht verhehlen, daß es mich sehr, sehr schmerzlich berührte, daß mein so dringendstes Ersuchen, Sie möchten Sich sofort am 28. Sept. mit Vandenhoeck (nicht mit Spitta nach dem 5. Okt.) in Verbindung setzen, nicht beachtet haben – u. es war doch nur zu Ihrem Vortheil! Die Veröffentlichung in der Prinzip der Redaktion der Monatsschrift wäre von größtem Nutzen gewesen, u. da es nun kaum mehr möglich sein wird, so haben Sie Sich selbst um die Gelegenheit gebracht, mit der Bearbeitung schon dieses Jahr ein nettes Stück Geld zu verdienen!
Um aber wenigstens noch was Gut zu machen an der „verfahrenen Kiste“, sende ich heute an Prof. Spitta einen Abzug von „vom Himmel hoch“ [WoO V/4 Nr. 1] u. bitte ihn darüber in Monatsschrift in der November No einige empfehlende Worte zu schreiben; wenn es noch möglich ist insofern heute am 11. Okt. die November No nicht schon fertig ist! Ich bedauere es sehr, daß es mit „Vom Himmel hoch“ so gegangen ist u. bin ich schuldlos! Meine Herren, glauben Sie doch endlich mal das nicht mehr, daß, wenn ich mir gestatte, Ihnen irgend zu rathen, daß dies aus Schulmeisterei, Nervosität etc von mir geschieht, sondern nur nach reiflichster Überlegung u. wenn ich die Überzeugung habe, daß mein Rath Ihnen nur nützen kann, dann gestatte ich Ihnen einen Rath zu geben, Sie um irgend was zu ersuchen!
Am 16. Oktober singt Frau Dr Gimkiewics (Alt) hier 12 Lieder aus op 66, 68 u. 70 (Reger); am 17. Okt. eine Dame [Ada Lingenfelder] 4 Reger (hierunter Sehnsucht, op 66 No 1) am 27. Oktober Frau Rikoff 7 Lieder aus op 66 u. 70! (darunter Gegen Abend, Die Verschmähte)1 In all’ diesen Konzerten begleite ich; am 5. Nov. ist meine Sonate op 72 durch Langenhirzel2 u. [Richard] Rettich hier. Im November soll eine Art Reger-abend in Zürich sein; am 9. u. 10. Jan. 2 Abende hinter einander in der Rheinpfalz mit hauptsächlich Reger!
Meine Herren, daß mit Kammermusik so zu sagen kein Vermögen erworben wird, das ist mir klar – aber bedenken Sie, Sie haben das alleinige Verlagsrecht bis 30 Jahre nach meinem Tode u. ich bin 30 Jahre alt u. kerngesund, also können Sie das Verlagsrecht noch 60–70 Jahre haben!
Nun schönste Grüße Ihres ergebensten
Max Reger.
[mit Bleistift:]
Der Vermerk:
Aufführungsrecht vorbehalten
muß auf alle meine Werke!
Ich bekomme sonst tolle Unannehmlichkeiten mit der Genossenschaft Deutscher Tonsetzer! Wie oft habe ich Sie schon gebeten darum???
Object reference
Max Reger to Carl Lauterbach und Max Kuhn, Lauterbach & Kuhn, München, 11th October 1903, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01005368.html, version 4.0, 18th December 2025.
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