München, 8th November 1903

Max Reger to Carl Lauterbach und Max Kuhn, Lauterbach & Kuhn

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Letter
Date
8th November 1903 (source)
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München
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Senders
  • Max Reger

Incipit
Meine sehr geehrten Herren!
Zuerst Ihnen, lieber Herr Lauterbach, schönsten Dank […]

Regesta
hat für die erkrankte [Anna] Hirzel-Langenhan Violinsonate C-Dur op. 72 am 5.11. selbst begleitet • seine Frau war krank • sendet Kritik zum Konzert • bittet, bei Herausgabe des op. 72 die Kritik als Werbung zu benutzen • [Rudolf[ Louis konnte über die erfolgreiche Sonate nicht schimpfen • übersendet Verlagsscheine [zu op. 72 und Variationen und Fuge op. 73] • dankt E. für Korrespondenz mit Verlag Vandenhoeck [wegen Choralkantate Vom Himmel hoch, da komm ich her« WoO V/4 Nr. 1] • Hinweis auf gute Kritik von Hugo Leichtentritt • kündigt in Bälde Lieder an • schickt bald Werk, das »viel Geld« bringen soll • wird seine Lieder in Breslau bringen und möchte E. auf Rückreise besuchen • kündigt baldigen Aufsatz in Leipziger Neueste Nachrichten an [von Richard Braungart] • warnt auch wegen distanzierender redaktioneller Notiz vor • bittet um baldige Übersendung von Rezensentenexemplaren [von WoO V/4 Nr. 1]
Remarks

Publications

Max Reger, Briefe an die Verleger Lauterbach & Kuhn. Teil 1 [1902–05], hrsg. von Susanne Popp, Bonn 1993 (= Veröffentlichungen des Max-Reger-Instituts, Bd. 12), S. 235–238

1.

MünchenPreysingstrasse 1b I.
22. Oktober 1903.

Meine sehr geehrten Herren!
Zuerst Ihnen, lieber Herr Lauterbach, schönsten Dank für Ihre frdl. Ansichtskarte und Brief; ich muß sehr um frdl. Entschuldigung bitten, wenn ich erst heute Ihren letzten Brief beantworte – allein, es war mir aus 2 Gründen nicht möglich! 1.) hab’ ich am 5. Nov. mein op 72 selbst gespielt hier, mußte wegen Erkrankung der Frau Langenhan–Hirzel einspringen u. sozusagen in letzter Minute, nicht nur meine Sonate op 72, sondern auch noch die Sonate von F. vom Rath und die von Wolf–Ferrari spielen – kurzum – da mir letztere 2 Werke vollständig unbekannt waren u. ich doch eine nur anständige Klavierleistung hinstellen wollte, so also können Sie sich denken, daß ich in den 5 Tagen, die mir dazu Zeit gegeben waren, über Hals und Kopf üben mußte! Ferner ist meine Frau seit ebenso langer Zeit krank, bettlägerig und das ist, wie Sie sich wohl denken können, auch noch so eine sehr, sehr aufregende Sache gewesen. Nun geht's ja besser – aber sie hat sich eben bei dem Umzug überarbeitet! Anbei übersende ich Ihnen 1 Kritik aus Allgemeiner Zeitung über mein op 72 am 5. November. Ich bitte diese Kritik frdl. behalten zu wollen und gelegentlich zur Reklame zu benützen, wenn mein op 72 erschienen ist! Ferner mache ich Sie aufmerksam auf № 524 (Montag, 9. Nov. 1903) der Münchener Neuesten Nachrichten, wo Sie in dem Artikel „Münchener Konzerte“ ebenfalls Kritik über op 72 finden werden, die zwar sehr vorsichtig ist, aber wenigstens hat sich Dr Louis gescheut, diesmal die obligate Schimpferei zu machen, weil er erleben mußte, wie op 72 eingeschlagen hat!
Weitere Kritiken, die ich noch erhalte, übersende ich selbstredend baldigst!
Anbei auch die Verlagsscheine unterschrieben zurück nebst der Korrespondenz mit Vandenhoeck u. Ruprecht, aus der ich ersehen habe, daß V. & R. thatsächlich sich auf ganz gleichgültige Sachen da mit merkwürdigstem Eigensinn versteift haben! – Durch Ihren Brief an V. & R. wird nun die Sache gut geordnet sein u. bin ich Ihnen sehr verbunden, daß Sie an V. & R. geschrieben haben. Sodann bitte ich Sie, in Allg. Musikzeitung № 45 (Otto Leßmann) den Artikel „Neue Ausgaben Bachscher und Händelscher Werke“ von Hugo Leichtentritt zu lesen, wo Sie Seite 700 sehr Gutes über meine Ausgabe des „Wer nur den lieben Gott läßt walten“ finden werden!1
Sie schreiben mir in Ihrem letzten Briefe, daß Sie nicht wüßten, was Sie mir von meinem vorletzten Briefe nicht beantwortet hatten; nun, wenn Sie sich frdl. erinnern wollten, so war das die Sache: ich schrieb Ihnen, daß es mir sehr angenehm wäre, mit Ihnen in bestem Einvernehmen etc. zu leben – darauf haben Sie mir keine Antwort gegeben! Ich weiß nicht, wie ich das deuten soll!
In Bälde erhalten Sie meine neuen Lieder, in denen nur erstrangige Texte – darunter eine Reihe von Liedern heiteren Characters (mit nur witzigsten Pointen – auch technisch sehr leicht –) dabei sind!2 Außerdem erhalten Sie noch ein Werk, an dem Sie sicher sofort auch viel Geld verdienen werden! Fürs nächste Jahr 1904 hab’ ich sehr viel vor – Sachen, die für Sie lukratives Unternehmen werden werden!
In Bälde werde ich nach Berlin fahren, um wieder eine große Auswahl mei- ner neuesten Lieder op 66, 68 u. op 70 zu machen – ebenso in Breslau und zwar bin ich engagiert! Auf der Rückreise werde ich in Leipzig aussteigen und Sie besuchen; hoffentlich ist Ihnen mein Besuch angenehm! Bitte, theilen Sie mir es mit, wann mein Besuch am besten paßt!
Mein Artikel betr. des Nachlasses Hugo Wolf wird im Februar erscheinen!
Der Artikel in den Leipziger Neuesten Nachrichten muß nun jeden Tag erscheinen; ich mache Sie darauf aufmerksam, daß die redaktionelle Fußnote bei diesem Artikel ich jemand zu verdanken habe, der allen Grund hätte, diesen Zusatz nicht zu machen! Ich bitte Sie ebenso höflichst als dringendst, das, was ich Ihnen soeben betr. dieser redaktionellen Fußnote schrieb, à strengste Diskretion gegen jedermann – in Ihrem Interesse! Aber ich kann Sie jetzt schon versichern, daß der betr. Herr wegen dieser Sache in Bälde „hervorgeholt“ wird in einem Spezialaufsatz! Ebenso wie die Berliner Kritiken über mein Konzert am 2. März ebenfalls demnächst gründlichst beleuchtet werden – ! Ich bitte Sie aber um strengste Diskretion gegen jedermann nochmals dringendst!! Lassen Sie mich da nicht umsonst bitten.
Sehr dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie mir sehr balde 20 Exemplare von „Vom Himmel hoch“ senden würden (ohne Stimmen) NB. an Stolz–Chemnitz, Frenzel–Schneeberg sende ich „Vom Himmel hoch“!

Zum Schlusse bitte ich Sie, mir diesen Brief recht balde und recht genau zu beantworten und Silentium über alles. Die besten Grüße Ihnen beiden, Frau Lauterbach, Herrn u. Frau Straube Ihr ergebenster, sehr eiliger
Max Reger.

Auch das, was ich Ihnen wegen der „Beiträge zur Modulationslehre“ schrieb, haben Sie nicht beantwortet!


1
Hugo Leichtentritt, Neue Ausgaben Bach’scher und Händel’scher Werke, in Allgemeine Musik–Zeitung 30. Jg. (1903), Nr. 45, S. 697 ff.
2
Über die leichte Ausführbarkeit seiner Achtzehn Gesänge op 75 machte Reger sich und seinen Verlegern Illusionen.
Object reference

Max Reger to Carl Lauterbach und Max Kuhn, Lauterbach & Kuhn, München, 8th November 1903, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01005509.html, version 3.1.4, 24th July 2025.

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