z. Z. Berg am Starnberger See, 24th August 1904
Max Reger to Waldemar Meyer
: Kaufpreis: 5500 €
- Max Reger
Herrn Professor
Waldemar Meyer
Berlin W
Lutherstrasse 47
Sehr geehrter Herr Professor!
Für Ihren frd Brief besten Dank! Op 72 u. 74 ist „nicht […]
Der Violinist Waldemar Meyer (1853-1940) war ein Schüler Joseph Joachims; die Uraufführung des Streichtrios op. 77b spielte er nicht, sie fand am 29. 11. 1904 nicht in Berlin, sondern in München statt
- Sonate C-dur op. 72
- Streichtrio a-moll op. 77b
- Serenade D-dur op. 77a
- Streichquartett d-Moll op. 74
1.
Sehr geehrter Herr Professor!
Für Ihren frdl Brief besten Dank! Op 72 u 74 ist „nicht leicht zu behalten“ gewiß, Sie haben sehr Recht! Allein gestatten Sie mir: ich bin seit frühester Jugend Musiker, habe zu einer Zeit als ich noch nicht 10 Jahre alt war, den großen, großen Sebastian in seinen größten Orgelschöpfungen „auf“ der Orgel gespielt, u. kurzum, daß ich meine eigenen Wege gehe – das ist kein Fehler; ich bin nicht „Umstürzler“ aus Prinzip – es kann nicht leicht einen glühenderen Bewunderer für die alten Meister als mich geben – u. gerade die großen alten Meister, u. die Erkenntnis, dass seit Brahms’ Tode unsere Komponisten immer mehr im „Sumpf“ der symphonischen Dichtung untergehen u sogar schöne Begabungen an diesem „Irrlicht“ zu Grunde gehen – gerade diese 2 Gründe haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin! Glauben Sie mir, niemand wünscht mehr als ich das Wiedergeborenwerden eines Mozart, der mit göttlich leichter Hand aufräumt mit all dem Wust, den mißverstandener Wagner, Liszt u R. Strauss gezeitigt haben!
Mein Op 77b ist nun fabelhaft einfach u. klar; ich hab’ damit all denen, die mir immer vorwerfen ich könnte nicht einfach schreiben, eine kleine „Lektion“ ertheilt! Ich bin Ihnen aufs herzlichste verbunden, wenn Sie Sich nun meiner neuen Sachen annehmen wollen! Ich habe sofort nach Leipzig geschrieben u hoffe sehr, daß es möglich sein wird, dort einen Abend mit dem Essener Programm zu machen! Wenn es nicht möglich ist, so ist es nicht meine Schuld, sondern dann haben es die Verhältnisse nicht gegeben – ich für meinen Theil habe die Sache dringlichst gemacht; wenn Sie in Berlin in Ihren Kammermusikabenden in der Singakademie z.B. dieses Jahr außer op 77b auch op 77a Serenade für Flöte, Violine u. Bratsche brächten, so wäre das, nachdem op 77a u b so fabelhaft klar sind, eine ganz feine Sache; es ist u.U. leicht möglich, dass der Erfolg von op 77a u b in Ihren Abenden in Berlin so groß ist, dass Sie sich entschließen auch op74 zu bringen. Das wäre ja allerdings das non plus ultra!
Für Ihre frdl. Einladung bei Ihnen abzusteigen, Ihnen u. Ihrer sehr verehrten Frau Gemahlin unseren verbindlichsten Dank! Wir sind leider nicht nicht in der Lage von Ihrer so überaus liebenswürdigen Einladung Gebrauch machen zu können, da meine Frau so viele Verwandte und Bekannte in Berlin hat, die eifersüchtigst darauf wachen, daß wir bei ihnen absteigen. Seien Sie also darüber nicht böse; nochmals allerschönsten Dank für so freundliche Einladung!
Ich bin anfangs Januar (1. 2. 3. 4.) in Berlin u. haben wir da genügend Zeit op 72 zu studieren; in 2 Proben sitzt das Werk; ich spiele nächsten Winter mein op 72 vielleicht 20 x.
Nun schönste Grüße Ihnen, sehr geehrter Herr Professor u Ihrer sehr vereh[r]te[n] Frau Gemahlin höflichste Empfehlungen meiner Frau
Ihr
ergebenster Max Reger.
Object reference
Max Reger to Waldemar Meyer, z. Z. Berg am Starnberger See, 24th August 1904, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01006622.html, version 4.0, 18th December 2025.
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