Weiden, 13th October 1899

Max Reger to Caesar Hochstetter

Object type
Letter
Date
13th October 1899 (source)
Sent location
Weiden
Source location

Senders
  • Max Reger
Recipients

Incipit
Lieber Herr Hochstetter!
Ihr freundl. Brief ist in meinen Händen; danke Ihnen bestens […]

Regesta
weist darauf hin, dass viele Musiker »sehr rückschrittlich gesinnt« seien; sie »stehen Neuem nicht freundlich gegenüber« • erläutert seine Ästhtetik • berichtet von der Fertigstellung eines neuen Orgelwerks op. 40 und von der Arbeit an neuen Chören [op. 39] • freut sich, dass der E. die Volksliedbearbeitungen singen lässt, bittet aber, nicht den Gebrauch seiner Klaviermusik im Unterricht zu vergessen • teilt mit, dass das dem E. gewidmete op. 34 bald erscheinen • berichtet, dass Aibl an neuen Werken zum Druck die Lieder opp. 35 und 37 sowie die Klavierstücke (»leicht«) op. 36 angenommen hat • berichtet über Besprechungen in Urania und Kunstwart • teilt mit, dass er für das IV. niederrheinische Festspiel die Musik schreibt • berichtet, dass er für 10 Tage in Erbendorf war, »einem kleinen Städtchen, das eine annehmbare Orgel hat u. habe fest Orgel gespielt« • empfiehlt dem E. besonders die neuen Lieder • erkundigt sich nach der Situation in Wiesbaden • zieht über Siegfried Wagners Bärenhäuter her, den er in München gehört hat • teilt mit, immer noch auf Bier zu verzichten • erkundigt sich, ob der E. einmal eine Originalkomposition für Männerchor aufführen möchte – »Habe jetzt 7 geschrieben«
Remarks
Referenced works

Publications

Der junge Reger. Briefe und Dokumente vor 1900, hrsg. von Susanne Popp, Wiesbaden 2000 (= Schriftenreihe des Max-Reger-Instituts, Bd. XV), S. 446f.

Max Reger, Briefe zwischen der Arbeit, hrsg. von Ottmar Schreiber, Bonn 1956 (= Veröffentlichungen des Max-Reger-Instituts, Heft 3), S. 37–39

1.

[Hinweis: Bleistift- und Rotstiftanmerkungen, offenbar nicht von Reger, sind nicht hervorgehoben.]

Weiden, Allee 22, bayerische
Oberpfalz, 13. Okt. 1899.

2.

Lieber Herr Hochstetter!
Ihr freundlicher Brief ist in meinen Händen; danke Ihnen bestens dafür. Hoffentlich ist Ihr Prozeß jetzt in ein günstigeres Stadium getreten, wozu ich Ihnen meine besten Wünsche sende.
Daß verschiedene Musiker Ihre Ansicht über meine Werke theilen, freut mich; aber ein Bedenken habe ich: ich sage es Ihnen ganz offen: Die meisten Musiker sind sehr rückschrittlich gesinnt u. stehen Neuem nicht freundlich gegenüber.
Ich glaube nicht, daß Sie z.B. das Gedicht von Heine in Bezug auf mein op 31 so zitiert hätten, wenn Sie op 31 wirklich gesungen gehört hätten. Ebenso ist es mit op 32. Nur das Allerfeinste u. durch u. durch Kraftvolle kann wirklichen Erfolg haben. Ich merke dies an meinen Sachen immer mehr.
Ein neues Orgelwerk ist fertig: op 40; eine Fantasie über den Text: “Wie schön leucht’ uns der Morgenstern!” Neue Chöre (5–8stimmig) sind in Arbeit!
Vielen Dank, wenn Sie eines der Volkslieder singen lassen; aber vergessen Sie bitte nicht darauf! Wie ist denn mit den Sachen beim Unterricht! Bitte, da möglichst viel zu thun!
Das Ihnen gewidmete op 34 wird balde erscheinen. Aibl hat jetzt neu von mir gekauft: op 35 6 Lieder, op 36 kleine Klavierstücke – (leicht) u. op 37 5 Gesänge. Bin gespannt, was Sie zu meinen 2 neuen Liederheften op 35 u. 37 sagen.
In “Urania” waren durch Gottschalg meine opera 27 u. 29 ausgezeichnet besprochen; es soll da alles kommen; auch Neue Zeitschrift für Musik bringt aus der Feder Gottschalg’s Artikel; [im] Kunstwart schreibt Dr Göhler (Leipzig) für mich ebenfalls Besprechung. Ich bin sehr in Arbeit; weiß oft nicht, wo der Kopf steht; deshalb geht der Brief auch wieder in aller Eile.
Für das nächstjährige IV niederrheinische Festspiel schreibe ich die Musik (großes Orchester u. Chor [WoO V/1 und V/2]) Außerdem ist so viel begonnen an Neuem, daß ich rasend zu thun habe.
Unterdessen war wieder 10 Tage verreist in Erbendorf, einem kleinen Städtchen, das eine annehmbare Orgel hat u. habe fest Orgel gespielt.
Die neuen 11 Lieder müssen Sie Sich genau ansehen, wenn selbe erscheinen; werden Ihnen schon gefallen.
Wie geht’s im Konservatorium? Rentiert es sich doch einigermaßen? Es ist schwer, in Wiesbaden ein erstes Konservatorium durchzuführen.
Haben Sie dieses Jahr wieder so viel zu thun an Stunden? Es ist ja doch einfach entsetzlich; was haben Sie denn, wenn Sie dabei auch recht viel Geld verdienen – u. dabei Ihr Körper, Ihre Nerven Schaden leiden! Thut es denn nicht auch weniger??
Mir wäre es einfach unmöglich, das zu machen.
Nun wird wohl die etwas zweifelhafte Concertsaison in Wiesbaden wieder nach u. nach beginnen. Es wird da neben Gutem auch sehr viel Mangelhaftes geboten. Das ist überall! Habe nun in München auch den “Bärenhäuter” gehört. Begreife Reuß nicht, wie man da im Rich.-Wagner-Verein zu Wiesbaden solches Aufhebens machen kann! Herr Gott! Diese Sprache! Diese Musik!
Aber es ist Mode! In 5 Jahren weiß niemand mehr etwas von der Oper: da heißt’s: “Es war einmal!” Sonst wüßte nicht viel Neues.
Hoffentlich befinden Sie Sich u. Blanche recht wohl.
Ich trinke immer noch kein Bier u. lebe ganz ruhig zu Hause; es bekommt mir so viel besser.
Haben Sie nicht Lust, einen Originalmännerchor von mir zu machen? Habe jetzt 7 [Opus 38] geschrieben. Warten wir lieber, bis er gedruckt ist.
Nun muß ich schließen, sonst kommt der Brief nicht mehr auf die Post.
Bitte, erfreuen Sie mich recht balde
wieder mit einem Briefe.
Viele Grüße
an Sie & Blanche
Ihr aufrichtig ergebenster
Max Reger

Bitte, Herrn Uhl 1 zu grüßen.


1
Edmund Uhl war Klavier- und Orgellehrer am Wiesbadener Konservatorium.
Object reference

Max Reger to Caesar Hochstetter, Weiden, 13th October 1899, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01000140.html, last check: 20th June 2024.

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