Weiden, 14th June 1901

Max Reger to Josef Loritz

Object type
Letter
Date
14th June 1901 (source)
Sent location
Weiden
Source location
DE,
München,
Bayerische Staatsbibliothek,
Fasc. germ. 75, Nr. 25

Senders
  • Max Reger
Recipients
Joseph
Loritz

Incipit
Lieber Freund!
Besten Dank für Deine beiden Briefe – ich bitte sehr zu entschuldigen, daß ich […]

Regesta
schlägt einen Termin sowie eine Honorarsumme für ein Konzert in Nördlingen vor • äußert sich abfällig über verschiedene Kritiker u. a. über einen Lehrer: »von Ochsen kann man nur ein Stück Rindfleisch verlangen!« • bittet den E., dass er Reger als Liedbegleiter bei Herrn Gura empfiehlt • berichtet über seine Kompositionen: op. 60 [später op. 62] in Arbeit (16–18 Lieder) • am nächsten Tag gehen op. 54–58 mit der Post an Spitzweg • fragt, in welche Tonart er das Lied Schmied Schmerz [op. 51 Nr. 6] für den E. transponieren soll • ein Werk für Peters [op. 59] sowie Concert für Orgel mit großem Orchester [WoO I/7, verschollen], ein Chorwerk mit großem Orchester und Lieder [op. 62] in Planung
Remarks
Referenced works

Publications

Max Reger-Brevier, hrsg. von Adolf Spemann, Stuttgart 1923, S. 120

1.

Weiden, 14. Juni 1901.

2.

Lieber Freund!
Besten Dank für Deine beiden Briefe – ich bitte sehr zu entschuldigen, daß ich den ersten noch nicht beantwortet habe, allein ich hatte viel zu thun! Also gleich wegen Berdux; ich bin gerne bereit, in Nördlingen zu spielen u. beträgt meine Gesamtforderung da 200 M. (Zweihundert Mark!) Ich denke, das ist nicht zu viel, denke ich; sehr angenehm wäre es mir, wenn das betreffende Concert nicht vor 15. July stattfände, da ich für 15. July Peters ein dickes Manuskript versprochen habe [Opus 59], welches Werk noch Ende August bei Peters erscheinen soll! Doch, wenn das nicht möglich, dann ist mir auch die Zeit vom 8. July angenehm! Wie gesagt, nach dem 15. July wäre mir am liebsten; bitte, rede also mit Berdux, daß er mit mir direkt in Verbindung tritt. Also, so weit wären wir mit dieser Sache nun fertig!
Wegen der Kritik des Herrn Lehrers über Dich in Augsburg – so bitte ich Dich: es gibt in Europa mehr Kaffern als in Afrika – u. von Ochsen kann man nur ein Stück Rindfleich verlangen! Höre: es ist doch mein BACH op 46 von Straube am 4. Juni in Heidelberg gemacht worden! Dasjenige, was Dr. L. Schmidt im Berliner Tageblatt, Dr. Neitzel in der Kölnischen Zeitung darüber geschrieben haben – das ist so, daß man einfach sagt, wenn man die anderen Kritiken aus „Klavierlehrer“, Leipziger Tageblatt, Leßmann etc. dagegen hält – „das ist un möglich!“ Aber bei uns gibt’s zu viel Kulis! Weißt Du, man könnte sich oft das „Lachen“, das große „Lachen“ angewöhnen, wenn man die Kerle wirthschaften sieht!
Wegen Deines Urlaubs hast Du wohl noch keine Nachricht?
Du, paß auf; bitte, wenn Du zu Gura kommst, so sage es ihm jetzt schon vom Begleiten, daß er mit mir besser „fährt“, da ich doch schon überall bekannter bin, als wenn er irgendeinen Münchner Pianisten nimmt! Besonders nach auswärts!
Sodann noch besten Dank, daß Du so freundlich warst, mich an Herrn Berdux zu empfehlen; bitte Herrn Berdux, daß er sich balde mit mir in Verbindung setzt!
Freue Dich, zu den Liedern (op 60 [op. 62]) die ich Dir dediciere, habe ich ganz wundervolle Texte; es werden 16–18 Stück werden. Morgen sende ich meine neuen Sachen op 54–58 etc. an Herrn Spitzweg! Deshalb soviel Arbeit; z.B. 96 Seiten Stimmen schreiben von 2 Streichquartetten op 54; (130 Seiten Partitur!)
NB! Bitte, theile mir definitiv mit, in welche Tonart Schmied Schmerz [op. 51 Nr. 6] transponiert werden soll! Nicht vergessen! Ich werde es nämlich balde machen – also bitte mir endgültig das anzugeben! Also los!
132 Mann Musik zur Begleitung einer Solostimme bei nicht verdecktem resp. versenktem Orchester spielen zu lassen, ist dumm! Dem Männergesangverein „Brüllberg“ würde es vielleicht recht sein! Aber wie heißt’s: „Ich wundere mich über nichts mehr!“
Gelt, sage von der Peterssache vorläufig nichts Beer; Peters schrieb an mich, ob ich ihm nicht was schreiben wollte; er bezahlt 600 M für ein Werk [Opus 59], das ich in 14 Tagen bequemstens schreibe; á discretion!
Du wenn ich in München bin, worauf ich mich schon so sehr freue, da gehen wir jeden Tag, wenn’s nicht Holzäpfel regnet, 1½ Stunden spazieren; ich thue es jeden Abend hier u. fühle mich sehr wohl dabei! Sonst verlöre ich den Verstand bei der Arbeit, wenn ich’s nicht thäte! Also bedenke: ein Concert für Orgel mit großem Orchester [WoO I/7], ein Chorwerk mit großem Orchester u. Orgel u. 16–18 Lieder gehen mir im Kopf herum! Das langt!
Also nochmals besten Dank u. spreche also mit Berdux, daß er sich baldmöglichst mit mir in Verbindung setzt u. die besten Grüße von uns allen an Deine sehr verehrte Frau Gemahlin, die Kleinen u. besonders an Dich
Dein ergebenster
sehr eiliger
Max Reger.

Object reference

Max Reger to Josef Loritz, Weiden, 14th June 1901, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01006975.html, last check: 13th July 2024.

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