München, 6th May 1902
Max Reger to Elsa Reger
Karlsruhe,
Max-Reger-Institut/Elsa-Reger-Stiftung,
Ep. Ms. 1704
- Max Reger
Mein Liebling!
Endlich vorhin mit der letzten Post kam Dein so sehnlichst erwarteter Brief […]
1.
Montag, abend
Endlich vorhin mit der letzten Post kam Dein so sehnlichst erwarteter Brief; besten Dank dafür! Wie lieb er ist! Sag mal: bitte sicher darüber Antwort: Du mußt heute Montag abend 6 Uhr besonders lebhaft an mich gedacht haben – denn ich mußte zum Arbeiten aufhören – u. mich auf meinen Divan in die Ecke vergraben u. immer vor mich hinflüstern! – Was werde ich da wohl vor mich hingeflüstert haben? Kannst Du Dir es denken?
Nun zur Beantwortung Deines Briefes: Du weißt, ich bin selbstredend mit evangelischer Confessionstrauung einverstanden – meine Eltern werde ich schon noch „rumkriegen!“ Elsa, das weißt Du ja längst, daß wir beide sogar in Religionssachen [dreifach unterstrichen:] ganz einer Meinung sind! Ja, ich verstehe Dich vollkommen, warum Du wünschest, daß wir bei Dir getraut werden! Bin vollständig einverstanden! – Also offiziell möchtest Du nicht Braut sein; etwaige Briefe Deiner „lieben“ Verwandten wüßte ich auch als Dein Bräutigam schon zu „schätzen“! Sei da ganz ohne Sorge! Ja, Schatz, süß Liebling, Du sollst u. wirst es bei mir als meine Frau gut, ach, so gut haben werden! Unfrieden von außerhalb stehender Seite – sei es, wer es wolle – dulde ich nicht – denn „my home is my castle“! Du glaubst es nicht, wie energisch ich in solchen Fällen werden kann!
Wegen Widmung – warte nur Schatz, das hole ich schon so nach, daß es Dir sehr viel Freude machen wird – aber nicht ungeduldig werden – wenn es noch ein bischen dauert! Ich weiß, es macht Dir dann sehr, sehr viel Spaß! – So stolz bist Du auf mich – aber weißt Du auch, wie stolz ich auch auf Dich bin? Das wirst erst sehen, wenn Du meine Frau bist! Und ob Du schön bist –! Das weiß ich! Ja, gewiß, immer werde ich Dir beichten – u. Du mir auch! So ists recht; wir zwei dürfen kein, garkein Geheimnis vor einander haben! Alles, alles einander sagen! Du liebe gute Elsa; denkst immer an unser Heim – das ist so lieb von Dir! Die Sache mit dem Kutscher ist recht dumm! Na, ich meine halt, das beste wäre, die Pferde überhaupt abzuschaffen! Für das Geld, was die kosten, könnten Deine Frau Mama u. Baronesse wenn wir vereint sind, im Winter immer einige Monate in München leben, was doch reizend wäre! Nicht wahr?
Hab nur keine Angst, ich überarbeite mich nicht; wenn Du mir immer lieb schreibst und ich weiß, daß alles, was ich schaffe, uns beiden zusammen zu Gute kommt! Dann, Süße, kann ich mich gar nicht überarbeiten – denn Dein Einfluß auf mich, Dein Wesen ist so groß für mich, daß meine ganze Natur anders ist als früher – ich bin jetzt z.B. viel, viel ruhiger, gar nicht aufbrausend mehr! Das alles machst [dreifach unterstrichen:] nur Du!
Die 14 Tage Ferien – ja – Elsa, wie Du sie haben willst – aber, aber, jetzt schon muß ich bitten, sehr bitten, daß wir zwei dann einander gehören, nicht Besuche machen, denn ich hab Dich zu rasend lieb – u. möchte mein Glück doch auch ganz für [dreifach unterstrichen:] mich allein haben! Trollhätta! Aber Schatz, glaub mir, ich liebkose Dich nur dann, wenn ich weiß, es ist Dir recht, Du sehnst Dich nach mir! Gelt!
Gewiß Elsa, wegen der Anekdote bin ich ganz Deiner Ansicht – o – wie ist es z.B. von Loritz so peinlich, wenn er in Gegenwart von seiner Frau Dinge sagt, daß mir, der ich doch weiß, wie’s in Herrenkreisen leider, leider nur zu oft gemacht wird – Herrgott, es sollte mal einer wagen, in Deiner Gegenwart schlüpfrig zu werden! – Aber weißt Du, Frau Loritz – lacht dazu! – und das macht mir Frauen solchen Kalibers so, so widerlich; es sind eben „Marktweiber“! Elsa, in der Ehe ist es allererste Bedingung: „Ehret einander!“ – Und zu diesem „Ehret einander“ zähle ich vor Allem einen höchst decenten Ton – ohne in dumme Prüderie zu verfallen!
Wegen „Kreuzersonate“ ganz Deiner Ansicht; es gibt keine größere Dummheit, als die Natur in ihren Gesetzen unterdrücken zu wollen – das rächt sich zu arg! Das können nur dumme Menschen!
Elsa, Samtpfötchen – nein – aber Deine weiße, aristokratische Hand ist es, die ich so liebe! – Ja, das wird bei uns mal sehr sehr nett, zu reizend, wenn wir zusammen lesen! Das will ich eben von meiner Frau, daß selbe mein geistiges Leben [dreifach unterstrichen:] ganz mit mir theilt – das ist erst dann Ehe –! Zu einer gewöhnlichen Ehe tauge ich nicht! Du aber auch nicht! Es ist eine wahre Fügung Gottes, daß er uns zusammengeführt hat!
Es ist zu lieb u gut von Dir, wenn Du meine Briefe immer recht, recht ausführlich beantwortest! So gut! Du wunderliche Elsa! Selbstredend – in alle Concerte, wo ich hingehe, gehst Du auch mit! Gelt, Schatz! Wir gehen immer mit einander u. [dreifach unterstrichen:] immer Arm in Arm! Allein gehe ich nie fort; ich hab’ auch gar keinen Grund allein fortzugehen u. niemand kann mich dazu zwingen! Gelt, mein Schatzl! So wird’s!
Nein, Elsa, an mir sollst Du nie zweifeln müssen – ich werde Dir [dreifach unterstrichen:] nie Grund dazu geben! Du ahnst es ja gar nicht, wie hoch ich Dich als meine Frau ehren werde! So z.B. hier ist’s so (auch Loritz) da werden die Künstler eingeladen zu Soupers, die sie sich mit Singen etc. etc „abverdienen“ müssen –, die Frauen werden aber nicht eingeladen! Loritz fühlt nicht, welche Beleidigung für ihn darin liegt! Das gibt es bei mir mal nicht! Wo ich hingehe, ist es selbstredend, daß Du als meine Frau dabei bist – u. die Gesellschaft muß es sich zur Ehre schätzen, daß meine Frau mitkommt – (u ohne Dich gehe ich überhaupt [sechsfach unterstrichen:] nicht!) Ich denke da wie Bismarck: „wo ich u. meine Frau sitzen, da ist immer oben!“ Ich bin nämlich sehr, sehr stolz u. aber noch [dreifach unterstrichen:] viel stolzer auf Dich! Unseren Sonntag – nun vormittags bleiben wir zu Hause, ich muß da Correspondenz erledigen – u. nachmittags „fliegen“ wir aus! Gelt – Sonntags arbeit ich nie dann! Wenn nun recht schlechtes Wetter ist, dann widme ich mich Dir [dreifach unterstrichen:] ganz; gelt, Schatz – u. höre: im hiesigen Schauspielhause sind brillante Vorstellungen zu billigem Preise – da werden wir Sonntag nachmittags öfters hingehen! Gelt!
– Mit den 6000 M ist natürlich so keine Kleinigkeit; der Mann muß annonciren!
Nun fürs Orchesterwerk: da hatte ich in meinem „Plan“ betreff Geld 1000 M gerechnet – nach Rücksprache mit dem Verleger, der natürlich von meinem Plan betr. 1000 M nichts wusste, sind 1500 M festgesetzt worden! Das ist nur gut! Apropos: schon wieder habe ich von einem großen Leipziger Verlagshause Anerbieten bekommen, ob ich nicht Compositionen in ihren Verlag geben wollte! Ich hab aber nichts vorrätig; muß notgedrungen die Leute auf später vertrösten! Das ist nur gut! Dann komme ich immer mehr in die Lage, für meine Werke immer mehr Honorar zu bekommen! Es leben keine 5 Komponisten, die nur wie ich von Composition leben –! Es wird aber [dreifach unterstrichen:] immer besser!
In diesem Jahre 1902 verdiene ich mir 5000 M durch Komposition allein u. 1000 M (als Minimum) durch Stunden u. Musikzeitungen! Also, da kannst Du ganz beruhigt sein wegen Pekuniärem! Meine Honorare steigen von Jahr zu Jahr! Ja, meine Mutter wird schon „üppig“ – letzthin hat sie eine Wohnung annonciert für 1000 M – allerdings sehr schön! Da meinte sie, die wäre für uns zwei so passend! Ich bin da anderer Ansicht! Ich denke eine Wohnung mit 3 Zimmern, Magdkammer etc ist vollständig ausreichend! Nicht wahr, Schatzl! Was sollen wir mehr Zimmer nehmen! Steigern sich meine Einnahmen außergewöhnlich rapid, ja dann können wir ja immer später uns noch eine größere Wohnung mieten! Hier im Nebenhause (No 39) ist z.B. eine Wohnung mit 3 Zimmer, Badekabinet, elektrischem Licht, Magdkammer fur [sic] monatlich 48 M zufällig frei! Da habe ich doch Recht, Schatzl, wenn ich sage 50 M fur [sic] Wohnung monatlich genügt; 1.) wir wollen ganz für uns allein leben; Die Hauptsache ist, daß ich schön ruhig weiterarbeite – u. dazu kann man gesellschaftlichen Klimbim überhaupt nicht brauchen!
Also Wohnung 600 M im Jahre – u. die restierenden 400 M (damit das 1000 voll ist) legen wir besser so an, daß ich mich in eine Lebensversicherung aufnehmen lasse um 10000 M, zwar so, daß mir diese 10000 M in meinem 55. Lebensjahre ausbezahlt werden! Höher kann ich mich dann immer noch aufnehmen lassen! Wir brauchen ein Wohnzimmer (zugleich Eßzimmer) das wir so als Boudoir für Dich gleich gestalten können, ein Arbeitszimmer für mich, das zugleich Empfangszimmer ist, ein Schlafzimmer u. Mägdekammer u. nötiges Zubehör, gelt! Ist Badekabinet dabei, dann desto besser!
Bitte sehr, schreib mir sicher darüber, ob Du mit meiner Ansicht für Wohnung von 3 Zimmern einverstanden bist! Zwar werde ich in letzter Zeit wegen meiner Sparsamkeit nicht wenig geneckt – aber ich meine: es ist besser, wir legen möglichst viel zurück, damit wir pekuniär stets unabhängig dastehen! Gelt, Du bist da auch meiner Ansicht!
Wir rechnen 50 M für Wohnung u. 250 M fürs Leben, Kleidung, Dienstmädchen; kommen dann wirklich außergewöhnliche Ausgaben – so machen uns die keine Kopfschmerzen – weil wir ja das Geld haben im Kasten! Gelt, Liebling; mit 250 M kommen wir zwei aus. (Dienstmädchen 16–18 M Lohn monatlich – ich hab’ mich schon erkundigt) also bleiben 230 M – damit können wir zwei doch Essen, Trinken, Kleidung etc. bestreiten? Ich denke sicher! Z.B. zum Leben selbst (Essen, Trinken) 120–140 M – den Rest (120–100 M) für Kleidung, alle möglichen anderen Ausgaben! Gelt, ich hab da recht – u. ich meine, damit können wir sogar sehr gut leben u. uns im Essen schon was gönnen! Bitte, bitte, schreibe mir [dreifach unterstrichen:] genau darüber, ob ich so richtig calkuliere, ob Du mit Wohnung so einverstanden bist! Es ist wirklich nicht Geiz von mir – aber ich denke es ist Dir doch sicher ein wohlthuendes Gefühl, zu wissen, daß wir jedes Jahr zurücklegen können! Ich weiß ja, Du bist sparsam; dabei brauchen wir uns doch nichts abgehen zu lassen! Gelt, Schatzl! Bitte darüber sehr genau schreiben! O, Elsa, Du weißt nicht, wie selig es mich macht zu wissen, Du sagst [dreifach unterstrichen:] nicht nein! Aber süß Liebling, nie, nie sollst Du es zu bereuen haben! Niemals! Dein Leben an meiner Seite soll ein so seliges werden – denn ich hab’ Dich zu übermenschlich lieb u. ehre Dich viel zu sehr als meine Frau u. bin viel zu stolz auf Dich, als daß ich Dich jemals enttäuschen würde! Gelt, das weißt Du nun? Ja, freilich, ich möchte Dich so [fünffach unterstrichen:] rasend gerne im July ungestört sprechen – so [dreifach unterstrichen:] rasend gerne u. mir – laß es Dir ins Ohr flüstern – mir von Dir Dein „Ja“ holen! Wenn es geht, dann „deichsel“ ich die Sache schon so, daß wir ungestört sein können! Gelt, Schatzl! O, [dreifach unterstrichen:] wie ich mich freue, Dich wiederzusehen! Wie meinst Du das: wollen Sie Ihre Braut denn nicht im Festschmuck sehen? Nein, Elsa, auch dann nicht in großer Toilette; dekolletiert auch dann nicht! Meine Eifersucht ist zu groß! Mein Schatzl – nie will ich Dich so sehen! Ich bin darin zu eigentümlich – nicht philisterhaft – aber Hals, Nacken, Schulter einer Frau – die soll kein fremder Mann je sehen! Meine Frau steht mir zu hoch, als daß ich es je zugeben würde, daß die Reize meiner Frau fremden Männern u. seien es auch nahe Verwandte zur Augenweide dienen dürften! Ich ehre meine Frau zu hoch, als daß ich sie zum Sinnenkitzel fremder Männer werden ließe! – Ich denke, Schatzl, Du wirst diesen meinen Standpunkt u diese meine Anschauung nur als richtig ansehen – bitte, schreib mir darüber – –; ich hab Dich eben zu lieb, u. ist meine Liebe zu sehr die Liebe zu Dir meinem Genius, als daß ich es zugeben könnte, daß Dich Männer mit begehrlichen Augen ansehen! Mein Schatz! Diese Wunder blühen [zwölffach unterstrichen:] nur für mich! Du kannst aber aus meiner Anschauung nur ersehen, wie sehr ich von bloßem sinnlichen Empfinden entfernt bin u. wie sehr ich in Dir als meiner Frau vor allem die mir vollständigst als Frau gleichberechtigte [dreifach unterstrichen:] innigst geliebte Gefährtin meiner Seele u. meines künstlerischen Schaffens ehre u. so hoch ehre! Hab ich Unrecht? Gewiß nicht! Auf „dunklen Pfaden“ da wirst Du doch sehr lieb sein u. auch gewiß nicht böse sein, wenn ich Dich plötzlich an mich drücke u. Dein süß hold Gesichtchen mit so heißesten Küssen bedecke – denn ich hab Dich gar zu unendlich lieb! Gelt, süß Liebling! „Trollhätta“ bricht dann durch!
Nein, Elsa, ich überarbeite mich nicht; der Gedanke, daß Du mein wirst, macht jede Überarbeitung unmöglich!
Und ich weiß, balde wirst Du mir Dein Herz schenken? Und wie werde ich es hüten u. pflegen Dein Herz!
Heute war ich in der Stadt, bin „gezwungen“ worden dazu! Neuen Anzug, neuen Hut, 2 Paar neue Stiefel – zusammen 90 M. Ich habe jetzt noch so viele alte Anzüge, die ich jetzt, wo ich den ganzen Tag zu Hause bin u. nie in die Stadt komme, zu Hause auftrage; u zum Spazierengehen ziehe ich meinen alten Sommermantel an; in 5 Minuten bin ich im freien Felde; ich bin nämlich sehr sparsam! Aber heute hab’ ich mich wieder nobel herausgeputzt!
Schatzl: ich muß beichten: höre: wenn ich oft abends d.h. nachts im Bette liege – dann wie ja immer bei mir nur sehr ernsthafte Gedanken es sind, die mich bewegen – dann so oft, so oft: wir leben nur einmal, wir müssen unser Leben so einrichten, daß wir möglichst lange leben, all unsere Kräfte voll u. ganz in nur gutem Sinne anwenden – u da dann Elsa, wird mein Denken an Dich, das so intensiv ist, heilig; ich fühl dann erst so recht, welch unendliches Glück, welch reines, hohes, edles Glück mir durch Dich allein als meiner Frau zu theil wird – u. solche abgrundtiefe Liebe u Dankbarkeit gegen Dich erfüllt mich dann, – o Liebling – dann erst sehe ich so ganz ein, wie ich sein muß als Dein Mann, wie ich sein muß, um Dir Dein Leben an meiner Seite zu einem so seliges Leben zu machen, wie wir zwei in unserer Ehe zu einander sein werden, wie wir immer edler werdend, frei von allem Gewöhnlichen, leuchtenden Blickes, Herz an Herz geschmiegt durchs Leben gehen werden! Gelt, Schatzl! Kannst Du Dir nun denken, wie ich Deiner gedenke! Und so soll es immer u. wird es immer bleiben – nur immer schöner wird’s werden, wenn Du mein bist! Und, glaub’ mir’s, ich selbst merke es, welchen guten, veredelnden Einfluß dies an Dich Denken auf mich hat! Du sollst u. darfst an Deinem Manne keinen Fehler entdecken!
Aber, Liebling, kannst Du Dir nun eigentlich denken, wie ich den Tag ersehne, der uns vereint; wir fahren noch am selben Tag nach München in unser Heim! Wie schön soll es bei uns werden! Mit welcher unendlichsten, treuinnigsten Liebe u. Zärtlichkeit sollst Du stets u. stets von mir behütet werden! Und wie, wie werde ich mir immer u immer Mühe geben, Dir jeden, jeden Wunsch, bevor Du ihn ausgesprochen hast, zu erfüllen, weil ich Deine Wünsche in Deinen wundersüßen Augen lesen werde! Aber, Du mußt mich aber auch immer und immer Dir tief, tief ins Auge blicken lassen! Gelt! Und jetzt schon eine große Bitte: Du mein Genius – jeden Tag, wenn Du mein bist, vormittags u. nachmittags, bevor ich zu arbeiten beginne, mußt Du zu mir kommen u. mich auf die Stirne küssen! Gelt! Das soll u. ist dann Dein Segen, den Du meiner Arbeit gibst – u. ich weiß alles, alles wird dann so, daß ich Ungeahntes zu vollbringen vermag! Willst Du mir immer diesen Deinen Segen durch Deinen Kuß geben dann? Ja, Genius?
Ja, Elsa, wegen der Hündin! Das ist so eine Sache! Ich komme jetzt, wo keine Konzerte mehr sind, nie in die Stadt; es vergehen 14 Tage oft, bis ich wieder in die Stadt komme – u. Besuche kommen jetzt zu mir auch nicht! Da bin ich nun jetzt rathlos! Aber ich versuche es natürlich – denn Dein Wunsch ist mir Befehl!
Apropos: Haben Sie letzt hin die Musikzeitung, die „Signale“, die ich mit meinem letzten Brief an Sie sandte erhalten? Ich bitte sehr, mir immer alle Sendungen zu bestätigen – bitte auch lesen u. Deiner Frau Mama vorlesen!
Schatzi, Liebling, heute in 1 Jahre, da weiß ich was: da sitzest Du neben mir in unserm Heim auf dem Divan – es ist 10½ Uhr; wir haben musiciert u gelesen viel u. viel; u. ich habe meinen Arm um Dich gelegt, Dich an mich gedrückt u. flüstere Dir nun ins Ohr, wie gar so unendlich, unendlich lieb ich Dich habe, ich berichte Dir dann u. ich weiß, Du bist dann auch lieb u gut – denn bis dorthin hast Du mir schon Dein Herz geschenkt! Ich weiß, ich bin dann ganz närrisch vor Glück u. drücke Dich an mich u. flüstere Dir immer u. immer wieder zu, daß ich Dich [dreifach unterstrichen:] gar gar so lieb habe! O, es wird so schön u. ich ahne es, wie lieb Du zu mir sein wirst, wie lieb u. gut! Dir dann tief, tief ins süße Auge sehen u. darin dann lesen, daß auch Du mich lieb hast! Liebling, ich weiß auch schon, daß Du es gar nicht verlangst in Gesellschaft zu gehen – denn bei uns wird es nie langweilig werden; wir haben so viel Interessen, daß wir immer u immer zu thun haben u. immer u immer uns weiterbilden!
Apropos: Die Bücher behalte ruhig, bis Du im July nach München kommst – dann bringst Du sie mit; damit ist’s Porto erspart, u ich brauche sie ja früher nicht!
Was Du mit den 200 M machen sollst? Einen Pfandbrief (4%) zu 200 M von der Bayerischen Hypothek- u. Wechselbank kaufen dafür!
Nun sende ich morgen an Blüthner wieder Geld; der Flügel ist aber theuer – aber weißt Du, wenn wir heirathen, dann ist alles längst bezahlt – ich habe sonst keine Schulden mehr – u. alles Geld, was ich verdiene, gehört dann uns!
Mein Orchesterwerk hat folgende Besetzung: 1 kleine Flöte, 3 große Flöten, 3 Oboen, 1 englisch Horn, 3 Klarinetten, 1 Baßklarinette, 3 Fagotte, 1 Contrafagott, 4 Trompeten, 6 Hörner, 3 Posaunen, 1 Baßtuba, 2 Harfen, 16 I.Violinen, 16 II. Violinen, 14 Violen, 12 Violoncellis [sic], 8 Contrabässe, 2 Pauken, 1 Becken u. 1 große Trommel! – Zu einem Chorwerk mit Orchester habe ich wundervollen Text, ganz außergewöhnlich im Sujet u. Stimmung; so eine Art „Böcklin“ – „Die Gefilde der Seligen“!
Apropos: sehe Dir mal den 149. Psalm an: ich möchte denselben für 8stimmigen großen Chor mit großem Orchester u. Orgel machen!
Gelt, Schatz, die Idee ist gut!
Nun, bitte, sage Deiner Frau Mama meine besten u. allerherzlichsten Wünsche zur baldigsten Genesung; es betrübt mich der Rückfall sehr! Grüße mir Deine Frau Mama bestens, auch Baronesse, Tante!
Und was könntest Du mir wohl für eine Riesengroße Freude machen: bitte, bitte, sende mir doch [dreifach unterstrichen:] endlich mal ein Bild von Dir! Gelt Schatzl? Ich bitte, bitte bitte so sehr, [vierfach unterstrichen:] sende mir ein Bild von Dir! Laß mich Armen nicht so betteln!
Und weißt Du, wie Du mich noch recht, recht erfreuen könntest: mir recht, recht bald schreiben u. viel, viel u. lieb u. lieb schreiben! Sieh, seit gestern (Sonntag) war ich sehr traurig, weil ich gestern Sonntag schon Brief von Dir erwartete; ich hab’ Dich eben gar so unmenschlich lieb u. sehne mich so nach Dir – u. da ist eben ein Brief von Dir mir so, so eine Freude, solch eine herzinnigste Freude!
Nun mein süß, gute, himmlisch gute Elsa; ich denke immer u. immer an Dich u. denk halt Du auch ein bißchen an mich! Sieh, Dein M. hat Dich gar so lieb u. sehnt sich so nach Dir!
Schreib mir recht balde!
Einen Kuß Deinem lieben Händchen
Dein
Max
Noch 14 Tage u. ich habe eine kleine Überraschung für Dich!
Willst Du nicht diesen Sommer mal zu uns kommen? Ja?
O, süß Liebling, ich hab Dich gar so gerne! Du sagst [dreifach unterstrichen:] nicht nein! Hab tausend Dank mein ganzes Leben lang!
Object reference
Max Reger to Elsa Reger, München, 6th May 1902, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01004241.html, version 4.0, 12th May 2026.
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