München, 23rd May 1902

Max Reger to Elsa Reger

Object type
Letter
Date
23rd May 1902 (postmark)
Sent location
München
Source location
DE,
Karlsruhe,
Max-Reger-Institut/Elsa-Reger-Stiftung,
Ep. Ms. 1710

Senders
  • Max Reger
Recipients

Incipit
Mein Mädel!
Du wirst meine Karte, welche den Grund enthielt, warum ich erst heute […]

Regesta
rät der E. ab, Sängerin zu werden, da sie zu zart wäre • hat der E. ein Werk gewidmet • erzählt, was er vor Kurzem verdient habe • wirbt um sie • »Otto Spitzweg versteht vom Geschäft nichts« • bemüht sich um eine Wohnung für sie • überlegt, ob sie ein Dienstmädchen brauchen • sendet der E. morgen Kritiken zu • wartet auf ein Bild von ihr
Remarks
Referenced works

Publications

1.

Donnerstag, abends 8 Uhr
Mein Mädel!
Du wirst meine Karte, welche den Grund enthielt, warum ich erst heute abend zum Schreiben komme, erhalten haben – auch die Noten?
Am Tage habe ich zu langen Briefen mit bestem Willen keine Zeit, da ich zuviel Arbeit habe!
Meine Unterschrift auf der Karte: „schlecht gelaunt“ wirst Du wohl verstanden haben! Dein letzter Brief an mich war wieder so – wie viel Mühe gebe ich mir – u. allemal wirfst Du die Sache wieder übern Haufen! Wie oft muß ich wohl nochmals zu bauen anfangen?
Nun zur genauen Beantwortung Deines Briefes!
Daß ich ein Bild erhalten soll, freut mich sehr – ich bin sehr ungeduldig darauf – u. hoffe ich sehr, daß es balde kommt!
Was – Du u. Sängerin werden – o Gott, welche Idee! Wer solch empfindliche Natur wie Du bist, eignet sich zu einer solch öffentlichen Laufbahn nicht! Denn da muß man eine sehr, sehr „dicke Haut“ haben u. viel, viel Enttäuschung einstecken können. Außerdem gehört sich zu solch einer Laufbahn heutzutage, wie die Verhältnisse mal liegen, vor Allem viel, viel Geld –! Alle unsere großen Sängerinnen haben alle mehr oder minder am Anfange ihrer Laufbahn schon bezahlen müssen! Das hab’ ich doch schon lange gewußt, daß Du rasendes Lampenfieber hast, u. dieses Lampenfieber hätte zu-, nicht abgenommen, wie die Erfahrung beweist! Du sollst in meinem Hause als meine Frau singen! Das wird Dir u. mir wohl unendlich mehr u. reinere Befriedigung gewähren als wenn Du jener Herde von Kaffern, genannt Publikum vorsingst!
Ich habe heute, als ich die Korrekturabzüge von „Befiehl dem Herrn“ erhielt, extra die Widmung draufgeschrieben – ich hoffe sehr, daß dies befolgt wird; wenn nicht, dann schlage ich Krach in der Stecherei in Leipzig; habe mit den Herren da so wie so noch ein Hühnchen zu pflücken!
Paß auf, mein lieb Mädel, ich weiß sehr wohl, was mutlose Stimmungen sind – aber dagegen muß man ankämpfen, u. – hast Du denn jetzt wirklich so viel Grund zu mutlosen Stimmungen? Weißt Du nicht, daß ich Dich so unendlich gerne habe, daß ich Dir an meiner Seite alles bieten werde, was man einer so geliebten Frau nur bieten kann! Kannst Du jetzt nicht mit viel ruhigerem Sinn u. Mut in die Zukunft blicken? Freust Du Dich nicht schon selbst darauf, mein zu werden, mir all das zu sein, was Du mir werden wirst – u. was Dir nicht schwer fallen kann, wenn Du nur ein bißchen guten Willen dazu hast! Warum mutlos sein? Warum läßt Du dann immer wieder die Schatten Deiner Vergangenheit über Dich Herr werden? Soll das nicht alles hinter Dir liegen?
„Ob ich am 19. März M. R’s Frau werde, liegt nur an ihm“ – so schreibst Du! Gut, mein herzig Mädel, ich nehme Dich beim Wort! Also, Du mußt mein werden; von meiner Seite aus wird nichts geschehen, daß es Dir nicht möglich machen könnte, meine Frau zu werden! Am 19. März 1903 wirst Du meine Frau! Ich baue auf Dein Wort – u. wie ich auf Dich baue – das kannst Du Dir wohl denken!
Nun, dann lassen wir uns in der Kirche trauen, vorher Standesamt; in 1 Stunde ist ja alles erledigt! Was sollte denn mich das zurückschrecken? Warum denn? Solche Kleinigkeiten dürfen uns zwei nicht genieren!
Nun ich hab nicht nur 400 M, sondern 700 M verdient, ohne einen Federstrich! Ich weiß aber nicht, ob ich das Geld jetzt schon flüssig mache – oder die Sache ruhen lassen, bis wir vereint sind, wo uns die 700 M als „Notpfennig“ auch nicht unwillkommen sein werden. Was meinst Du dazu? Bitte, schreib’ mir darüber! Bitte sehr!
Ich weiß nicht, mich stimmt das Regenwetter nicht so traurig! Ich sitze an meinem Schreibtisch u werde es gar nicht gewahr!
Den kleinen Brief im Blumenkästchen hab ich freilich gefunden! Danke sehr für denselben! Für Deine Adlerkarte ebensolchen Dank! Warum sollte ich denn, das nicht wissen was die Karte sagen soll – aber einen Zusatz muß ich machen: dieser Adlerflug ist erst dann bei mir, wenn Du mein bist!
Ich habe jetzt mehr Schlafbedürfnis, weil ich in den letzten Tagen zu sehr gearbeitet habe; bis 1. Juni lasse ich’s nun etwas ruhiger gehen. Dein Kreuzweh verliert sich, wenn Du meine Frau bist, denn dann hast Du ein ruhiges, ruhiges Leben voller Frieden, ohne jeglichen Aufregungen! – Aber bitte, viel Spinat essen! (Ich esse ihn sehr gerne!) 10 [Pfennigzeichen] für eine Stunde – na, ich danke! Da mußt Du unbedingt steigern! 1 Mark wäre da das Geringste!
Aber, Liebling, Du mußt als meine Frau nicht bis um 11 Uhr aufbleiben, kannst ins Nest gehen wann Du willst; Du sollst bei mir ganz Deiner Gesundheit leben!
Paß auf, solche Menschen wie Crailsheim sind u. bleiben mal Tölpel – Mitleid ist da vollends überflüssig! Hätte er mehr gelernt!
Was solltest Du am Abend vor unsere Hochzeit für traurige Gedanken haben? Nein, alles alles soll hinter Dir liegen, mit frohem, starkem Sinn sollst Du da in Zukunft blicken – was vergangen ist, ist vergangen! Warte nur, balde sende ich Dir mal eine Portion von meiner nicht umzubringenden Elastizität u. meiner ebensolchen Zähigkeit! Du mußt an diesem Abend nicht an die Vergangenheit, sondern an unsere gemeinsame Zukunft denken, u. unsere gemeinsame Zukunft wird schön,daher lasse mich sorgen u. habe Du ein bißchen klein guten Willen dazu – dann wird alles gut!
Daß ich nichts trinke, ist keine Unnatur – ist im Gegentheil für den Körper nur von wohltätigstem Einfluß; ich muß es doch selbst am besten spüren! Abgesehen davon, daß Dir meine Arbeitskraft eine mindestens 2fache ist, ist z.B. das Auffassungsvermögen, kurzum die gesamte geistige Regsamkeit eine solch ungleich viel intensivere! Und rein physisch betrachtet, welche Wohlthat für den Körper stets normal, nie mit den Folgen von Alkohol belastet – na, das sind Sachen, die mir den zweifelhaften Genuß, den Alkohol nur in der Einbildung verschafft, mehr als voll aufwiegen! Unnatur ist es nie und nimmer! Gerade unser einer braucht die Nerven, sein Hirn 10 x mal wie um andere – und ist da jede vernünftige Lebensweise nur von Vortheil! Übrigens stehe ich da nicht allein da! Ich kenne viele Ärzte, die nichts trinken! ZB. wenn Loritz u. ich zusammen Concert haben, er transpiriert wie ein Braten, ich nicht einen Tropfen! Im Sommer habe ich selbst die Erfahrung gemacht, daß man ohne Alkohol nicht die Hälfte transpiriert, als der, der selbst sehr mäßig Alkohol nimmt! Es kommt jetzt abends bei mir vor, daß ich mit 1 Glas Limonade vollständig reiche; nur wenn ich scharfe Speisen genossen habe, dann werden es höchstens 3 Glas; ferner, was erspart man da! Ein Glas Bier kostet 12 [Pfennigzeichen] – eine Limonade 5 [Pfennigzeichen]! Und da ich jetzt abends doch immer zu Hause bin! Z.B. Eugen Gura trinkt seit langer Zeit nie Alkohol! Also, sei so gut u. sehe darin keine Unnatur mehr; es ist nur gesund! Ich hab’s an mir selbst zur Genüge erfahren!
Nun ist meine Strafpredigt zu Ende!
Komm, setz Dich zu mir, ich lege meinen Arm um Dich u. hab’ Dir ja so viel zu sagen! Schatz, mein süß Mädel, warum soll es Dir bange machen, wenn ich Dir sage, daß ich Dich so lieb, so lieb hab? Hast Du mir nicht selbst geschrieben, daß Du mir Dein Herz schenken willst? Das kann Dir doch unmöglich bange machen! Werde nur erst mein, u ich weiß, Du schenkst mir dann Dein Herz; hast es mir ja schon selbst geschriben! Warum so verzagt sein? Du hast doch sicher keinen Grund dazu!
Und mein lieb süß Mädel! Die Einwendungen Deiner Frau Mama! Du schreibst: „was ich aber noch ernstlich gewollt habe, setzte ich auch durch!“ Also, nun wolle mal ernstlich! Diese Kämpfe, die so schlimm nicht werden, werden Dich nicht so elend machen; Du stehst doch nicht allein in diesem Kampf, ich stehe doch an Deiner Seite u. helfe Dir so sehr! Sieh, so viele adlige Mädchen haben Bürgerliche geheiratet, u. ich denke mein Name als Künstler wird Deiner Frau Mama es wohl bedeutend leichter machen! Darum schreibe ich Dir immer, Du sollst alle Kritiken Deiner Frau Mama vorlesen, damit sie sieht, wie ich mich herausgearbeitet habe! Und ich denke, das muß ihr doch imponieren, wenn sie sieht, wie ich mich innerhalb von nicht ganz 3 Jahren emporgeschwungen habe! Also, lasse Dir da nicht zu schnell angst werden! Ich helfe Dir so sehr – u die Zeit wird sehr bald kommen, wo Deine Frau Mama, wenn sie sieht, wie schön Du es bei mir hast, wie einig u. so gut wir zusammen leben, dann selbst sagt, daß sie für ihre Tochter Elsa keinen anderen Mann sich wünschen könnte! Aber Du mußt fest, felsenfest zu mir halten, nicht wanken in dem Streite! Er wird gar nicht so arg! Ich lobe Dich ja nicht so übermäßig, loben steht überhaupt in meinem Lexikon klein gedruckt! Warum soll sich da Deine Seele verkriechen? Und vor allzu großer Zärtlichkeit getraust Du Dich nicht zu regen! Aber, lieb süß Mädel! Wie soll das für Dich denn Dich Bedrückendes haben, wenn ich Dir an meiner Seite ein so, so unendlich schönes Leben bereite?
Du schenkst mir Dein Herz, ich weiß es! Also laß uns fest u. ruhig in die Zukunft sehen, Hand in Hand gehen, einander alles sein! Sieh, jene Liebe, wie sie ein Backfisch oder junges Mädchen hat, verlange ich von Dir nicht; ich weiß, daß Du mir jene Liebe, die ich von Dir verlange, Du mir sicher, sicher schenken wirst – denn Du schenkst mir Dein Herz!
Was sind das immer für Gedanken vom Tod sein u. Dein Lenz dahin sein! Nein, Dein Lenz u. Sommer sollen an meiner Seite erst blühen – hab nur Du ein klein bißchen guten Willen u. Mut, dazu! Und dann höre, Dein Alleinsein, denn Deiner Frau Mama u. Berthel sagst Du ja das nicht, befördern solche Gedanken; bist Du mein, in innigstem, geistigem Verständnisse stets mit mir, dann werden jene Gedanken nicht mehr kommen – denn dann wirst Du Dich an meinem unbeugbaren Mute aufrichten, wirst meine Liebe nicht mehr als etwas Dich Bedrückendes empfinden, sondern als etwas Selbstverständliches, daß ich Dich, meine so unendlich theuere Gefährtin meines Lebens, so sehr liebe, achte u. ehre! Glaub mir das! Ich hab Recht! Und wegen des Einen, das Du Dir dann als meine Frau ersehnst! Aber, Liebling, wer wird denn da alle Hoffnung so aufgeben! Und selbst wenn Gott unseren Bund darin nicht segnen würde – das würde Dich an meiner Seite nicht so unglücklich machen, denn ich könnte u. kann Dir so viel bieten, kann Dir es vergessen machen! Warum auch da so trübe Gedanken haben? Mut, mein süß Mädel!
Was soll es Dich denn sonderbar berühren, wenn wir hier so alles bereden, Wohnung etc etc betreffend! Meine Eltern u. Schwester wissen sehr wohl, daß es für mich nur eine Frau gibt, u. das bist Du! Meine Eltern u. Schwester werden stets sehr gut zu Dir sein u. ich halte, was ich Dir versprochen habe; da brauchst Du wiederum keine Bange zu haben!
Was die Welt sagt, wenn ich Dir jedes Jahr ein Werk widme, ist „wurst“! Bei R. Strauß ist das was anderes, wenn man weiß, wie unfein u voller Hohn die Frau für das Schaffen ihres Mannes ist! Verdienen thu ich genug; darüber kann u. wird Deine Frau Mama s.z. vollends beruhigt sein!
Eugen Spitzweg ist noch immer krank! Wann es besser wird, weiß ich nicht! Otto Spitzweg versteht vom Geschäft nichts; ist so, daß wenn er die Firma noch 2–3 Jahre weiter allein leitet, selbe nicht mal die Hälfte wert ist! Darüber mündlich mehr; denn es ist zu ausführlich; ich kann eben nur das sagen, daß er in seiner Engherzigkeit oft große Versehen macht; so erst in letzter Woche 2, welche mich sehr verstimmten u. die zu ungeschickt sind; ich werde ihn aber bei den Folgen daran erinnern! Nun, ich kann zusehen; ich bin so gestellt, daß er froh sein muß von mir was für seinen Verlag zu erhalten! So 1500 M jährlich zahlt er mir doch!
Daß Du nicht das Vorurtheil wegen bürgerlich hast, schätze ich sehr an Dir!
Nun, ja, die geschnitzten Stühle in mein Zimmer! 2 Stühle u. 1 Hocker; die hast Du ja schon! Paß auf; wir werden die Wohnung Wörthstr 35 I doch nicht nehmen! Ich hab mit Frau Rosa drüber gesprochen; die sagte, wir können für daselbe Geld (60–65 M monatlich) eine schönere Wohnung mit ebenso viel, aber größeren Zimmern erhalten; wir haben’s nun so ausgemacht! Ist die Zeit (November) da, dann sieht sie so 60–70 Wohnungen an; so 10 kommen dann in die „engere Wahl“, dann kommst Du nach München zu uns u. dann entscheiden wir zwei uns endgültig; die Frau kennt die Verhältnisse hier ausgezeichnet, u. dadurch ist Dir Mühe erspart! Ist’s so nicht am besten? Frau Rosa ist ganz u. gar für uns u. werden wir an Ulrich’s netten Verkehr haben; haben mir schon eine große, sehr schöne Büste zu unserer Wohnung geschenkt! Frau Rosa ist sehr praktisch u. weiß, wie unsere Wohnung ungefähr sein muß, u wenn sie so 10–12 hat, die passen könnten, dann kommst Du u. siehst Du Dir dieselben an; Du entscheidest natürlich! Wir können dann auch gleich sehen, was wir alles noch brauchen an Einrichtung! Nicht wahr!
Ferner meint sie: es wäre wohl besser, wenn wir kein Dienstmädchen nehmen, sondern eine Zugehfrau, die morgens um 7 Uhr kommt – bis 10½ Uhr bleibt, mittags wieder u abends wieder kommt; sie sagt, in einem so jungen Haushalt gibt es gar nicht so viel Arbeit, das man ein Dienstmädchen den ganzen Tag beschäftigen kann! Dadurch wäre dann das Essen erspart u. kostet weniger Lohn! Was meinst Du dazu? Bitte, schreib mir darüber! Natürlich entscheidest Du!
Nun, süß gut Mädel, wann erhalte ich denn endlich mal Dein Bild? Sag, weißt Du es denn nicht, daß ich mich so sehr danach sehne u. daß ich mich aber noch viel mehr sehne nach Dir selbst! O, wie schön wird es, wenn Du mein bist! Sag, kannst Du Dir denn gar nicht denken, welch’ ein schönes, schönes, schönes Leben ich Dir an meiner Seite bereiten will?
Paß auf, wenn ich Dir in den nächsten, nächsten Tagen Kritiken (blau angestrichen) sende, so wisse, daß das dann immer ein stiller, aber so treuer Gruß von mir ist! Ich bitte Dich sehr, sehr, alle Kritiken immer Deiner Frau Mama vorlesen! (Auch alle Programme!) Und mir immer den Empfang bestätigen, gut aufheben!
Sei mir gut u. behalte mich lieb u. bleibe mir so treu, als ich es Dir bin! Sei guten Mutes; alles, alles wird u. muß gut werden! Nicht verzagen!
Und wie ich mich freue, wenn Du mein wirst; o, Du, schenkst mir dann Dein Herz; ich weiß es! Elsa, mein süß gut he[r]zig Mädel, schreib mir immer lieb und gut! Nicht mehr traurig sein! Sieh, mein süß Liebling, bei uns wird es so schön! Sieh, Du selbst schreibst mir, alle meine so wunderschönen Träume sollen in Erfüllung gehen, nur noch viel schöner! Und was hab ich letzten Montag abend wieder alles von Dir geträumt! Wenn Du das wüßtest! Aber warte nur, wenn Du mein süßes Bräutchen bist, dann sage ich es Dir alles ins Ohr u ich weiß, Du gewinnst mich dann sehr lieb!
Paß auf, wenn Deine Frau Mama „einigermaßen“ „ja“ gesagt hat, am andern Tag komme ich zu Dir nach Schneewinkl! Und wenn’s nur ein paar Tage sind – ich muß hin zu Dir, denn ich sehne mich zu sehr nach Dir! Bist Du mir böse deshalb? Gelt, nein, mein lieb, süß Mädel!
Und höre, die Trauung in der Kirche geniert mich gar nicht!
Unsere Wohnung mieten wir von 1. März ab, damit wir sie in der Zeit vom 1.–19. März fein einrichten können! Gelt ja! Noch was: sind wir Brautleute, dann verlebe ich die nächsten Weihnachtstage selbstredend bei Dir! Gelt, es ist Dir recht? Schreib mir darüber! Nein, Elsa, Du darfst keine trüben Gedanken mehr haben; Du mußt u. darfst nicht verzagt sein! Aber ich weiß ja, alles, alles wird gut, wenn Du meine so sehr geliebte Frau bist; dann – weiß ich – bist Du nicht mehr, nie mehr mutlos! Und nie, niemals sollst Du an mir was erleben, was Dich nur im Geringsten kränkt! Deine Frau Mama muß auf mich als ihren Schwiegersohn nochmals sehr stolz werden.
Ach, wenn Du doch jetzt bei mir wärest; ich weiß, alle, alle, alle Deine trüben Gedanken wären verflogen, u. Du, mein süß, lieb Mädel, wärest so glücklich, weil ich Dir so viel, viel Frieden, Ruhe brächte! Gelt, mein Liebling! Aber nur nicht verzagen jetzt! Sieh, was muß ich oft für Widerwärtigkeiten in meinem Berufe erleben, – na, was thu ich da! Ich lasse mich da nie nie nur im Geringsten beirren! Folge doch darin meinem Beispiel! Und dann, wirst Du sehen, Dein Lenz, Dein Sommer blüht erst recht, wenn Du meine Frau bist! Ich bereite Dir ein Leben so voller Friede, Ruhe u. Glück.
Unser Heim wird so nett! Und Du sollst darin herrschen als meine so unsagbar treu u. innig geliebte Frau! Freust Du Dich denn nicht auch drauf? Und, sehnst Dich nach Glück – wer außer mir, vermöchte Dir Glück zu bieten, Glück, wie Du u ich es verstehen? Also fest, felsenfest, guten Muthes sein und alle alle trüben Gedanken energisch bekämpfen!
Ich hoffe sehr, daß meine Bilder nun balde fertig werden! Im Falle ich morgen früh noch welche erhalte, sende ich sogleich mit! Aber bis zum nächsten Briefe hoffe ich sehr, daß ich Dir welche senden kann! Aber, bitte, wann, wann kommt denn Dein Bild? Kannst Du mich denn gar so sehr bitten u. betteln lassen? Kannst Du Dir denn gar nicht denken, wie sehr ich mich sehne nach einem Bilde von Dir! Also, bitte, bitte, [fünffach unterstrichen:] baldigst, baldigst!
O, ich hätte Dir so viel zu sagen, was aber zu lang ist, als daß man es schreiben kann – u. wie ich mich freue, mit Dir als meiner Frau dereinst alles, alles besprechen zu können!
Gelt, mein lieb süß Mädel, Du bist nicht böse, wenn dieser Brief etwas später kommt – aber ich konnte denselben mit bestem Willen nicht früher schreiben! Also nicht böse sein u. schmollen u. denken, mir jetzt 8 Tage lang nicht zu schreiben, was sehr, sehr, sehr Unrecht wäre von Dir! Schau, ich beantworte Deine Briefe immer so bald als mir überhaupt nur möglich ist! Und wie gerne schreib ich Dir! Ahnst Du das wohl? Oder nicht?
Nun leb wohl, schreibe mir, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, recht bald großen, großen u. lieben, lieben Brief! Meine Eltern u. Schwester danken Dir sehr für Deine Grüße u. erwidern selbe aufs herzlichste!
Bitte grüße von mir bestens Deine Frau Mama, Berthel u Tante! Und Du, mein herzigs, süßes, so treu u. so innig geliebtes Mädel, mein lieb gut Elsa, mein Liebling, denk immer u. immer daran, wie sehr ich Dich lieb hab! Denk Du an mich immer u. immer! Nun gute Nacht! Ich träume von Dir! Träum Du von uns beiden! Morgen früh schreibe ich weiter! Hoffentlich kommt das Bild! Gute Nacht! Mein Liebling!

Freitag morgen:
Guten Morgen, wie hast Du denn geschlafen? Doch gut? Ach, meine Bilder sind noch nicht gekommen! Das ist recht dumm! Aber ich hoffe sicher bis zum nächsten Briefe, daß sie da sind. Gelt, wenn also in den allernächsten Tagen Kritiken kommen, dann weißt Du Bescheid!
Nun, leb recht wohl, sieh, heute ist ja die Sonne da, sei froh, guten Mutes, verzage nicht mehr! Schreib mir recht recht balde wieder einen großen, großen u. lieben, lieben Brief. Und denke Du immer daran, daß ich Dich gar so, gar so lieb habe und ich immer so an Dich denke! Heute hab’ ich eine Masse zu thun, doch lasse ich’s bis 1. Juni doch ein bißchen langsamer gehen – ein ganz klein bißl ausruhen thue ich mich doch! Gelt, über[an]strenge Du Dich nur nicht!
Mit schönsten, herzlichsten Grüßen an Dich u die Deinen
Dein Max.

Höre mal, gelt, Dein Bild – wann kommt es denn endlich einmal? Bitte, bitte, sende es mir baldigst! Hast Du Dich schon aufnehmen lassen? Ich sehne mich so sehr nach Deinem Bilde, noch viel mehr, viel viel mehr nach Dir! Bleib mir gut u. behalte mich lieb, u bleib treu!

Object reference

Max Reger to Elsa Reger, München, 23rd May 1902, in: Reger-Werkausgabe, www.reger-werkausgabe.de/mri_postObj_01004247.html, last check: 13th July 2024.

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